Gold: Fed-Zinswahrscheinlichkeit springt auf 72 Prozent
Trotz Eskalation im Nahen Osten fällt der Goldpreis, da Anleger steigende US-Zinsen fürchten.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis fällt trotz Nahost-Krise
- Ölpreisanstieg schürt Inflationssorgen
- Fed-Zinserhöhung im September wahrscheinlicher
- HSBC senkt Goldprognose für 2026
Krieg im Nahen Osten, aber Gold fällt. Diese Kombination wirkt paradox. Am Montag zeigt sich am Rohstoffmarkt trotzdem genau dieses Muster.
Über das Wochenende ist der Konflikt zwischen den USA und dem Iran eskaliert. Beide Seiten feuerten Raketen in der Region um die Straße von Hormus ab. Die Ölpreise reagierten prompt und legten um 4 bis 5 Prozent zu.
Öl steigt, Gold fällt
Normalerweise würde eine solche Eskalation Anleger in sichere Häfen treiben. Gold gilt seit Jahrzehnten als klassischer Krisenschutz. Diesmal aber löst der Ölpreisanstieg vor allem eine andere Sorge aus: Inflation.
Steigende Energiekosten könnten die Teuerung in den USA weiter anheizen. Anleger befürchten deshalb, dass die Federal Reserve die Zinsen länger hoch hält oder sogar erneut erhöht. Gold zahlt keine Zinsen. In einem Umfeld mit steigenden Realrenditen und einem festeren Dollar verliert das Metall dadurch an Reiz.
Fed-Wahrscheinlichkeit springt nach oben
Diese Erwartung zeigt sich deutlich im CME FedWatch Tool. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September liegt inzwischen bei rund 72 Prozent. In der Vorwoche waren es noch etwa 63 Prozent.
Zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt ab morgen die halbjährliche Anhörung von Fed-Chef Kevin Warsh vor dem US-Kongress. Marktbeobachter erwarten Hinweise darauf, wie die Notenbank auf den Energiepreisschock reagieren will.
Kurs rutscht unter 4.100 Dollar
Die Zahlen zeigen die Nervosität deutlich. Spot-Gold verlor im frühen Handel zeitweise rund 1,2 Prozent. Am Freitag lag der Schlusskurs noch bei 4.127,60 Dollar je Feinunze.
Am Montagvormittag durchbrach der Kurs die Marke von 4.100 Dollar nach unten und rutschte zeitweise auf etwa 4.070 Dollar. Der Rohstoff bleibt damit auf seinem volatilen Kurs der vergangenen Wochen. Seit dem Rekordhoch von über 5.600 Dollar im Januar hat Gold deutlich korrigiert.
Auch institutionelle Analysten passen ihre Erwartungen an. Die Großbank HSBC senkte ihre Durchschnittsprognose für 2026 auf 4.560 Dollar je Feinunze — zuvor lag der Wert noch bei 4.864 Dollar. Als Grund nennt HSBC die Kombination aus straffer Zinspolitik und einem starken Dollar.
Nächster Test: Inflationsdaten aus den USA
In den kommenden Tagen richtet sich der Blick auf zwei zentrale Konjunkturdaten. Die Verbraucherpreise (CPI) und Erzeugerpreise (PPI) für Juni stehen an. Sie zeigen, wie tief die Inflation in der US-Wirtschaft bereits sitzt.
Fallen die Werte höher aus als erwartet, dürfte der Druck auf Gold weiter steigen. Eine geldpolitische Lockerung würde damit in noch weitere Ferne rücken.
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