Gold: Goldman Sachs sieht 4.900 Dollar
Schwache US-Arbeitsmarktdaten und anhaltende Zentralbankkäufe treiben den Goldpreis auf 4.401 Dollar – Analysten sehen weiteres Potenzial.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis steigt um 2,37 Prozent
- US-Arbeitsmarkt enttäuscht Erwartungen deutlich
- Chinas Notenbank kauft 21. Monat in Folge
- Gold überholt US-Staatsanleihen als Reserve
Der Goldpreis hat am Freitag kräftig zugelegt und schloss bei 4.401,40 US-Dollar je Feinunze, ein Plus von 2,37% gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht kletterte das Edelmetall um 7,39% – ein deutlicher Sprung nach Wochen der Unsicherheit. Zwei Kräfte trieben den Kurs an: enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten, die Zinserhöhungs-Spekulationen dämpften, und eine ungebrochene Kauflust der Notenbanken weltweit.
Schwacher Arbeitsmarkt nimmt der Fed Handlungsdruck
Die US-Wirtschaft schuf im Juli 23.000 Stellen weniger als im Vormonat, Ökonomen hatten mit einem Plus von 80.000 gerechnet. Zudem revidierten die Statistiker die Vormonate kräftig nach unten. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1%, allerdings vor allem, weil die Erwerbsbeteiligung zurückging – ein Signal, das die Aussagekraft der Quote schwächt.
Die Reaktion an den Terminmärkten fiel entsprechend deutlich aus: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September fiel von 57% auf rund 44%, während der Markt inzwischen mit knapp 60% auf eine Zinspause setzt. Für Gold zählt dabei vor allem die Aussicht auf tendenziell niedrigere Realzinsen – sie mindert die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls und macht es für Anleger wieder attraktiver.
Fed-Chef Kevin Warsh, der das Amt seit dem 22. Mai innehat, gilt trotz der schwachen Daten als Inflationsfalke. Der Markt richtet den Blick nun auf den Verbraucherpreisindex am 12. August, der den nächsten Kurs der Notenbank vorgeben dürfte.
Notenbanken kaufen ungebremst weiter
Parallel zur Zinsdebatte setzt sich der strukturelle Nachfragetrend fort. Laut Caixin Global erhöhte die chinesische Notenbank ihre Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge auf 76,08 Millionen Unzen – der größte Monatszuwachs seit 2023. Die Käufe erfolgen im Zuge einer Diversifizierung der Devisenreserven weg vom US-Dollar.
China ist damit nicht allein: Südkorea kaufte im zweiten Quartal erstmals seit 13 Jahren wieder Gold über Notenbank-Kanäle. Der World Gold Council berichtete zudem, dass 89% der befragten Zentralbanken für die kommenden zwölf Monate mit weiter steigenden Goldreserven rechnen. Diese Käufe verschieben die globale Reservestruktur spürbar: Laut einem Bericht der Europäischen Zentralbank machte Gold Ende 2025 bereits 27% der offiziellen Weltreserven aus und lag damit erstmals vor US-Staatsanleihen mit 22%.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Goldpreis spürbar unter seinem Rekordhoch, das Ende Januar erreicht wurde. Die Korrektur der ersten Jahreshälfte hatte das Edelmetall zeitweise deutlich unter Druck gesetzt, während Schmucknachfrage und Gold-ETFs im zweiten Quartal Abflüsse verzeichneten. Die aktuelle Erholung zeigt jedoch, wie schnell geopolitische und geldpolitische Impulse den Preis wieder nach oben drehen können.
Für die kommenden Monate bleiben die Einschätzungen der Analysehäuser konstruktiv. Die Dekabank rechnet mit einem Goldpreis von 4.350 US-Dollar in einem halben Jahr, Goldman Sachs geht sogar von 4.900 US-Dollar bis Dezember aus. Beide Häuser begründen ihre Prognosen mit der anhaltenden Nachfrage der Notenbanken sowie der Erwartung sinkender US-Realzinsen. Anleger dürften die kommenden Wochen genau verfolgen: Die US-Inflationsdaten Mitte August gelten als nächster wichtiger Prüfstein für die Fed-Politik – und damit auch für die Richtung des Goldpreises.
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