Gold: Hormus-Deal entscheidet über 5.000-Dollar-Szenario
Citi erhöht Gold-Kursziel auf 4.500 Dollar trotz hawkischer Fed-Signale. Die mögliche Öffnung der Hormus-Straße könnte den Inflationsdruck senken.

Kurz zusammengefasst
- Fed erhöht Zinsprognosen für 2026
- Citi hebt Gold-Kursziel auf 4.500 Dollar
- Hormus-Abkommen senkt Energiepreise
- Zentralbanken kaufen weiter Gold
Zwei Kräfte zerren gerade an Gold in entgegengesetzte Richtungen. Die Fed sendet hawkische Signale — und Citi hebt das Kursziel trotzdem drastisch an. Das Ergebnis: ein Edelmetall, das sich kaum bewegt, aber unter der Oberfläche erheblich neu bewertet wird.
Fed dreht den Zinsausblick um
Die Federal Reserve ließ den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Der eigentliche Schlag kam aus dem Dot Plot. Der Median der Zinsprojektionen für 2026 stieg auf 3,8 Prozent — von 3,4 Prozent im März. Die Hälfte der FOMC-Mitglieder erwartet Zinsen oberhalb der 3,75-Prozent-Marke.
Hinter diesem Schwenk steckt die Inflation. Der Kern-PCE-Forecast für 2026 kletterte auf 3,3 Prozent — 1,3 Prozentpunkte über dem Fed-Ziel. Fed-Funds-Futures preisen inzwischen eine 77-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bis Dezember 2026 ein. Vor einem Monat lag dieser Wert noch bei 24 Prozent.
Für Gold ist das ein klassisches Problem. Höhere Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Metalls.
Citi dreht trotzdem auf bullisch
Citi sieht das anders. Die Bank hob ihr Drei-Monats-Kursziel auf 4.500 US-Dollar an — obwohl sie es Anfang Juni noch auf 4.000 US-Dollar gesenkt hatte. Das 6-bis-12-Monats-Ziel von 5.000 US-Dollar bleibt bestehen.
Das Argument: Der Inflationsschock der vergangenen Monate war kein strukturelles Problem, sondern ein Energieproblem. Die Hormuz-Blockade, die der Iran nach den US-israelischen Angriffen im Februar verhängte, trieb die Energiepreise und damit die Inflationserwartungen dauerhaft nach oben. Dieser Aufschlag erhöhte die Zinserwartungen und drückte den Goldpreis um rund 18 Prozent von seinem Februarhoch.
USA und Iran wollen an diesem Freitag eine Absichtserklärung unterzeichnen. Danach soll die Straße von Hormus wieder geöffnet werden. WTI-Rohöl notiert bereits nahe 81 US-Dollar je Barrel — ein Dreimonatstief. Die Dezember-Zinserhöhungswahrscheinlichkeit fiel bereits von rund 70 auf 57 Prozent. Fällt der Energiepreisdruck dauerhaft weg, verliert die Fed ihren wichtigsten Grund für eine restriktive Haltung.
Strukturelle Käufer bleiben aktiv
Unabhängig vom Zinsgeschehen kaufen Zentralbanken weiter. Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto 244 Tonnen, im April kamen weitere 17 Tonnen hinzu. China baute seine Reserven 18 Monate in Folge aus.
Allerdings gibt es Gegengewicht. Die Türkei verkaufte im März allein 60 Tonnen. Netto beliefen sich die gemeldeten Käufe im ersten Quartal auf lediglich 16 Tonnen — ein spürbarer Rückgang des Tempos. Hinzu kommt: Ein Teil der Zentralbankkäufe wird dem IWF nicht gemeldet. Wie viel tatsächlich gekauft wurde, bleibt unklar.
Preis zwischen zwei Szenarien
Gold notiert aktuell bei rund 4.378 US-Dollar — auf Sieben-Tage-Sicht ein Plus von 3,47 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5.626,80 US-Dollar im Januar ist das Metall noch 22 Prozent entfernt. Der RSI liegt bei 46 — kein überkauftes Niveau, aber auch keine klare Richtung.
Der Schlüssel liegt nun in Hormus. Hält das Abkommen und normalisieren sich die Energiepreise nachhaltig, entfällt der Inflationsaufschlag, der die Fed zuletzt in die Enge getrieben hat. Citis 5.000-Dollar-Szenario würde dann an Plausibilität gewinnen. Scheitert die Vereinbarung oder bleiben Ölpreise erhöht, dürfte der hawkische Dot Plot das dominierende Signal bleiben — und den Goldpreis unter Druck halten.
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