Gold: Ein zarter Zweifel!

Steigende Ölpreise und robuste US-Daten verzögern Zinssenkungen und setzen den Goldpreis unter Druck. Zentralbankkäufe bieten jedoch Unterstützung.

Redaktion Stock-World ·
Gold Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Geopolitische Spannungen treiben Ölpreis
  • Inflationssorge verzögert Fed-Zinswende
  • Starke US-Konjunkturdaten belasten Gold
  • Zentralbanken stützen mit Goldkäufen

Eigentlich sollte Gold in Krisenzeiten glänzen. Der Iran-Konflikt heizt die Märkte auf — nur beim Edelmetall läuft die Logik gerade umgekehrt.

Warum Geopolitik Gold diesmal schadet

Die drohende Blockade der Straße von Hormus hat Brent-Rohöl über 100 US-Dollar pro Barrel getrieben. Händler Tai Wong bringt es auf den Punkt: Steigende Ölpreise befeuern die Inflation — und das macht eine baldige Zinswende der Fed unwahrscheinlicher. Laut Reuters-Umfrage rechnen Marktteilnehmer frühestens in sechs Monaten mit einer ersten Senkung; der Swapsmarkt preist eine Lockerung teilweise sogar erst für Juli 2027 ein.

Für Gold ist das ein Problem. Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab — je länger die Leitzinsen hoch bleiben, desto teurer wird das Halten der Position im Vergleich zu verzinsten Alternativen.

Starke US-Daten verstärken den Druck

Obendrein lieferten die USA robuste Konjunkturdaten. Der S&P Global Flash Manufacturing PMI für April erreichte mit 54,0 Punkten ein 47-Monats-Hoch, die Inputkosten kletterten auf den höchsten Stand seit zehn Monaten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog auf 4,349 Prozent an, der Dollar legte zu — beides belastet Gold zusätzlich.

Der Spot-Preis gab am Donnerstag auf rund 4.697 US-Dollar nach. Auf Wochensicht steht ein Minus von knapp 2,5 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus noch rund neun Prozent — das Bild ist also getrübt, aber nicht gebrochen.

Zentralbanken halten die Nachfrage stabil

Ein Gegengewicht bleibt die physische Nachfrage institutioneller Käufer. Die chinesische Zentralbank kaufte im März den 17. Monat in Folge Gold — diesmal fünf Tonnen. Weltweit erwarben Zentralbanken im vergangenen Jahr insgesamt 863 Tonnen des Edelmetalls. Diese strukturelle Nachfrage dämpft stärkere Kursrückgänge.

Technisch findet Gold im Bereich von 4.650 US-Dollar eine erste Unterstützung. Ob diese hält, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich die Lage rund um die Straße von Hormus und die Fed-Kommunikation in den kommenden Wochen entwickeln — zwei Variablen, die aktuell in dieselbe, ungünstige Richtung zeigen.

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