Gold: Entwicklungen im Blick

Dieter Jaworski ·
Gold Aktie

Während Gold verkauft wird, revidieren Analysten ihre Prognosen nach oben. Dieses Muster prägt die aktuelle Marktlage — und ist kontraintuitiver als es klingt.

Eine Reuters-Umfrage unter 31 Analysten und Händlern, veröffentlicht am 27. April 2026, ergab einen medianen Goldpreisausblick von 4.916 Dollar je Feinunze für das Gesamtjahr — der höchste Konsensus in der Umfragehistorie seit 2012. Drei Monate zuvor lag der Median noch bei 4.746,50 Dollar. Die Aufwärtsrevision kam ausgerechnet in einer Phase, in der Gold rund 15 Prozent unter seinem Januar-Hoch von 5.450 Dollar notiert und zuletzt bei rund 4.597 Dollar schloss.

Zwei Bremsklötze: Fed und Iran

Der kurzfristige Gegenwind kommt von zwei Seiten. Der FOMC-Zinsentscheid heute Abend — Veröffentlichung um 20:00 Uhr MEZ, Pressekonferenz ab 20:30 Uhr — dürfte kaum Überraschungen liefern: Laut CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Fed Funds Rate bei 3,50 bis 3,75 Prozent bei 99,5 Prozent. Für Gold bedeutet das: Das Aufwärtspotenzial bleibt kurzfristig gedeckelt. Beobachter richten den Blick weniger auf die Entscheidung selbst als auf die Signale zur künftigen Politikausrichtung — möglicherweise Jerome Powells letzte Sitzung als Fed-Vorsitzender.

Parallel dazu belasten Entspannungssignale im US-Iran-Konflikt den Goldpreis. Teheran soll Washington über pakistanische Vermittler einen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus unterbreitet haben. Weniger geopolitische Anspannung bedeutet weniger Flucht in sichere Häfen.

Strukturelle Treiber bleiben intakt

Das fundamentale Bild trübt sich kurzfristig ein, ohne sich grundlegend zu verändern. Die globalen Zentralbankkäufe verlangsamten sich im Januar 2026 auf fünf Tonnen — nach einem monatlichen Durchschnitt von 27 Tonnen im Jahr 2025. Allerdings weitete sich die Nachfrage geografisch aus: Malaysia und Südkorea nahmen ihren Reserveaufbau nach längerer Pause wieder auf.

Goldman Sachs bestätigte nach dem mehr als zehnprozentigen Rückgang im März sein Kursziel von 5.400 Dollar bis Jahresende. UBS senkte zwar das kurzfristige Ziel auf 5.200 Dollar bis Juni, peilt langfristig jedoch 5.900 Dollar bis Ende 2026 an — gestützt auf Stagflationsrisiken, geopolitische Unsicherheit und anhaltende Zentralbanknachfrage.

Der Reuters-Konsens von 4.916 Dollar liegt deutlich über dem aktuellen Kurs. Ob diese Lücke durch eine Erholung geschlossen wird, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die Fed in Richtung Lockerung schwenkt — und ob die geopolitischen Spannungen tatsächlich abebben oder nur eine Pause einlegen.

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