Gold: Indien erhebt 15 Prozent Importzoll
Indiens drastische Zollerhöhung und Brasiliens Goldskandal belasten den Markt. Hohe US-Realzinsen deckeln zudem den Preis des Edelmetalls.

Kurz zusammengefasst
- Indien erhöht Importzölle drastisch
- Brasilianische Goldgenehmigungen unter Verdacht
- Hohe US-Realzinsen belasten Gold
- Goldpreis zeigt sich kaum verändert
Indiens Importzölle schossen über Nacht von 6 auf 15 Prozent — die stärkste Erhöhung in der Geschichte des Landes. Gleichzeitig ermitteln brasilianische Behörden gegen Dutzende Tonnen Gold mit fragwürdigen Genehmigungen. Für den Goldmarkt ist das eine ungewöhnliche Kombination: Nachfrage bricht ein, Angebot wird unsicherer.
Indien bremst, China zögert
Die Folgen der Zollerhöhung sind im physischen Markt sofort spürbar. Indische Großhändler bieten Gold inzwischen mit einem Rabatt von 106 US-Dollar pro Unze gegenüber dem Weltmarktpreis an — in der Vorwoche waren es noch 78 Dollar. Juweliere füllen ihre Lager nicht nach. Das ist relevant, weil Indien der weltweit zweitgrößte Goldkonsument ist und die physische Nachfrage aus Asien traditionell den Preis stützt.
Auch aus China kommen keine Impulse. Die Aufschläge verengten sich auf 9 bis 12 US-Dollar pro Unze, was auf eine abwartende Haltung der Käufer hindeutet.
Brasiliens „Geister-Genehmigungen“
Auf der Angebotsseite sorgt ein Skandal in Brasilien für Unsicherheit. Rund 26,8 Tonnen Gold, die zwischen 2018 und März 2026 offiziell deklariert wurden, stehen im Verdacht, über Genehmigungen für inaktive Waldgebiete legalisiert worden zu sein. Verschärfte Kontrollen könnten erhebliche Mengen aus den formellen Handelskanälen drängen — ein potenzieller Angebotsschock, der die Markterwartungen für Juni zusätzlich belastet.
Hohe Realzinsen deckeln den Preis
Das makroökonomische Umfeld hilft Gold derzeit nicht. Die realen Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen notieren bei 4,57 Prozent — ein hoher Wert, der die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls spürbar erhöht. Unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh rechnet der Markt mit hohen Zinsen bis weit in das Jahr 2027. UBS senkte daraufhin die Jahresendzielprognose für 2026 von 5.900 auf 5.500 US-Dollar, hält aber am langfristigen Aufwärtstrend fest.
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Gold schloss am Freitag bei 4.569,90 US-Dollar je Feinunze — ein Tagesplus von 1,57 Prozent, auf Monatssicht jedoch kaum verändert mit einem Anstieg von 0,54 Prozent. Der RSI notiert bei 49,8, der Kurs liegt knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.639 Dollar.
Was die neue Woche bringt
Charttechnisch beobachten Analysten die Unterstützungszone bei 4.500 US-Dollar. Hält sie nicht, gilt 4.360 Dollar als nächster relevanter Boden. Für ein bestätigtes Aufwärtssignal wäre ein nachhaltiger Ausbruch über 4.580 Dollar nötig.
Fundamental richten sich die Blicke auf US-Inflationsdaten und die finalen Details einer möglichen 60-tägigen Verlängerung der Waffenruhe im Iran-Konflikt. Ein bestätigter Waffenstillstand würde den geopolitischen Risikoaufschlag reduzieren — und den Fokus vollständig auf die schwache physische Nachfrage und das restriktive Zinsumfeld lenken. Immerhin kauften Zentralbanken im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold und bilden damit einen strukturellen Puffer, der kurzfristige Preisrückgänge abfedert.
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