Gold: Das Inflations-Paradoxon

Der Goldpreis wird durch höhere Ölpreise und Inflationsängste ausgebremst, da sie Zinssenkungserwartungen dämpfen. Institutionelle Anleger ziehen Kapital aus ETFs ab, während Zentralbankkäufe den Markt stützen.

Eduard Altmann ·
Goldpreis LBMA Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Inflationsängste dämpfen Hoffnungen auf Zinssenkungen
  • Massive Kapitalabflüsse aus großen Gold-ETFs
  • Zentralbanken kaufen weiterhin tonnenweise Gold
  • Charttechnisch kämpft der Kurs um wichtige Marken

Geopolitische Krisen gelten traditionell als Garant für steigende Edelmetallpreise. Beim Gold beobachten Marktteilnehmer angesichts des Iran-Konflikts derzeit jedoch einen paradoxen Effekt. Statt einer massiven Flucht in den sicheren Hafen befeuern die Spannungen die Ölpreise und damit die US-Inflationssorgen – eine Dynamik, die das zinslose Anlagevehikel spürbar ausbremst.

Gefangen in der Zinsfalle

Nach einer ausgeprägten Korrektur von den Rekordständen über 5.500 US-Dollar verzeichnete das Edelmetall in der Vorwoche zwar eine Erholung von vier Prozent, stößt nun aber wieder an seine Grenzen. Der Hauptgrund liegt in den makroökonomischen Begleiterscheinungen des Krieges. Höhere Energiekosten treiben die Inflationserwartungen in den USA an. Gepaart mit einem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht für März, der mit 178.000 neuen Stellen die Prognosen deutlich übertraf, schwinden die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen.

Das Wells Fargo Investment Institute rechnet aufgrund der geopolitischen Risiken für das gesamte Jahr 2026 nicht mehr mit einem Zinsschritt der US-Notenbank Fed. Dies treibt die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über 4,3 Prozent. Investoren priorisieren in diesem Umfeld kassenähnliche Sicherheiten und den US-Dollar, was die Opportunitätskosten für das Halten von physischem Gold erhöht.

Massive ETF-Abflüsse

Diese veränderten Rahmenbedingungen spiegeln sich im Verhalten institutioneller Investoren wider. Große, physisch besicherte Gold-ETFs, die zuvor eine tragende Säule der Rallye waren, verzeichnen signifikante Kapitalabflüsse. Allein beim SPDR Gold Shares (GLD) zogen Anleger auf Monatssicht fast acht Milliarden US-Dollar ab.

Charttechnisch ringt der Kurs aktuell mit der Widerstandsmarke bei 4.700 US-Dollar. Fällt die Notierung auf Tagesschlussbasis unter die 100-Tage-Linie bei 4.639 US-Dollar, könnte sich der Abwärtsdruck in Richtung der 4.600-Dollar-Marke verstärken. Auf der Oberseite fungiert die 20-Tage-Linie bei rund 4.743 US-Dollar als nächste Hürde.

Zentralbanken und Analysten bleiben optimistisch

Auf der Angebotsseite stützen weiterhin die Zentralbanken der Schwellenländer den Markt. Laut Prognosen von Goldman Sachs kaufen diese monatlich rund 60 Tonnen Gold, um ihre Währungsreserven abseits des US-Dollars zu diversifizieren. Auch die großen Investmentbanken halten trotz der aktuellen Gegenwinde an ihren bullishen Prognosen fest. Die aktuellen Kursziele im Überblick:

  • Goldman Sachs: 5.400 USD
  • Deutsche Bank: 6.000 USD
  • UBS: 6.200 USD
  • JPMorgan: 6.300 USD

Die nächste richtungsweisende Entscheidung steht am 28. und 29. April an, wenn das FOMC der US-Notenbank über die Leitzinsen berät. Bis dahin geben kurzfristig anstehende US-Wirtschaftsdaten, wie der heutige ADP NER Pulse, sowie die Entwicklung des Dollar-Index die Taktung für das Edelmetall vor.

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