Gold: Chinas Importe steigen um 81 Prozent
Chinas Goldimporte steigen massiv, während US-Zinsdruck den Goldpreis belastet. Die physische Stärke aus Asien trifft auf makroökonomischen Gegenwind.

Kurz zusammengefasst
- Chinas Netto-Goldimporte steigen um 81 Prozent
- Zentralbank erhöht Goldreserven im 18. Monat
- US-Inflation und Zinsniveau belasten den Goldpreis
- Goldpreis bleibt 16,7 Prozent unter Jahreshoch
Starke Importzahlen aus China, fortgesetzte Zentralbankkäufe — und trotzdem bleibt der Goldpreis unter Druck. Wer die aktuelle Lage am Goldmarkt verstehen will, muss zwei Kräfte gleichzeitig im Blick behalten: die robuste physische Nachfrage aus Asien und das hartnäckige Zinsumfeld in den USA.
Hongkong-Daten signalisieren Nachfrageschub
Chinas Netto-Goldimporte über Hongkong sind im April um 81,2 Prozent gegenüber März gestiegen — auf 86,7 Tonnen. Die gesamten Einfuhren über diese Route kletterten auf knapp 99,3 Tonnen nach rund 79,6 Tonnen im Vormonat. Ein kräftiger Sprung, auch wenn die Hongkong-Route nur einen Teil des chinesischen Goldhandels abbildet. Weitere Mengen fließen über Shanghai und Peking ins Land.
Hinzu kommen die Zentralbankkäufe der People’s Bank of China: Ihre Goldreserven lagen Ende April bei 74,64 Millionen Feinunzen, nach 74,38 Millionen im März. Der World Gold Council wertet dies als den 18. monatlichen Aufbau in Folge — die offiziellen chinesischen Bestände stehen damit bei 2.322 Tonnen.
US-Daten dämpfen Zinssenkungshoffnungen
Während aus Asien Rückenwind kommt, liefern die USA ein gemischtes Bild. Der PCE-Preisindex — das bevorzugte Inflationsmaß der Federal Reserve — stieg im April um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 3,3 Prozent. Parallel dazu wurde das US-Wachstum für das erste Quartal nach unten korrigiert: Das reale BIP wuchs annualisiert nur noch um 1,6 Prozent, nach zunächst gemeldeten 2,0 Prozent.
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Für Gold ist das eine klassische Zwickmühle. Schwächeres Wachstum spricht für defensive Anlagen, erhöhte Inflation hält die Fed auf Kurs — und der Leitzins verharrt bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Zinsloses Gold leidet, solange Anleihen attraktive Renditen bieten.
Physische Stärke gegen Makrodruck
Der Goldpreis schloss am Donnerstag bei 4.538 US-Dollar je Feinunze — rund 16,7 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.450 Dollar, das im Januar 2026 erreicht wurde. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 4,5 Prozent zu Buche.
Das beschreibt die Lage präzise: Die physische Nachfrage aus China liefert eine solide Basis, reicht aber allein nicht aus, um den Makrogegenwind aus Washington zu kompensieren. Erst wenn die Fed Spielraum für Zinssenkungen signalisiert — oder die geopolitischen Risiken eskalieren — dürfte Gold seinen Abstand zum Jahreshoch wieder verkürzen.
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