Gold: Fed-Wetten drücken Kurs
Ein robuster US-Arbeitsmarkt stärkt die Aussicht auf höhere Fed-Zinsen und belastet Gold. Inflationsdaten könnten die Richtung weiter prägen.
Kurz zusammengefasst
- Dezember-Future fällt auf 4.447,40 Dollar
- Fed-Wette erreicht 58 Prozent
- Stärkerer Dollar belastet Gold zusätzlich
- Goldzuflüsse übertreffen Aktienfonds deutlich
Gold kämpft zum Wochenstart mit Gegenwind. Der zweite Handelstag in Folge bringt negative Vorzeichen, auch wenn sich die Verluste bislang in Grenzen halten. Grund ist ausgerechnet ein starker Arbeitsmarktbericht aus den USA — gute Konjunkturdaten schaden dem Edelmetall gerade, weil sie die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung erhöhen.
Der am aktivsten gehandelte Dezember-Future gab am Montagmorgen um 29,20 auf 4.447,40 Dollar pro Feinunze nach. Die US-Arbeitslosenquote verharrte im August bei 4,1 Prozent, während das Beschäftigungswachstum deutlich anzog.
Laut dem FedWatch-Tool der CME Group preisen Marktteilnehmer inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 58 Prozent für eine Leitzinserhöhung am 16. September ein — steigende Zinsen verteuern das Halten von Gold, das selbst keine Verzinsung bietet.
Starker Dollar als Bremse
Der US-Dollar profitiert von den Zinserhöhungs-Wetten und legt zu, was Gold als Anlage in Fremdwährungen zusätzlich belastet. Hinzu kommen geopolitische Spannungen: Gegenseitige Angriffe der USA und Irans auf Schiffe in der Straße von Hormus treiben zwar den Ölpreis nach oben, stützen aber paradoxerweise den Dollar als sicheren Hafen — und nicht Gold.
Der Fokus der Anleger richtet sich nun auf die US-Erzeugerpreise am Donnerstag und die Verbraucherpreisdaten am Freitag, die weitere Hinweise zur Fed-Politik liefern dürften.
Langfrist-Bullen bleiben gelassen
Trotz des kurzfristigen Gegenwinds sehen strategische Stimmen das Bild anders. Bank-of-America-Stratege Michael Hartnett rät weiterhin zu Gold und Rohstoffen, solange die Notenbank-Politik die Anleiherenditen im Zaum hält.
Als Beleg führt er einen Zehnjahresvergleich an: US-Aktien brachten in diesem Zeitraum rund 15 Prozent Rendite, Rohstoffe rund 11 Prozent, während US-Staatsanleihen mit einem Minus von rund 2 Prozent die schwächste Zehnjahresphase seit einem Jahrhundert verzeichneten. Solche negativen Anleihe-Renditen hätten sich historisch als gute Einstiegspunkte für reale Anlagewerte erwiesen.
Die Fondsflüsse der vergangenen Woche stützen dieses Bild nur bedingt. Gold sammelte 3,2 Milliarden Dollar ein — deutlich weniger als Cash-Fonds mit 30 Milliarden Dollar oder Anleihen mit 18,3 Milliarden Dollar, aber mehr als der schwache Zufluss in Aktienfonds von 2,8 Milliarden Dollar.
Die Marktteilnehmer stehen damit zwischen zwei Kräften: kurzfristigem Druck durch steigende Zinserwartungen und langfristiger Nachfrage als Absicherung gegen politische Unsicherheit. Die Inflationsdaten am Donnerstag und Freitag dürften zeigen, welche Kraft in den kommenden Tagen überwiegt.
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