Gold: Fed-Entscheidung am 29. Juli wird zum Prüfstein
Die Fed-Sitzung am Mittwoch könnte den Goldpreis aus seiner Seitwärtsbewegung treiben. Notenbanken kaufen, während ETFs abstoßen.

Kurz zusammengefasst
- Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch im Fokus
- Notenbanken kaufen kräftig Gold
- Gold-ETFs verzeichnen Abflüsse
- Charttechnische Unterstützung nahe 3.900 Dollar
Der Goldpreis dümpelt vor einer entscheidenden Woche. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.055,70 US-Dollar, nach nur moderaten Gewinnen in den vergangenen Tagen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 6,40 Prozent zu Buche. Die eigentliche Bewegung dürfte erst die kommenden Tage bringen.
Im Zentrum steht die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch. Nicht der Beschluss selbst wird zum Risiko, sondern die Pressekonferenz danach.
Fed-Entscheid am Mittwoch im Fokus
Am 29. Juli um 20:00 Uhr MESZ verkündet die Fed ihren Zinsentscheid. An den Terminmärkten rechnet kaum jemand mit einer Änderung.
Die Märkte preisen eine Wahrscheinlichkeit von 41 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein, 59 Prozent erwarten unveränderte Zinsen. Das Zielband liegt seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der FOMC hat viermal in Folge stillgehalten, zuletzt am 17. Juni, erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh.
Bemerkenswert war dabei nicht der Beschluss. Entscheidend war der Ausblick der Notenbanker.
Erstmals seit Beginn des Lockerungszyklus signalisierte die Projektion im Median eher eine Erhöhung als eine Senkung. Neun der 18 Teilnehmer sahen bis Jahresende mindestens einen Zinsschritt nach oben.
Acht rechneten mit keiner Veränderung. Nur einer erwartete eine Senkung.
Marktbeobachter richten den Blick nun auf Warsh selbst. Entscheidend wird, wie er die Risikobalance zwischen hartnäckiger Inflation und schwächelndem Arbeitsmarkt beschreibt. Lässt er die Tür für September offen, oder zieht er sie zu? Direkt im Anschluss folgen zwei weitere Termine: der Inflationsbericht am 12. August und die Projektionssitzung am 15. und 16. September.
Notenbanken kaufen, ETFs verkaufen
Während die Zinserwartungen den Goldpreis seit Jahresbeginn belasten, bleibt die physische Nachfrage robust. Notenbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto rund 244 Tonnen Gold. Das ist das stärkste Quartal seit über einem Jahr, über dem Fünfjahresdurchschnitt. China hat seine Kaufserie sogar auf 19 aufeinanderfolgende Monate ausgedehnt.
Institutionelle Anleger schlagen die Gegenrichtung ein. Bei den Gold-ETFs gab es zuletzt Nettoabflüsse. Der westliche Finanzinvestor verkauft aktuell, während die Notenbank kauft.
Große Häuser bleiben trotzdem konstruktiv gestimmt. JP Morgan sieht den Goldpreis im vierten Quartal bei rund 4.500 US-Dollar. Goldman Sachs peilt bis Jahresende sogar 4.900 US-Dollar an.
Charttechnik: Unterstützung im Blick
Auch die Charttechnik bleibt angespannt. Im Tageschart bewegt sich Gold innerhalb eines fallenden Keils. Die untere Begrenzung verläuft nahe dem 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 US-Dollar – nur knapp unterhalb des aktuellen Kursniveaus.
Die Fed-Sitzung könnte diese fragile Stabilisierung ins Wanken bringen. Ein Ausblick auf eine Zinserhöhung im September würde die Unterstützung zusätzlich unter Druck setzen. Bricht die Marke, könnte der Goldpreis in Richtung der 3.700er-Zone abrutschen.
Auf der Oberseite bleibt die übergeordnete Aufwärtsstruktur intakt. Seit dem Tief von 1.614 US-Dollar im Jahr 2022 hat Gold eine dynamische Aufwärtsbewegung etabliert. Korrekturen führten bislang stets zu neuen Hochs.
Für die kommende Woche zählen damit drei Termine: die Fed-Entscheidung samt Pressekonferenz am Mittwoch, der US-Arbeitsmarktbericht sowie die Entwicklung im Nahen Osten. Eine weitere Eskalation dort könnte die Nachfrage nach Gold als sicherer Hafen erneut anheizen, eine Deeskalation den Druck auf den Preis erhöhen. Welche Richtung Gold aus der Konsolidierung nimmt, entscheidet sich damit maßgeblich am Mittwochabend.
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