Gold: CPI am 14. Juli entscheidend

Die Juni-Verbraucherpreise aus den USA könnten die nächste Goldpreisbewegung bestimmen. Fed-Protokolle und Iran-Eskalation belasten zusätzlich.

Dr. Robert Sasse ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • US-Inflationsdaten am 14. Juli entscheidend
  • Fed-Protokolle zeigen tiefe Meinungsverschiedenheiten
  • Iran-Konflikt treibt Ölpreis und Inflationserwartungen
  • Notenbanken kaufen trotz Kursschwäche weiter Gold

Der Goldpreis hat eine turbulente Woche hinter sich – und die nächste dürfte noch spannender werden. Am Dienstag veröffentlicht Washington die US-Verbraucherpreise für Juni. Diese eine Zahl dürfte laut Marktbeobachtern maßgeblich darüber entscheiden, wohin sich das Edelmetall in den kommenden Wochen bewegt.

Zum Wochenschluss notierte Gold bei 4.127,60 US-Dollar, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht ein Minus von 1,43 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Metall 4,93 Prozent im Minus. Zum Rekordhoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar fehlen inzwischen 26,64 Prozent.

Gespaltener Fed-Ausschuss als Belastung

Am 8. Juli veröffentlichte die US-Notenbank die Protokolle ihrer ersten Sitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Die Sitzung selbst fand bereits Mitte Juni statt und beließ den Leitzins einstimmig bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Überraschend war das nicht.

Brisant wurde es bei den Projektionen. Neun von achtzehn Ausschussmitgliedern erwarten bis Jahresende mindestens eine Zinserhöhung. Acht rechnen dagegen mit keiner Veränderung – ein tiefer Riss innerhalb der Fed.

Iran-Eskalation treibt den Ölpreis

Zeitgleich sorgte eine geopolitische Entwicklung für zusätzlichen Druck. Präsident Trump erklärte beim NATO-Gipfel in Ankara den Waffenstillstand mit Iran für beendet. Luftangriffe auf Iran wurden wieder aufgenommen, der Ölpreis stieg um mehr als 5 Prozent.

Beide Ereignisse befeuern denselben Mechanismus, der Edelmetalle 2026 bereits belastet hat. Steigende Ölpreise schüren Inflationserwartungen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung und lässt Realrenditen steigen – zulasten von Gold und Silber.

Der World Gold Council hat auf dieser Basis eine Fair-Value-Schätzung berechnet. Das mittjährige Bewertungsmodell beziffert den fairen Goldpreis auf rund 4.100 US-Dollar, mit einer Schwankungsbreite von 5 Prozent. Grundlage sind eine erwartete Fed-Zinserhöhung bis Oktober und eine Inflationsspitze nahe 3,9 Prozent.

CPI-Daten am Dienstag als Schlüsseltermin

Die Juni-Inflationsdaten erscheinen am Dienstag, dem 14. Juli, um 8:30 Uhr Eastern Time. Der Mai-Wert lag bei 4,2 Prozent im Jahresvergleich. Genau diese Zahl löste im Juni die restriktive Wende in den Fed-Projektionen aus.

Zwei Szenarien zeichnen sich ab. Liegt der Juni-Wert bei oder über 4,0 Prozent, dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September wieder auf rund 65 Prozent steigen. Realrenditen blieben erhöht, der Druck auf Gold und Silber würde anhalten.

Fällt der Wert dagegen unter 3,8 Prozent, kehrt sich der Mechanismus um. Die Erhöhungswahrscheinlichkeit sinkt, Realrenditen fallen, beide Metalle könnten sich erholen. Das Kursziel von J.P. Morgan für das vierte Quartal – 4.500 US-Dollar – würde damit wieder erreichbar.

Die technischen Indikatoren spiegeln die Unsicherheit wider. Der RSI liegt bei 44, das Metall notiert 5,45 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 4.365,48 US-Dollar. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 27,01 Prozent – ein Hinweis auf die aktuell hohe Nervosität im Markt.

Notenbanken kaufen unbeirrt weiter

Unabhängig vom Ausgang der Inflationsdaten bleibt ein Faktor konstant: die Goldkäufe der Zentralbanken. Chinas Notenbank kaufte im Juni 14,93 Tonnen Gold für ihre Reserven – der größte Einzelmonatskauf seit Oktober 2023. Damit verlängerte sie ihre Kaufserie auf zwanzig aufeinanderfolgende Monate.

Bemerkenswert: Das geschah ausgerechnet während der schwächsten Quartalsentwicklung von Gold seit dem Taper-Tantrum 2013. Das zeigt, dass es sich um eine mehrjährige Reservepolitik handelt – keine Reaktion auf die jüngsten Fed-Protokolle.

Silber trifft es deutlich härter

Während sich Gold in der Nähe seiner fairen Bewertung stabilisiert, traf es das Schwestermetall härter. Silber notierte bei 58,27 US-Dollar, ein Tagesminus von 2,83 Prozent. Zum Januar-Hoch von 121,64 US-Dollar fehlen inzwischen 52 Prozent.

Der Grund liegt in der doppelten Nachfragestruktur des Metalls. Rund 58 Prozent der jährlichen Nachfrage sind industrieller Natur – Solar, Halbleiter, Elektrofahrzeugkomponenten. Eine restriktive Fed-Politik bremst das Wirtschaftswachstum und trifft diesen Motor direkt.

Die restlichen 42 Prozent reagieren monetär, ähnlich wie bei Gold, auf Realrenditen. Am 8. Juli gerieten beide Nachfragemotoren gleichzeitig unter Druck. Die Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei etwa 70, deutlich über ihrem 50-Jahres-Durchschnitt von rund 60 – ein Hinweis auf eine tiefe Unterbewertung von Silber gegenüber Gold, nicht auf einen strukturellen Bruch.

Die Kombination aus Inflationsdaten, fortgesetzter Iran-Eskalation und strukturellen Notenbankkäufen dürfte die Schwankungsbreite beim Goldpreis in den kommenden Tagen hochhalten. Ein Marktbeobachter brachte es auf den Punkt: Die FOMC-Protokolle bestätigten den kurzfristigen Gegenwind, änderten aber nichts an der langfristigen Investitionsthese für Gold. Der 14. Juli ist die nächste Zahl, die zählt.

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