Gold: Fehlstart oder Fehlplanung?

Die Blockade in der Straße von Hormus treibt Ölpreise und Dollar, was die Zinssenkungshoffnungen schmälert und den Goldpreis belastet.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Irans Aktion in der Meerenge
  • Ölpreise steigen deutlich
  • Fed-Zinssenkungshoffnungen sinken
  • Stärkerer Dollar belastet Gold

Der Goldpreis gerät trotz anhaltender geopolitischer Spannungen unter Druck. Paradox? Nur auf den ersten Blick.

Wenn Risiken die falsche Wirkung entfalten

Irans Revolutionsgarden haben heute drei Frachtschiffe in der Straße von Hormus gestoppt und manövrierunfähig gemacht. Eigentlich ein klassisches Szenario für steigende Goldpreise. Doch der Mechanismus hat sich verschoben: Die Eskalation im Persischen Golf treibt die Ölpreise nach oben — und höhere Ölpreise befeuern die Inflationserwartungen. Das wiederum dämpft die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist eine weniger taubenhafte Fed ein echtes Gegenwind-Szenario.

Gleichzeitig stützt die Lage am Golf den US-Dollar. Ein stärkerer Dollar macht das in Dollar notierte Edelmetall für internationale Käufer teurer — und belastet den Preis zusätzlich.

Zwischen Unterstützung und Abwärtsdruck

Aktuell notiert die Feinunze bei rund 4.739 Dollar — ein leichtes Plus von etwa 19 Dollar gegenüber dem Vortag, aber der übergeordnete Ton bleibt vorsichtig. Bärische Händler behalten die Oberhand, solange die Kombination aus festem Dollar und gedämpften Zinssenkungsfantasien anhält.

Auch das Konsumklima in der Eurozone trübt das Bild ein: Die Stimmung der Verbraucher hat sich im April deutlich stärker eingebrochen als erwartet. Ökonomen machen vor allem den Iran-Krieg und seine Auswirkungen auf Energiepreise und Inflation verantwortlich. Die geopolitische Unsicherheit, die Gold eigentlich als sicheren Hafen attraktiv machen sollte, wirkt derzeit über den Umweg steigender Ölpreise als Belastungsfaktor.

Solange die Lage im Nahen Osten festgefahren bleibt — Gespräche zwischen den USA und Iran scheiterten zuletzt daran, dass Teheran eine Teilnahme verweigerte — dürfte diese verzwickte Gemengelage den Goldmarkt weiter in Atem halten.

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