Gold: Bessent verdoppelt Anleihe-Rückkäufe

Gold steigt dank US-Anleihen-Intervention auf Rekordhoch. Analysten sehen weiteres Potenzial, warnen aber vor steigender Volatilität.

Felix Baarz ·
Polierte Goldbarren auf einem dunklen Schreibtisch in einem professionellen Büro (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis überwindet 4.600-Dollar-Marke
  • US-Finanzministerium verdoppelt Anleihen-Rückkäufe
  • Gold überholt US-Staatsanleihen in Zentralbankreserven
  • Goldman Sachs sieht Aufwärtspotenzial

Der Goldpreis hat am Freitag die Marke von 4.600 US-Dollar je Feinunze überwunden und die Woche mit einem Plus von 1,9 Prozent auf 4.661,60 Dollar abgeschlossen.

Auslöser war eine Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Finanzmärkte weltweit in Bewegung versetzte: Finanzminister Scott Bessent verdoppelte die Rückkaufoperationen für langlaufende Staatsanleihen von bislang 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Transaktion. Die Maßnahme soll ab dem 9. September bis zum 4. November laufen.

Warum die Anleihen-Intervention Gold beflügelt

Die Reaktion an den Märkten fiel deutlich aus. Nach der Ankündigung sackte die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe von ihrem 19-Jahres-Hoch bei 5,34 Prozent zunächst auf rund 5,19 Prozent ab, bevor sie sich wieder über das Niveau vor der Ankündigung erholte.

Laut der koreanischen Nachrichtenagentur Nocutnews stieg die 30-jährige Rendite bis zum 20. August bereits wieder auf 5,248 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Rückkäufe die Sorgen der Anleger nicht dauerhaft besänftigen konnten. Der Dollar-Index fiel derweil unter die Marke von 99 Punkten.

Hintergrund der Nervosität ist die historische Dimension der US-Verschuldung: Sie überstieg am 18. August erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar, ein Anstieg um eine Billion innerhalb von nur fünf Monaten. Der Internationale Währungsfonds beziffert die Bruttoverschuldung für 2026 auf 40,7 Billionen Dollar, das entspricht 125,8 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Allein die Zinskosten übersteigen mittlerweile eine Billion Dollar pro Jahr. Das Congressional Budget Office rechnet bis 2036 mit einem Anstieg auf 64 Billionen Dollar. Analysten von JPMorgan kritisierten die Anleihenrückkäufe scharf als bloße Symptombekämpfung, die das strukturelle Defizitproblem nicht löse.

Der Ökonom Robin Brooks von der Brookings Institution warnte laut einem Bericht sogar vor einer Entwicklung ähnlich der japanischen Währungsabwertung. Auch am Devisen-Optionsmarkt zeigt sich Skepsis: Die Stimmung gegenüber dem Dollar ist so pessimistisch wie zuletzt im Februar.

Goldman Sachs sieht weiteres Aufwärtspotenzial

Die Bank of America-Rivalin Goldman Sachs hält an ihrer Jahresendprognose von 4.900 Dollar je Unze fest, sieht die Risiken für den Goldpreis aber klar nach oben gerichtet.

Die zuständige Analystin Lina Thomas verweist auf eine steigende Nachfrage westlicher Investoren und anhaltende Zentralbankkäufe als mögliche Beschleuniger der Rallye. Zugleich mahnt sie, dass eine verstärkte Nachfrage nach Aufwärts-Optionen die Volatilität erhöhen und im Umkehrschluss auch Abwärtsbewegungen verschärfen könne.

Auch der bekannte Investor Ray Dalio riet Anlegern, 10 bis 15 Prozent ihres Portfolios in Gold zu halten und zusätzlich einen kleinen Anteil in Bitcoin. Er sieht eine mögliche US-Schuldenkrise in drei Jahren, plus minus zwei, kommen – bei Staatseinnahmen von rund 5,5 Billionen Dollar gegenüber Ausgaben von 7,5 Billionen Dollar.

Strukturell erhält der Goldpreis zusätzlichen Rückenwind: Der Anteil von Gold an den globalen Zentralbankreserven hat 2025 erstmals seit rund 30 Jahren den Anteil von US-Staatsanleihen übertroffen – 27 Prozent gegenüber 22 Prozent. China baute seine Goldreserven bis Ende Mai den 19. Monat in Folge aus, auf zuletzt 74,96 Millionen Unzen.

Ausblick: Wichtige Termine im Blick

Anleger richten den Blick nun auf die kommende Woche: Am 26. August stehen die PCE-Inflationsdaten an, vom 27. bis 29. August tagt das Notenbanker-Symposium in Jackson Hole.

Mit einer relativen Stärke von 70,5 Punkten (RSI) gilt Gold zwar als kurzfristig überkauft, der Abstand von 11 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt aber die Wucht der jüngsten Aufwärtsbewegung. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar aus Ende Januar fehlen dem Goldpreis noch 17 Prozent.

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