Gold: Commerzbank senkt Ziel auf 4.500 Dollar

Das Edelmetall steigt vom Neun-Monats-Tief, gestützt durch stabile US-Zinsen und geopolitische Spannungen.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis springt über 4.100 Dollar
  • Fed belässt Zinssatz unverändert
  • Iran-Angriffe treiben sichere Häfen
  • Commerzbank senkt Prognose erneut

Der Goldpreis springt zurück. Nach einem Neun-Monats-Tief bei 3.975 US-Dollar je Feinunze klettert das Edelmetall in Richtung der Marke von 4.100 US-Dollar. Auslöser ist die Zinsentscheidung der Federal Reserve vom Mittwoch.

Fed pausiert, drei Mitglieder wollten mehr

Die US-Notenbank lässt ihr Zielband für die Fed Funds Rate unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Es ist bereits die fünfte Pause in Folge. Drei Mitglieder des FOMC stimmten allerdings für eine Zinserhöhung.

Für Gold-Investoren bedeutet die Stabilität kurzfristig Entlastung. Höhere Zinsen schmälern normalerweise die Attraktivität von Anlagen ohne Zinsertrag wie Gold. Entscheidender als der Beschluss selbst wirkten die Worte von Fed-Chef Kevin Warsh. Er erklärte, höhere Zinsen könnten eine angemessene Reaktion werden, sollte die Inflation über den gesamten Prognosezeitraum erhöht bleiben.

Nahost-Spannungen verstärken die Nachfrage

Parallel zur Zinsentscheidung treibt die Lage im Nahen Osten die Nachfrage nach sicheren Häfen an. Iran griff US-Streitkräfte im Persischen Golf an. Zusätzlich attackierte Iran Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Teheran wies laut Berichten einen Vorschlag Omans zurück, der eine gemeinsame regionale Verwaltung der Straße von Hormus vorsah. US-Präsident Donald Trump kündigte nach einem Angriff auf US-Streitkräfte in Jordanien eine harte Reaktion an. Beide Seiten ringen weiter um eine Einigung, während Teheran auf der Kontrolle der Meerenge beharrt.

Auch andere Notenbanken dürften diese Woche stillhalten. Die Bank of England und die Bank of Japan signalisieren ebenfalls eine vorsichtige Haltung zur Inflation. Ein solches synchrones Zinsplateau nimmt tendenziell Druck von den Realzinsen — dem zentralen Preistreiber für das zinslose Edelmetall.

Commerzbank kappt Prognose zum zweiten Mal

Die mittelfristige Einschätzung bleibt trotz der Erholung gemischt. Die Commerzbank senkte am Dienstag ihre Goldpreisprognose bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate.

Die Bank erwartet nun 4.500 US-Dollar je Unze zum Jahresende. Im Juni hatte sie noch 4.800 US-Dollar veranschlagt. Bei Silber fiel die Korrektur deutlicher aus: Das Jahresend-Ziel sinkt von 80 auf 67 US-Dollar je Unze.

Analystin Thu Lan Nguyen nennt anhaltenden Inflationsdruck als Grund. Er zwinge die Fed weiterhin zu einer restriktiven Ausrichtung. Die Bank sieht dennoch Erholungspotenzial: Die Markterwartungen seien inzwischen zu aggressiv geworden. Das lasse Gold bis Jahresende Raum für eine Gegenbewegung von den aktuellen Tiefstständen.

Langfristig bleibt die Commerzbank optimistisch. Sie sieht für Gold einen Weg zu 5.000 US-Dollar je Unze im Jahr 2027, sofern der Inflationsdruck nachlässt. Die strukturellen Treiber der diesjährigen Rally sind laut Nguyen nicht verschwunden.

Dazu zählt die wachsende Skepsis gegenüber dem US-Dollar als sicherem Hafen. Das Einfrieren russischer Devisenreserven hat zudem viele Zentralbanken zum Umdenken bewegt. Sie diversifizieren ihre Reserven verstärkt in Richtung Gold, während steigende Staatsschulden in Industrieländern Zweifel an der Sicherheit von Staatsanleihen wecken.

Ausblick

Der Datenkalender bleibt dicht gefüllt. Der nächste Inflationsbericht folgt am 12. August. Die geldpolitische Projektionssitzung der Fed findet am 15. und 16. September statt.

Diese beiden Termine dürften zeigen, wie die Fed mit möglichen Zweitrundeneffekten steigender Energiepreise umgeht. Die Kombination aus vorsichtiger Fed-Politik, anhaltenden Nahost-Spannungen und der zweifach gesenkten Commerzbank-Prognose hält die Schwankungsbreite am Goldmarkt vorerst hoch.

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