Gold: Fed-Entscheidung morgen um 14 Uhr

Die US-Notenbank tagt unter neuer Führung, während Analysten uneins über Zinserhöhung oder Pause sind. Goldanleger warten gespannt auf den Ausgang.

Eduard Altmann ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Fed-Sitzung unter Kevin Warsh beginnt
  • Analysten uneins über Zinsentscheidung
  • Ölpreis-Rutsch entlastet Inflationssorgen
  • Gold konsolidiert unter Rekordniveau

Der Goldpreis hält sich knapp über der 4.000-Dollar-Marke, während sich die Wall Street auf eine denkbar unklare Zinsentscheidung einstellt. Heute beginnt die zweitägige Sitzung der US-Notenbank unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, die morgen um 14:00 Uhr Ortszeit mit der Zinsentscheidung endet. Ungewöhnlich für eine Fed-Sitzung: Die Wall Street ist sich diesmal alles andere als einig, ob es eine Zinserhöhung oder eine weitere Pause gibt.

Analysten uneins wie selten

Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ist laut CME FedWatch innerhalb weniger Tage von rund 10 Prozent auf 35 bis 40 Prozent gesprungen. Citadel Securities geht sogar von einer Überraschung aus: Der Handelsdienstleister erwartet eine Anhebung um 25 Basispunkte. Frank Flight von Citadel argumentiert, ein solcher Schritt würde die Ära der Forward Guidance beenden und die Unabhängigkeit der Fed unter Warsh unterstreichen. UBS rechnet dagegen im Basisszenario mit einer Zinspause, sieht aber eine tiefe Spaltung innerhalb des FOMC – Warshs eigene Haltung könnte laut den UBS-Analysten den Ausschlag geben. Trump selbst mischte sich vor der Sitzung erneut ein: Er nannte Warsh „fantastisch“ und forderte die niedrigsten Zinsen der Welt, während er anderen Notenbankern „schlechte Absichten“ unterstellte.

Für Goldanleger ist diese Gemengelage keine Randnotiz. Eine überraschende Zinserhöhung würde den Dollar stützen und Gold tendenziell belasten, da verzinsliche Anlagen attraktiver würden. Bleibt die Fed hingegen bei ihrer Pause, dürfte das dem Edelmetall eher Rückenwind geben – zumal Warsh in seiner bisherigen Kommunikation bewusst auf klare Signale verzichtet und damit selbst für Volatilität sorgt.

Ölpreis-Rutsch nimmt Druck von der Inflationsfront

Parallel dazu hat sich die Lage am Ölmarkt spürbar entspannt. Nach einer Feuerpause zwischen den USA und dem Iran brach der Brent-Preis am Montag um 6 bis 9 Prozent ein, WTI verlor zwischenzeitlich sogar rund 12 Prozent gegenüber seinem Hoch vom Donnerstag zuvor. Zuvor hatte der Konflikt den Ölpreis im Juli um rund ein Fünftel nach oben getrieben und damit auch die Inflationssorgen der Fed befeuert. Die HSBC spricht von der höchsten Unsicherheit seit zwei Jahren. Fällt der Ölpreis-Schock als Inflationstreiber weg, verliert das Argument für eine Zinserhöhung an Kraft – ein Aspekt, der die Marktschätzungen zusätzlich durcheinanderwirbelt.

Goldpreis konsolidiert unterhalb der Rekordmarke

Am Markt selbst zeigt sich das Edelmetall vorerst gelassen. Zum Wochenschluss am Montag schloss Gold bei 4.081,10 US-Dollar, ein Plus von 0,63 Prozent auf Tagessicht. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 5,81 Prozent zu Buche – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die aktuelle Konsolidierung weit von den Rekordständen entfernt stattfindet. Vom gleitenden 50-Tage-Durchschnitt bei 4.233,12 US-Dollar notiert der Kurs derzeit 3,59 Prozent entfernt, was auf eine noch fragile Erholung nach dem jüngsten Rücksetzer hindeutet. Der Relative-Stärke-Index von 46,8 signalisiert dabei weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale, sondern eine Marktphase des Abwartens.

Für Anleger dürfte die kommende Fed-Sitzung damit zum entscheidenden Kurstreiber der Woche werden. Bestätigt Warsh die Erwartung einer Pause, könnte Gold von der schwindenden Zinsangst profitieren. Eine überraschende Erhöhung, wie sie Citadel Securities für möglich hält, würde das Edelmetall dagegen kurzfristig unter Druck setzen.

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