Gold: Fed-Angst verdrängt Krisenschutz

Trotz geopolitischer Spannungen fällt der Goldpreis auf ein Zwei-Monats-Tief. Steigende Renditen und Zinserwartungen belasten das Edelmetall.

Redaktion Stock-World ·
Gold Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold fällt auf Zwei-Monats-Tief
  • Fed-Zinserwartungen belasten Edelmetall
  • UBS senkt Kursziel für Gold
  • Zentralbankkäufe als Kurspuffer

Der Goldpreis verliert ausgerechnet in einer Zeit geopolitischer Hochspannung an Wert. Das klingt paradox — ist aber erklärbar.

Neue US-Angriffe auf den Iran haben am Mittwoch einen vertrauten Mechanismus ausgelöst: Die Straße von Hormus bleibt blockiert, die Ölpreise steigen, die Inflationserwartungen klettern nach oben. Was früher Gold als sicheren Hafen stärkte, dreht sich diesmal gegen das Edelmetall. Denn höhere Energiepreise bedeuten höhere Inflation, und höhere Inflation bedeutet möglicherweise ein härterer Kurs der Fed — was die Opportunitätskosten für das zinsloseMetall erhöht.

Fed-Erwartungen als eigentlicher Belastungsfaktor

Der Zusammenhang ist inzwischen mathematisch sichtbar. Die zweijährigen US-Staatsanleiherenditen sind seit Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar um knapp 60 Basispunkte gestiegen. Die Korrelation zwischen diesen Renditen und Gold liegt bei rund -0,6 — ein deutliches Warnsignal. Fed-Gouverneurin Lisa Cook ließ am Mittwoch durchblicken, dass Zinserhöhungen bei Bedarf wieder ein Thema sein könnten. Das FedWatch-Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass die Leitzinsen bis Jahresende höher liegen als heute, auf über 47 Prozent.

Der aktivste Gold-Future fiel am Donnerstagmorgen auf 4.371,60 Dollar je Feinunze — ein Zwei-Monats-Tief. Seit den ersten US-israelischen Angriffen Ende Februar hat das Metall mehr als 16 Prozent seines Wertes eingebüßt.

Ausblick: Kursziel gesenkt, Richtung positiv

Technisch droht ein Bruch unter den 200-Tage-Durchschnitt — ein Niveau, das Händler aufmerksam verfolgen. Ein stärkerer Dollar verstärkt den Druck zusätzlich.

Mittelfristig sieht UBS das Bild freundlicher. Die Schweizer Bank senkte ihr Jahresend-Kursziel zwar auf 5.500 Dollar je Feinunze — von zuvor 5.900 Dollar —, erwartet aber dennoch einen Anstieg über das bisherige Rekordhoch von rund 5.400 Dollar. Das Basisszenario: Die Fed schneidet die Zinsen erstmals im Dezember, gefolgt von weiterer Lockerung im März 2027. Sobald klar werde, dass die hohen Energiepreise keine großen Zweitrundeneffekte erzeugt haben, dürfte die Fed einen taubenhalfteren Ton anschlagen.

Als Kurspuffer dienen Zentralbankkäufe: UBS rechnet im zweiten Quartal mit Zukäufen von 200 bis 250 Tonnen. Reservediversifikation, hohe globale Schuldenstände und die Perspektive sinkender Zinsen bleiben die strukturellen Argumente — die kurzfristigen Daten liefert heute der US-PCE-Preisindex, Amerikas bevorzugtes Inflationsmaß.

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