Gold: Markttreiber identifiziert

Trotz eines deutlichen Preisrückgangs im März heben große Investmentbanken ihre Goldkursziele für 2026 massiv an. Dieser Widerspruch spiegelt die Zerrissenheit zwischen Zinsdruck und struktureller Nachfrage wider.

Andreas Sommer ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis verliert im März fast zwölf Prozent
  • Großbanken erhöhen Jahresziele auf bis zu 6.300 Dollar
  • Zentralbankkäufe wirken ETF-Abflüssen entgegen
  • Inflation und Handelsrisiken stützen langfristige Nachfrage

Der Goldpreis hat im März eine der schärfsten Korrekturen der vergangenen Jahre erlitten. Während Anleger massiv Kapital aus ETFs abziehen und der Kurs zweistellig einbricht, reagieren große Investmentbanken völlig kontraintuitiv: Sie heben ihre Kursziele deutlich an. Dieser Widerspruch offenbart einen tiefen Riss in der aktuellen Marktbewertung des Edelmetalls.

Verantwortlich für den jüngsten Abwärtsdruck ist primär die US-Notenbank. Da die Fed für das Jahr 2026 lediglich eine einzige Zinssenkung signalisiert, zogen die realen Treasury-Renditen an und stärkten den US-Dollar. Folglich verlor das Edelmetall an Attraktivität, was sich in schnellen Verkäufen niederschlug. Allein der weltgrößte Gold-ETF (GLD) verzeichnete Ende März innerhalb einer Woche Kapitalabflüsse von rund 2,1 Milliarden Dollar. Gestern schloss der Spotpreis bei 4.699,60 US-Dollar, was einem Verlust von knapp 12 Prozent auf Monatssicht entspricht.

Zentralbanken stützen den Markt

Auf der anderen Seite agieren die globalen Notenbanken als massives Gegengewicht zu den ETF-Verkäufen. Besonders Schwellenländer diversifizieren ihre Reserven aggressiv weg vom US-Dollar. China verlängerte seine Käufe bis Jahresbeginn auf 15 aufeinanderfolgende Monate und baute die Bestände auf über 74 Millionen Unzen aus.

Hinzu kommen handfeste makroökonomische Risiken. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet für 2026 mit einer drastischen Verlangsamung des weltweiten Warenhandels auf nur noch 0,6 Prozent Wachstum. Solche geopolitischen Spannungen, gepaart mit einer weiterhin hartnäckigen Inflation von voraussichtlich 3,6 Prozent, gelten historisch als starkes Fundament für eine anhaltende Goldnachfrage.

Wall Street hebt Prognosen an

Angetrieben von dieser strukturellen Nachfrage revidieren mehrere Großbanken ihre Erwartungen für das laufende Jahr massiv nach oben. Wells Fargo korrigierte die eigene Prognose um rund 35 Prozent. Aktuell rufen die großen Institute folgende Jahresziele für 2026 aus:

  • JPMorgan: 6.300 US-Dollar
  • UBS: 6.200 US-Dollar
  • Wells Fargo: 6.100 bis 6.300 US-Dollar
  • Goldman Sachs: 5.400 US-Dollar

Diese optimistischen Schätzungen stehen im direkten Kontrast zu einer aktuellen Umfrage der Financial Times, bei der elf Analysten im Schnitt nur einen Jahresendstand von 4.610 US-Dollar erwarten.

Die extreme Bandbreite der Prognosen spiegelt die Zerrissenheit des Marktes wider. Sollte die Fed aufgrund der Inflation gezwungen sein, die Zinsen im Bereich von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen oder gar anzuheben, droht dem Edelmetall weiterer Gegenwind durch einen starken Dollar. Setzen sich hingegen die strukturellen Käufe der Zentralbanken und die Sorgen um den Welthandel durch, bietet das aktuelle Preisniveau die Basis für den von der Wall Street skizzierten Rekordlauf.

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