Gold: Dot Plot entscheidet am 16./17. Juni

Der Goldpreis erholt sich, während die Fed über den Zinspfad entscheidet. Ein Iran-Abkommen und Zentralbankkäufe stützen die Nachfrage.

Dr. Robert Sasse ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • FOMC-Treffen startet heute
  • Dot Plot entscheidend für Gold
  • Iran-Friedensabkommen senkt Ölpreise
  • Chinesische Zentralbank kauft weiter Gold

Gold notiert bei rund 4.336 Dollar je Feinunze. Drei Tage in Folge ging es aufwärts. Jetzt hält der Markt den Atem an — denn heute beginnt das zweitägige FOMC-Treffen der US-Notenbank, das über die nächste Richtung entscheidet.

Nicht die Zinsen, sondern der Dot Plot

Eine Zinsänderung erwartet niemand. Das CME FedWatch Tool zeigt eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Pause. Der Leitzins bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent.

Was den Goldmarkt wirklich bewegt, ist der aktualisierte Dot Plot. Er zeigt, wo jedes FOMC-Mitglied die Zinsen bis 2028 erwartet. Zeigt der Median zwei Erhöhungen für 2026, dürfte der Dollar zulegen und die Golderholung ins Stocken geraten. Ein neutraler oder taubenhafter Dot Plot hingegen würde den Gegenwind beseitigen.

Neu an diesem Meeting: Kevin Warsh leitet es erstmals als Fed-Chef. Er wurde am 22. Mai mit 54 zu 45 Stimmen bestätigt. Warsh hat die Nützlichkeit des Dot Plots öffentlich infrage gestellt — institutionelle Verfahren begrenzen aber, wie schnell er das Format ändern kann.

Immerhin: 70 Prozent der Marktteilnehmer rechnen laut FedWatch mit mindestens einer Zinserhöhung bis Dezember. Die Unsicherheit über den genauen Pfad löst sich morgen auf.

Iran-Deal entlastet Inflationsdruck

Der jüngste Goldanstieg hat einen zweiten Treiber. Die USA und der Iran haben ein Friedensabkommen erzielt. Es sieht die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz vor und soll am 19. Juni in der Schweiz unterzeichnet werden.

Die Folge: Ölpreise sanken auf ein Zweimonatstief. Das entlastet direkt die Inflation. Im Mai war die US-Inflation auf 4,2 Prozent gestiegen — den höchsten Stand seit April 2023. Treiber war ein Energiepreisanstieg von 23,5 Prozent infolge des Iran-Konflikts. Die Kerninflation lag bei 2,9 Prozent.

Fällt der Energiepreisdruck weg, sinkt auch der Druck auf die Fed, die Zinsen weiter anzuheben. Für Gold ist das ein doppelter Rückenwind.

Strukturelle Nachfrage aus Zentralbanken

China hat seine Goldreserven 18 Monate in Folge aufgestockt. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken netto 244 Tonnen, im April kamen laut World Gold Council weitere 17 Tonnen hinzu.

Gegenläufig verkaufte die Türkei allein im März 60 Tonnen. Per saldo standen im ersten Quartal netto nur 16 gemeldete Tonnen auf der Kaufseite. Ein Teil der Zentralbankkäufe bleibt dabei ungemeldet — eine Meldepflicht gegenüber dem IWF besteht nicht.

Auf Monatssicht liegt Gold trotz der jüngsten Erholung noch rund fünf Prozent im Minus. Zum Vorjahr beträgt das Plus gut 28 Prozent. Morgen, nach der Fed-Pressekonferenz, wissen Anleger, ob der Dot Plot diesen Abstand weiter wachsen lässt oder bremst.

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