Gold: NFP-Bericht um 14:30 Uhr entscheidend

Goldkurs fällt auf 4.506 Dollar, belastet durch Inflation und Zinsängste. Arbeitsmarktdaten könnten Richtung vorgeben.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • Goldkurs fällt unter Wochenhoch
  • Fed-Komitee zeigt tiefe Spaltung
  • Zentralbanken stützen mit Goldkäufen
  • NFP-Bericht als wichtiger Impulsgeber

Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai erscheint heute um 14:30 Uhr MEZ — und für Gold könnte er richtungsweisender sein als gewöhnlich. Das Edelmetall steht unter Druck: Inflation, ein zerstrittenes Fed-Komitee und ein schwelender Nahost-Konflikt schaffen ein Umfeld, das klassische Muster außer Kraft setzt.

Gold schloss gestern bei 4.506 Dollar je Unze, rund zwei Prozent unter dem Wochenhoch. Seit dem Allzeithoch von 5.626,80 Dollar Ende Januar hat das Metall fast 20 Prozent verloren — gegenüber dem Vorjahr liegt es aber noch immer deutlich im Plus.

Die Fed-Falle

Der Kern des Problems: Die US-Inflation liegt bei 3,8 Prozent — höchster Stand seit Mai 2023. Treiber sind die Energiepreise, angeheizt durch die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus infolge des US-Iran-Konflikts. Zinssenkungen für 2026 sind vollständig aus den Marktpreisen verschwunden, einige Händler wetten inzwischen auf eine Anhebung noch vor Jahresende.

Das FOMC ist dabei alles andere als geschlossen. Beim April-Votum stimmten acht zu vier — die meisten Gegenstimmen seit Oktober 1992. Drei Mitglieder widersprachen der lockeren Tendenz, ein Mitglied votierte für eine Zinssenkung. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack warnte offen, die Fed könnte zu Erhöhungen gezwungen sein, sollte der Inflationsdruck weiter zunehmen.

Für Gold ist das ein Dilemma: Geopolitische Spannungen würden normalerweise Safe-Haven-Käufe auslösen. Steigende Realzinserwartungen wirken jedoch in die entgegengesetzte Richtung — und überwiegen derzeit.

Was die Jobsdaten entscheiden

Der Konsens für den heutigen NFP-Bericht liegt bei 100.000 bis 115.000 neuen Stellen, die Arbeitslosenquote wird bei 4,3 Prozent erwartet. Im April hatte die US-Wirtschaft noch 115.000 Stellen hinzugefügt — weit über den damaligen Erwartungen von 62.000.

Robuste Beschäftigungsdaten bei weiterhin hohen Ölpreisen würden den Zinsdruck auf Gold verlängern. Kühlt der Arbeitsmarkt dagegen spürbar ab, könnte das die Realzinserwartungen dämpfen und dem Metall wieder Luft verschaffen.

Strukturelle Käufer halten dagegen

Trotz des kurzfristigen Gegenwinds bleibt die Nachfrageseite strukturell intakt. Zentralbanken kauften im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen Gold — mehr als im Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt. Das stützt den Markt, auch wenn es kurzfristige Zinsbewegungen nicht neutralisieren kann.

Beratungsunternehmen Metals Focus erwartet, dass Gold in der zweiten Jahreshälfte seinen Aufwärtstrend wieder aufnimmt. Für 2026 insgesamt prognostiziert Metals Focus allerdings einen Nachfragerückgang von zwei Prozent — getrieben von zweistelligen Rückgängen bei Schmuck und Zentralbankkäufen.

Der nächste harte Datenpunkt folgt am 10. Juni: der Mai-CPI. Zusammen mit dem heutigen NFP-Bericht setzt er die Bühne für Kevin Warschs erstes FOMC-Meeting als Fed-Chef — mit einer gespaltenen Notenbank und einer Inflation, die wenig Spielraum lässt.

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