Gold: Kopf-Schulter-Ziel bis 2.750 Dollar

Gold fällt unter 4.000 Dollar und droht charttechnisch einzubrechen. Fed-Sitzung und Nahost-Krise bestimmen die kurzfristige Richtung.

Felix Baarz ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis rutscht unter 4.000 US-Dollar
  • Kopf-Schulter-Muster deutet auf Kurseinbruch hin
  • Fed-Sitzung Ende Juli im Fokus
  • Nahost-Konflikt treibt Ölpreis und Zinsängste

Der Goldpreis rutscht unter die Marke von 4.000 US-Dollar und steuert auf eine entscheidende Woche zu. Der Grund: eskalierende Spannungen zwischen den USA und dem Iran treiben den Ölpreis nach oben. Das schürt Inflationssorgen und nährt Erwartungen an anhaltend hohe Zinsen der Federal Reserve.

Nahost-Eskalation drückt auf die Krisenwährung

Die Lage im Nahen Osten bleibt der zentrale Belastungsfaktor. Teheran hat neue Angriffe auf US-Einrichtungen im Nahen Osten gestartet. Das geschah nach einer sechsten aufeinanderfolgenden Nacht von US-Angriffen auf iranische Militärziele.

Die Straße von Hormus bleibt gestört. Das treibt den Ölpreis nach oben und belastet paradoxerweise ausgerechnet jenes Edelmetall, das eigentlich als Krisenwährung gilt.

Zusätzlichen Druck übt die Fed aus. Dallas-Fed-Präsidentin Lorie Logan fordert eine weitere Zinserhöhung. Vize-Chef Philip Jefferson signalisiert, er würde eine straffere Politik unterstützen, sollte sich die Inflation kurzfristig nicht verbessern.

Die Märkte preisen inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 50 Prozent für eine Zinserhöhung im September ein. Die jüngsten US-Preisdaten zeigen ein gemischtes Bild. Verbraucher- und Erzeugerpreise fielen im Juni, vor allem wegen niedrigerer Energiekosten. Die Importpreise stiegen dagegen unerwartet.

Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli im Fokus

Die kommenden Handelstage stehen im Zeichen der nächsten geldpolitischen Weichenstellung. Am 28. und 29. Juli tagt der FOMC, neue Wirtschaftsprojektionen wird es bei diesem Termin nicht geben. Den Zinsentscheid veröffentlicht die Fed am 29. Juli um 20:00 Uhr MESZ, die Pressekonferenz folgt eine halbe Stunde später.

Bereits die vorherige Sitzung hatte für Verunsicherung gesorgt. Am 17. Juni beließ die Federal Reserve den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Entscheidung fiel einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen, erstmals unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh.

Auffällig: Der neue Dot Plot signalisiert erstmals eine mögliche Zinserhöhung statt einer Senkung. Diese Verschiebung gilt als einer der Hauptgründe für den anhaltenden Verkaufsdruck auf Gold. Für die kommende Sitzung erwarten Marktbeobachter zwar keine unmittelbare Anhebung. Mehrere Fed-Mitglieder halten höhere Zinsen im weiteren Jahresverlauf aber weiterhin für möglich.

Zentralbanken als Gegengewicht — mit Einschränkungen

Als strukturelles Gegengewicht zum kurzfristigen Verkaufsdruck gilt seit Monaten die Nachfrage der Notenbanken. Goldman-Analystin Lina Thomas hatte bereits Mitte Mai geschätzt, dass Zentralbanken im Mai rund 81 Tonnen Gold gekauft haben. Das saisonbereinigte Dreimonatstempo lag bei 67 Tonnen pro Monat, fast viermal so hoch wie der Durchschnitt vor 2022.

China war laut dieser Schätzung mit rund 48 Tonnen der größte identifizierbare Käufer. Diese Mitte-Mai-Einschätzung bildet weiterhin das Fundament für Goldmans mittelfristig konstruktiven Blick. Für 2026 hält die Bank an ihrer Annahme von durchschnittlich 50 Tonnen pro Monat fest, für 2027 an 40 Tonnen.

Diese Zahlen stammen aus dem Mai. Aktuelle Kommentare zitieren sie weiterhin, eine neue Analyse aus dieser Woche ist das nicht.

Nicht alle Institute teilen diesen Optimismus. JPMorgan senkte sein Kursziel für das vierte Quartal bereits Anfang des Monats um rund ein Viertel auf 4.500 US-Dollar. Die Bank of America warnte zuletzt vor weiteren Rückgängen und verwies dabei auf Kursmuster aus den Hochphasen von 1980 und 2011.

Charttechnik: Kopf-Schulter-Muster nimmt Form an

Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.021 US-Dollar, nur gut drei Prozent über seinem 52-Wochen-Tief vom Oktober.

Auf Wochensicht steht ein Minus von 2,58 Prozent zu Buche. Der RSI von 40,6 signalisiert keine überverkaufte Lage, aber schwaches Momentum.

Auf dem Wochenchart zeichnet sich ein größeres bärisches Muster ab. Seit dem Januarhoch bildet Gold tiefere Hochs und tiefere Tiefs aus. Das ergibt ein klassisches Kopf-Schulter-Muster. Die linke Schulter lag im Oktober 2025 bei rund 4.500 US-Dollar. Der Kopf markiert das Rekordhoch von 5.598 US-Dollar.

Die rechte Schulter bildete sich im April nahe 4.850 US-Dollar. Die Nackenlinie steigt von den Novembertiefs in Richtung 4.200 US-Dollar.

Fällt der Kurs auf Wochenschlussbasis unter diese Nackenlinie, ergibt sich ein gemessenes Kursziel zwischen 2.575 und 2.750 US-Dollar. Das wäre ein Rückgang von rund 35 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau, das tiefste bärische Ziel im gesamten Muster.

Ein Tagesschluss oberhalb von 4.400 US-Dollar würde dagegen den fallenden Kanal durchbrechen. Das bärische Szenario wäre damit grundlegend infrage gestellt.

Für die kommende Woche entscheiden zwei Faktoren über die Richtung: die Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli sowie die weitere Entwicklung der Nahost-Krise. Bricht Gold die Nackenlinie bei 4.200 US-Dollar nach unten, rückt das bärische Kursziel zwischen 2.575 und 2.750 US-Dollar in den Fokus der Chartanalysten.

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