Gold: Niederlande verlegen 86 Tonnen nach London

Die Niederlande verlagern 86 Tonnen Gold nach London. Trotz hoher Notenbankkäufe steht der Preis kurzfristig unter Druck.

Dieter Jaworski ·
Stapel von Goldbarren in einem hochgesicherten Tresorraum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Niederlande verlagern 86 Tonnen Gold
  • Frankreich holt Reserven nach Paris
  • Notenbanken kaufen im Juli netto zu
  • Goldpreis verliert kurzfristig an Wert

Die geopolitische Landkarte des Goldes verschiebt sich. Die niederländische Zentralbank hat zwischen März und August insgesamt 86 Tonnen Gold aus New York und Ottawa nach London verlegt. Damit reagiert Den Haag auf wachsende geopolitische Unsicherheit und will im Krisenfall schneller auf die Reserven zugreifen können.

Nach dem Transfer lagern nun 32,1 Prozent der niederländischen Goldbestände in London, während New York und Ottawa je 18,5 Prozent halten. Der Gesamtbestand der DNB liegt bei 612,4 Tonnen im Wert von 72,2 Milliarden Euro.

Frankreich zog bereits zwischen Juli 2025 und Januar 2026 rund 129 Tonnen aus New York ab und brachte sie nach Paris. Ein Blick zurück zeigt, dass Deutschland zwischen 2013 und 2017 bereits einen ähnlichen Weg gegangen war: Die Bundesbank holte damals Gold aus New York und Paris zurück nach Frankfurt.

Analysten von Goldman Sachs, Lina Thomas und Daan Struyven, sehen darin einen breiteren Trend – Zentralbanken wollen ihr Gold zunehmend näher am eigenen Territorium lagern statt es in den traditionellen Handelszentren zu belassen.

Käufe bleiben hoch, Preis gibt nach

Der Trend zur Repatriierung fällt zusammen mit anhaltend kräftigen Goldkäufen der Notenbanken. Nach Daten des World Gold Council legten die Zentralbanken im Juli netto 23 Tonnen zu, in den ersten sieben Monaten des Jahres kamen rund 130 Tonnen zusammen. China kaufte im 21. Monat in Folge zu und kommt inzwischen auf einen Gesamtbestand von 2.366 Tonnen.

Polen erhöhte seinen Bestand in den ersten sieben Monaten um 90 Tonnen. Russland und die Türkei verkauften dagegen jeweils kleinere Mengen. Im zweiten Quartal stieg die weltweite Nettonachfrage nach Gold um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 289 Tonnen – nach Angaben des World Gold Council der höchste je gemessene Wert für ein zweites Quartal.

Trotz dieser strukturellen Nachfrage steht der Goldpreis derzeit unter Druck. Am Freitag schloss die Feinunze bei 4.430,09 Dollar, ein Rückgang von 1,0 Prozent zum Vortag. Über sieben Tage steht ein Minus von 0,5 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn bleibt mit 2,6 Prozent aber ein Plus. Auf Zwölfmonatssicht liegt Gold weiterhin 24 Prozent im Plus, notiert jedoch gut ein Fünftel unter seinem Rekordhoch von 5.598,58 Dollar aus dem Januar.

Vermögensverwalter kaufen bei Schwäche zu

Der jüngste Preisrückgang – von rund 5.600 Dollar im Januar auf zeitweise nur noch etwa 4.000 Dollar bis Juni – hat große Vermögensverwalter offenbar zum Nachkauf bewegt. Institute wie Amundi, Pictet, Robeco, Fidelity, BNP Paribas und Manulife bauen ihre Goldpositionen wieder aus.

Amundi rechnet nach eigenen Angaben mit einem Goldpreis von 4.200 Dollar je Unze bis Ende 2026, für 2028 hält das Haus sogar 5.000 Dollar für möglich. Ray Dalio empfiehlt Anlegern laut Berichten einen Portfolioanteil von 15 Prozent in Gold.

Die Kombination aus struktureller Nachfrage der Zentralbanken, geopolitisch motivierten Repatriierungen und institutionellem Nachkaufinteresse bildet damit einen Gegenpol zu den kurzfristigen Belastungsfaktoren, die zuletzt von robusten US-Arbeitsmarktdaten und steigenden Zinserwartungen ausgingen.

Für Anleger bleibt Gold damit ein Markt mit zwei Geschwindigkeiten: kurzfristig volatil, mittelfristig getragen von einem breiten Käuferkreis, der über reine Kursspekulation hinausgeht.

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