Gold: Inflations-Zinsschnitt-Dilemma

Der Goldmarkt steht vor einem Widerspruch: Hohe US-Inflation stärkt Gold als Wertspeicher, verzögert aber Zinssenkungen, die das Metall belasten. Regionale ETF-Ströme zeigen deutliche Unterschiede.

Dr. Robert Sasse ·
Goldpreis LBMA Aktie

Kurz zusammengefasst

  • US-Inflation erreicht höchsten Stand seit Mai 2024
  • Gold profitiert von geopolitischen Spannungen
  • US-ETFs verzeichnen Rekordabflüsse
  • Chinesische Anleger nutzen Rücksetzer zum Kauf

Der Goldpreis startet mit einem leichten Minus in die neue Handelswoche. Hinter der scheinbar ruhigen Oberfläche brodelt ein Widerspruch: Ein überraschend heißer US-Inflationsbericht dämpft die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen — und stützt den Inflations-Trade gleichzeitig.

CPI-Daten setzen den Ton

Der März-CPI legte im Jahresvergleich auf 3,3 % zu — der höchste Stand seit Mai 2024 und der stärkste Monatsanstieg seit Mitte 2022. Haupttreiber war Energie: Benzin überschritt zuletzt die Marke von vier Dollar pro Gallone. Die Kerninflation fiel mit 2,6 % etwas schwächer aus als erwartet, doch für den Goldmarkt zählt die Headline-Zahl.

Die Märkte preisen inzwischen nur noch eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember ein. Für Gold ist das ein zweischneidiges Schwert: Höhere Zinsen belasten das nicht-verzinsliche Metall, während anhaltend hohe Inflation seinen Status als Wertspeicher stärkt.

Geopolitik und ETF-Ströme im Widerstreit

Die fragile Waffenruhe im Nahen Osten bleibt ein zentraler Preistreiber. Israelische Angriffe auf den Libanon und anhaltende Störungen in der Straße von Hormuz trübten zuletzt die Verhandlungsperspektiven. Goldman Sachs bringt es auf den Punkt: Bleibt die Meerenge noch einen weiteren Monat geschlossen, verharrt Brent über 100 Dollar, die Inflation bleibt erhöht — und genau das ist das Umfeld, in dem Gold outperformt.

Auf institutioneller Ebene zeigt sich eine ausgeprägte regionale Spaltung. US-Gold-ETFs verzeichneten im März Abflüsse von 12 Milliarden Dollar — die größten monatlichen Abflüsse aller Zeiten. Auf der anderen Seite stehen chinesische Anleger, die den Rücksetzer als Kaufgelegenheit nutzten: Mainland-China-ETFs verzeichneten im bisherigen Jahresverlauf Zuflüsse von 8,1 Milliarden Dollar. Zentralbanken bauen ihre Goldreserven derweil strukturell aus — der Goldanteil an globalen Devisenreserven erreichte den höchsten Stand seit 1991.

Technische Hürde bei 4.800 Dollar

Charttechnisch bleibt die Zone zwischen 4.700 und 4.800 Dollar der entscheidende Bereich. Der Widerstand bei 4.800 Dollar hat sich in der Vorwoche als zu stark erwiesen: Nach einem Anstieg von über 170 Dollar auf 4.835 Dollar folgte eine Korrektur zurück in die Handelsspanne. Unterstützung liegt bei 4.576 Dollar, der nächste relevante Widerstand bei 4.881 Dollar.

Diese Woche stehen die März-PPI-Daten sowie die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an. Beide Datenpunkte könnten die Debatte um den geldpolitischen Kurs der Fed neu entfachen — und damit den nächsten Impuls für Gold liefern.

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