Gold: Kaufkraftschutz siegt über Zinssorge

US-Inflation und geopolitische Spannungen treiben Gold auf 4.347,28 Dollar. Zugleich wächst die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung auf 90 Prozent.

Redaktion Stock-World ·
Goldbarren auf einem dunklen Holztisch in einer professionellen Büroumgebung mit weichem, natürlichem Seitenlicht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Kerninflation übertrifft Markterwartungen
  • Gold gewinnt 0,7 Prozent
  • Ölpreis nähert sich 110 Dollar
  • Gold-ETFs verzeichnen 18 Milliarden Dollar Zuflüsse

Die US-Inflationsdaten für August haben am Freitag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve in der kommenden Woche deutlich erhöht. Der Verbraucherpreisindex stieg um 0,4 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent im Jahresvergleich – die Kerninflation legte mit 0,3 Prozent stärker zu als die erwartete 0,2 Prozent.

Laut CME FedWatch kletterte die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 25 Basispunkte auf bis zu 90 Prozent, nachdem sie am Donnerstag noch bei rund 72 Prozent gelegen hatte.

Für den Goldpreis bedeutet dieses Umfeld eine paradoxe Gemengelage: Höhere Zinsen verteuern eigentlich das Halten von zinslosem Gold, doch die hartnäckig hohe Inflation stärkt zugleich die Funktion des Edelmetalls als Absicherung gegen Kaufkraftverlust. Am aktuellen Handelstag legte der Kurs um 0,7 Prozent zu und notiert bei 4.347,28 US-Dollar je Feinunze.

Ölpreisschock als zusätzlicher Belastungsfaktor

Parallel zur Zinsdebatte sorgt die Lage im Nahen Osten für Unruhe an den Energiemärkten. Nach dem Angriff auf Schiffe im Persischen Golf gestern zog der Ölpreis kräftig an, Brent näherte sich zeitweise der Marke von 110 US-Dollar je Barrel, ehe eine Gegenbewegung einsetzte.

Diese Kombination aus geopolitischer Eskalation und hartnäckiger Inflation erklärt, weshalb Gold trotz steigender Zinserwartungen nicht unter Druck gerät, sondern seine Rolle als sicherer Hafen behauptet.

Die Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen ordnet die Entwicklung entsprechend ein: Gold fungiere wieder verstärkt als sicherer Hafen, sei aber nicht immun gegen steigende Zinserwartungen in den USA. Diese Einschätzung trifft den Kern der aktuellen Marktlage – die Nachfrage nach Absicherung konkurriert mit dem Gegenwind höherer Realzinsen.

Anleger zwischen Zinssorge und Kaufkraftschutz

Bereits vor gut einer Woche hatte ein Fed-Gouverneur mit Signalen für unveränderte Zinsen für Verunsicherung gesorgt, seither hat der Goldpreis rund 1,7 Prozent verloren. Die heutigen Inflationsdaten drehen die Erzählung nun teilweise wieder – nicht, weil eine Zinserhöhung für Gold per se günstig wäre, sondern weil die zugrundeliegende Inflationsdynamik das eigentliche Treiberthema bleibt.

Die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin sieht dennoch weiteres Aufwärtspotenzial. Stratege Claudio Wewel rechnet mit einem Goldpreis von 4.600 US-Dollar je Unze bis Jahresende und mit 5.000 US-Dollar bis Ende 2027. Untermauert wird diese Einschätzung durch kräftige Mittelzuflüsse in Gold-ETFs: Im August flossen rund 120 Tonnen beziehungsweise 18 Milliarden US-Dollar in entsprechende Fonds – der höchste Stand seit Januar 2026, nach lediglich 3 Milliarden US-Dollar im Juli.

Fed-Sitzung als nächster Prüfstein

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die Fed-Sitzung in der kommenden Woche. Mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte rechnen mittlerweile die meisten Marktteilnehmer, auch Ökonomen von LBBW, Commerzbank und VP Bank Group gehen von diesem Schritt aus.

Sollte die Fed tatsächlich liefern, dürfte sich zeigen, ob die Inflationsängste oder die Zinsbelastung für den Goldpreis am Ende schwerer wiegen. Die deutlich gestiegenen Anleiherenditen – die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte mit rund 4,94 Prozent den höchsten Stand seit Oktober 2023 – bleiben dabei der zentrale Gegenspieler für das zinslose Edelmetall.

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