Gold: Erholung ohne Überzeugung
Der Goldpreis erholt sich leicht, bleibt aber durch drohende US-Zinserhöhungen und einen starken Dollar belastet.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis stabilisiert sich nach drei Verlusttagen
- Fed-Sitzung erhöht Erwartung auf Zinserhöhung
- US-Dollar nahe 13-Monats-Hoch belastet Gold
- US-PCE-Daten als nächster wichtiger Test
Nach drei Verlusttagen in Folge stabilisiert sich der Goldpreis — doch die Erholung wirkt fragil. Fortschritte in den US-iranischen Verhandlungen in der Schweiz haben etwas Geopolitik-Prämie aus dem Markt genommen, ohne dass ein neuer Kaufimpuls entsteht.
Fed-Rhetorik hält Bullen in Schach
Das eigentliche Druckmittel sitzt anderswo: Die US-Notenbank. Fed-Chef Kevin Warsh hatte auf seiner Pressekonferenz vergangene Woche die Inflation in den Vordergrund gestellt — ohne klare Bedingungen zu nennen, unter denen Zinserhöhungen ausbleiben könnten. Das Ergebnis: Neun der 19 Ausschussmitglieder rechnen inzwischen mit einer Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr. Laut dem CME FedWatch Tool preist der Markt mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember ein — gegenüber 61 Prozent vor der Fed-Sitzung. Ein deutlicher Schwenk.
Höhere Zinsen sind Gift für zinslose Anlagen wie Gold. Hinzu kommt ein US-Dollarindex nahe einem 13-Monats-Hoch, was den Goldpreis in Dollar-Sicht zusätzlich belastet.
Geopolitik: Entspannung mit Vorbehalt
Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran brachten nach Angaben der Vermittler aus Katar und Pakistan eine Art Fahrplan für eine weitergehende Einigung. Iran sicherte sich Ausnahmeregelungen für Öl- und Petrochemieexporte. Das drückte den Ölpreis — und damit die Inflationserwartungen, was Gold kurzfristig Luft verschaffte.
Vollständige Entwarnung ist das allerdings nicht. Technische Gespräche sollen die ganze Woche über weiterlaufen, und die Situation rund um die Straße von Hormus bleibt angespannt. ING-Analysten formulieren es nüchtern: Geopolitische Risiken stützen zwar den Goldpreis grundsätzlich, ein „Higher for longer“-Zinsumfeld in den USA begrenzt den Spielraum nach oben.
Der August-Future notierte am Montagmorgen bei rund 4.224 Dollar je Feinunze. Der entscheidende Test für die kommenden Tage kommt aus Washington: Die US-PCE-Inflationsdaten, die noch diese Woche veröffentlicht werden, dürften zeigen, ob die Fed ihren restriktiven Kurs halten muss — oder ob sich der Druck auf Gold zumindest etwas abschwächt.
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