Gold: Knapp am Abgrund?

Kurzfristig belasten Zinsängste den Goldpreis, doch die Deutsche Bank prognostiziert aufgrund struktureller Zentralbankkäufe langfristig steigende Kurse.

Redaktion Stock-World ·
Gold Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis fällt um fast zwei Prozent
  • Zinsängste belasten das Edelmetall
  • Deutsche Bank sieht langfristigen Aufwärtstrend
  • Zentralbanken holen Goldreserven zurück

Der Goldpreis steht aktuell unter erheblichem Druck. Am Dienstag rutschte die Notierung um fast zwei Prozent auf 4.609 US-Dollar ab. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf knapp drei Prozent. Langfristig zeichnet die Deutsche Bank jedoch ein völlig anderes Bild für das Edelmetall.

Zinsangst bremst den Goldpreis

Steigende Ölpreise und stockende Verhandlungen im Nahen Osten schüren neue Inflationssorgen. Das belastet das zinslose Edelmetall. Investoren positionieren sich vor der anstehenden Zinssitzung der US-Notenbank Fed um. Der Markt rechnet fest mit unveränderten Leitzinsen. Einige Akteure erwarten für den weiteren Jahresverlauf sogar wieder Zinserhöhungen.

Auch in Japan wächst der Druck. Die Bank of Japan hielt die Zinsen am Dienstag zwar stabil. Drei Ausschussmitglieder plädierten allerdings für eine sofortige Erhöhung der Kreditkosten.

Deutsche Bank sieht Systemwandel

Im Kontrast zur aktuellen Kursschwäche steht eine neue Analyse der Deutschen Bank. Strategin Mallika Sachdeva sieht Gold als primären Profiteur einer sich fragmentierenden Weltordnung. Der Goldanteil an den weltweiten Zentralbankreserven kletterte seit den Neunzigerjahren auf 30 Prozent.

Parallel dazu fiel der Dollar-Anteil an den globalen Devisenreserven von über 60 auf 40 Prozent. Das Einfrieren russischer Reserven im Jahr 2022 wirkte als Weckruf. Die Folge: Staaten erkennen die Verwundbarkeit traditioneller Währungen durch Sanktionen. Gold lässt sich lokal lagern. Das Edelmetall erfordert kein Vertrauen in einen Emittenten.

Eine Simulation der Bank skizziert ein extremes Szenario. Streben Schwellenländer eine Goldquote von 40 Prozent an, könnte der Preis auf fast 8.000 Dollar steigen. Die Analysten betonen dabei den rein konzeptionellen Charakter dieser Berechnung.

Rückholaktionen stützen den Markt

Ein weiterer Trend verknappt das verfügbare Angebot. Zentralbanken holen ihre Goldbestände zunehmend ins eigene Land zurück. Die Banque de France verkaufte laut Berichten 129 Tonnen aus New Yorker Tresoren. Mit dem Erlös kaufte sie Barren für die Lagerung in Paris.

Auch in Deutschland wächst der politische Druck. Die Bundesbank lagert aktuell noch über 1.200 Tonnen Gold in den USA. Solche Umschichtungen treffen auf eine anhaltend hohe Grundnachfrage. Zwar sanken die globalen Zentralbankkäufe Anfang 2026 leicht. Dafür treten nun Länder wie Malaysia und Südkorea wieder als Käufer auf.

Kurzfristig diktiert die Zinspolitik der US-Notenbank den Takt am Goldmarkt. Investoren warten auf die Signale nach der anstehenden Fed-Sitzung. Deutet Notenbankchef Jerome Powell eine längere Zinspause an, dürfte der Preisdruck vorerst anhalten. Langfristig bilden die anhaltenden Käufe der Zentralbanken jedoch ein massives Fundament für das Edelmetall.

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