Gold: Kein einfacher Ausweg?

Dieter Jaworski ·
Gold Aktie

Ein historischer Anstieg der US-Benzinpreise zerschlägt die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen und weckt ernsthafte wirtschaftliche Sorgen. Während der Krieg am Persischen Golf die Inflation neu anfacht, gerät das klassische Krisenmetall in ein fundamentales Spannungsfeld. Parallel zum makroökonomischen Gegenwind saugen Zentralbanken den Markt systematisch leer.

Zinswende rückt in weite Ferne

Der Krieg mit dem Iran treibt die Energiekosten drastisch in die Höhe. Mit einem Plus von 21,2 Prozent verzeichneten die US-Benzinpreise im März den stärksten monatlichen Sprung seit 1967. Dies katapultierte die jährliche Inflationsrate auf 3,3 Prozent. Für das Edelmetall entsteht daraus eine paradoxe Belastung. Einerseits gilt Bullion als idealer Schutz gegen die Geldentwertung. Andererseits zwingt die anhaltende Teuerung die US-Notenbank dazu, die Zinsen länger auf einem hohen Niveau zu belassen. Ein solches Umfeld macht renditelose Anlagen unattraktiv.

Seit Ausbruch der geopolitischen Krise Ende Februar hat der Kurs spürbar nachgegeben und beendete die jüngste Handelswoche bei 4.771,30 US-Dollar. Marktbeobachter sehen zunehmend das Risiko einer Stagflation – einer toxischen Mischung aus wirtschaftlicher Stagnation und hoher Inflation. Das FedWatch-Tool der CME Group beziffert die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen im Juni mittlerweile auf fast 90 Prozent. Sogar eine Zinserhöhung wird plötzlich wieder mit einer Wahrscheinlichkeit von 3,8 Prozent eingepreist.

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Zentralbanken verknappen das Angebot

Ungeachtet der geldpolitischen Gegenwinde stützen institutionelle Käufer den Markt massiv. Zentralbanken stocken ihre Reserven nunmehr seit 23 Monaten in Folge auf. Besonders Peking forciert diese Strategie und meldete im März den 17. Zukauf hintereinander. Dadurch wuchsen die chinesischen Bestände auf 74,38 Millionen Feinunzen an. Der physische Vermögenswert dient vielen Staaten als strategische Absicherung ohne Gegenparteirisiko, um Unabhängigkeit im internationalen Währungssystem zu demonstrieren.

Ein weiterer Faktor könnte die physische Verfügbarkeit künftig stark einschränken. Laut dem World Gold Council planen 68 Prozent der Notenbanken, ihre Bestände ins eigene Land zurückzuholen. Wenn Staaten zunehmend Barren akkumulieren und diese gleichzeitig aus ausländischen Tresoren abziehen, entzieht das dem globalen Markt wichtige Liquidität.

Die kurzfristige Preisentwicklung hängt nun unmittelbar an den nächsten makroökonomischen Indikatoren. Ein anhaltender Ölpreis über 110 US-Dollar je Barrel in Kombination mit dem robusten US-Arbeitsmarkt dürfte die straffe Haltung der Fed weiter zementieren. Der nächste konkrete Impuls für den Goldmarkt folgt am 26. April mit der Veröffentlichung des PCE-Preisindex, dem bevorzugten Inflationsmaß der US-Notenbank.

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