Gold: ETF-Zuflüsse auf Rekord trotz Preisschwäche

Schuldenbedenken und ETF-Käufe stützen das Anlegerinteresse, während US-Renditen und Geldpolitik den Goldpreis belasten.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • September-Zuflüsse erreichen zehn Milliarden US-Dollar
  • Quartalszuflüsse markieren einen Rekord
  • ETF-Bestände steigen auf 4.256 Tonnen
  • Zentralbanken kaufen im August 39 Tonnen

Anleger investieren trotz der jüngsten Goldpreisschwäche weiter in Gold-ETFs. Der World Gold Council verwies gestern auf wachsende Sorgen über die Tragfähigkeit staatlicher Schulden und steigende Risikoprämien als möglichen Hintergrund. Damit steht neben der kurzfristigen Zinsdebatte ein längerfristiges Motiv im Mittelpunkt: die Absicherung gegen fiskalische Risiken. Eine unmittelbare Erholung des Goldpreises lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Schuldenrisiken treffen auf Zinsdruck

Der World Gold Council beschreibt eine gegenläufige Entwicklung von Preis und Nachfrage. Bereits in seinem Marktkommentar vom 7. Oktober erklärte er, dass höhere US-Renditen und ein stärkerer US-Dollar den Goldpreis im September belastet hätten. Gleichzeitig flossen weitere Mittel in physisch besicherte Goldfonds.

Für Anleger ist diese Trennung wichtig. Die Bereitschaft, Gold über Fonds zu halten, bedeutet nicht automatisch, dass die kurzfristigen Belastungen verschwinden. Fiskalische Sorgen können die Nachfrage stützen, während veränderte Erwartungen an die US-Geldpolitik den Preis unter Druck setzen.

Reuters berichtete gestern über Unterstützung durch einen schwächeren Dollar und niedrigere Ölpreise. Der Tagesschlusskurs lag dennoch bei 4.157,96 USD je Feinunze. Die anhaltenden Fondskäufe verhindern somit nicht jede kurzfristige Schwächephase.

Fondskäufe zeigen anhaltendes Interesse

Für September meldete der World Gold Council am 7. Oktober globale Zuflüsse von 10 Mrd. US-Dollar in physisch besicherte Gold-ETFs. Im dritten Quartal 2026 erreichten die Zuflüsse mit 31 Mrd. US-Dollar einen Rekord.

Nordamerika und Europa führten die Zuflüsse an. Die Nachfrage beschränkte sich damit nicht auf eine einzelne Region. Der jüngste Kommentar des World Gold Council knüpft an diese Entwicklung an und nennt mögliche Motive für das fortgesetzte Anlegerinteresse.

Die ETF-Bestände stiegen im September um 67 Tonnen auf den Rekordwert von 4.256 Tonnen. Diese Bestandsentwicklung belegt zusätzliche Goldkäufe über Fonds, liefert aber für sich genommen keine Prognose für den weiteren Preisverlauf.

Auch Zentralbanken traten als Käufer auf. Der World Gold Council bezifferte die gemeldeten Nettokäufe für August auf 39 Tonnen. China führte die Käufe an, gefolgt von Usbekistan und Polen.

Kurzfristige Belastungsprobe bleibt bestehen

Der längerfristigen Nachfrage steht die kurzfristige Unsicherheit über den US-Zinskurs gegenüber. Der heute angekündigte Verbraucherpreisbericht für September gilt laut Reuters als möglicher Impuls für die Erwartungen an die Federal Reserve.

Ein stärker als erwarteter Kerninflationswert könnte die Zinserwartungen nach oben verschieben und Gold belasten. Die entscheidende Einordnung lautet deshalb: Fondskäufe und Schuldenängste stützen das Interesse an Gold, schützen den Preis aber nicht vor Gegenwind durch Dollar, Renditen und Geldpolitik.

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