Gold: Investmentnachfrage überholt Schmuck 2025
Chinas Goldreserven wachsen den 22. Monat in Folge. Zentralbankkäufe und physische Anlagen prägen den Markt trotz ETF-Abflüssen zunehmend.

Kurz zusammengefasst
- China stockt Goldreserven weiter auf
- Zentralbanken kaufen 289 Tonnen
- Investmentnachfrage übertrifft Schmuckbedarf
- Minenproduktion erreicht Quartalsrekord
China hat seine Goldreserven im August erneut aufgestockt – bereits den 22. Monat in Folge. Die Notenbank hält nun 76,73 Millionen Feinunzen, wie aus aktuellen Daten hervorgeht. Der Kurs notiert an diesem Dienstag bei 4.384,90 US-Dollar je Feinunze, ein Minus von 0,5 Prozent zum Vortag.
Die anhaltenden Käufe Pekings unterstreichen einen strukturellen Trend, der den Goldmarkt seit Monaten prägt: Notenbanken weltweit bauen ihre Reserven systematisch aus.
Für das zweite Quartal 2026 meldete der World Gold Council Zentralbankkäufe von 289 Tonnen, eingebettet in eine Gesamtnachfrage von 1.269 Tonnen. Bereits 2025 hatten Notenbanken 863,3 Tonnen erworben – ein Zeichen dafür, dass diese Käuferschicht dem Goldpreis auch in Phasen von Kursrückgängen einen Boden gibt.
Geopolitische Spannungen stützen die Nachfrage
Parallel zu den Notenbankkäufen sorgt die Zuspitzung zwischen den USA und dem Iran für zusätzlichen Rückhalt. Nach gegenseitigen Angriffen auf Schiffe kletterte der Ölpreis am Wochenende auf ein Dreimonatshoch, WTI legte um ein Prozent auf 92,10 Dollar je Barrel zu.
Steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen – und Gold gilt traditionell als Absicherung gegen genau dieses Risiko. Diese Gemengelage erklärt, warum der Goldpreis trotz des jüngsten Rückgangs vergleichsweise stabil bleibt.
Nachfragestruktur verschiebt sich grundlegend
Jenseits der Zentralbanken vollzieht sich am Goldmarkt ein tieferer Strukturwandel. Erstmals in der Geschichte hat die Investmentnachfrage die Schmucknachfrage überflügelt: 2025 standen 2.175,3 Tonnen an Investments nur 1.638,0 Tonnen Schmucknachfrage gegenüber.
Auch physische Anlagen in Form von Barren und Münzen verdrängen den Schmuck zunehmend als größten Nachfrageposten, wie Metals Focus feststellt. Im zweiten Quartal 2026 erreichten Barren und Münzen 307 Tonnen, während die Schmucknachfrage um 17 Prozent auf 278 Tonnen einbrach – das schwächste Quartal seit der Pandemie.
Gleichzeitig verzeichneten Gold-ETFs Abflüsse von 44,8 Tonnen, was zeigt, dass die physische Nachfrage die börsengehandelten Fonds derzeit deutlich übertrifft.
Angebotsseite erreicht möglicherweise ihren Höhepunkt
Auf der Angebotsseite meldete der World Gold Council für das zweite Quartal einen Rekord: Die Minenproduktion stieg um 2 Prozent auf 965,6 Tonnen. Das Recycling sank dagegen um 6 Prozent auf 326,1 Tonnen, sodass sich das Gesamtangebot auf 1.268,9 Tonnen belief.
Der Analyst Paul Manalo von S&P Global rechnet damit, dass die weltweite Goldförderung 2026 mit 110 Millionen Unzen ihren Höhepunkt erreicht, ehe sie bis 2028 auf 103 Millionen Unzen zurückgeht. Seit 2020 wurden lediglich fünf größere Goldfunde mit insgesamt 17 Millionen Unzen entdeckt – ein Hinweis darauf, dass langfristig knapperes Angebot den Preis stützen könnte.
Der aktuelle Kurs liegt rund 3,1 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.254,96 Dollar, was auf eine grundsätzlich intakte kurzfristige Tendenz hindeutet, auch wenn der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt mit 3,1 Prozent im negativen Bereich verharrt.
Anleger richten den Blick nun auf die US-Inflationsdaten: Am Donnerstag steht der Erzeugerpreisindex an, am Freitag folgt der Verbraucherpreisindex – beide Berichte dürften die Erwartungen für die Fed-Sitzung am 15. und 16. September maßgeblich beeinflussen.
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