Gold: Notenbanken kaufen 42 Prozent mehr
Notenbanken und Goldfonds kauften zu, doch sinkende private Nachfrage und höhere Zinserwartungen belasteten den Markt.

Kurz zusammengefasst
- Zentralbanken kauften netto 321 Tonnen
- Gold-ETFs verbuchten 211 Tonnen Zuflüsse
- Gesamtnachfrage sank um ein Prozent
- Goldpreis fiel nach robusten US-Arbeitsmarktdaten
Zentralbanken bilden ein Gegengewicht zur schwächeren privaten Goldnachfrage. Nach Angaben des World Gold Council kauften sie im berichteten Quartal netto 321 Tonnen Gold – 42 % mehr als im Vorjahresquartal. Für Anleger spricht diese Nachfrage für eine Stütze des Marktes, sofern die Notenbanken ihre Käufe fortsetzen. Zugleich schwächen sich andere Nachfragebereiche ab.
Notenbanken und Fonds setzen Gegenakzente
Neben den Zentralbanken griffen auch Anleger über physisch gedeckte Gold-ETFs zu. Diese Fonds verzeichneten im berichteten Quartal Zuflüsse von 211 Tonnen. Die gesamte Goldnachfrage einschließlich des außerbörslichen Handels lag bei 1.369 Tonnen und damit 1 % unter dem Vorjahresquartal.
Die zusätzlichen Käufe der Notenbanken und Fonds trafen somit auf eine insgesamt leicht rückläufige Nachfrage. Entscheidend ist die unterschiedliche Entwicklung der Käufergruppen: Institutionelle Käufe stützten den Markt, während die Nachfrage nach Barren, Münzen und Schmuck zurückging.
Die Oktoberdaten des World Gold Council zeigen eine Fortsetzung der ETF-Zuflüsse. Weltweit flossen den Goldfonds 2,7 Milliarden US-Dollar zu. Ihre Bestände stiegen um 19 Tonnen auf den Monatsend-Rekord von 4.275 Tonnen.
Europäische Fonds führten die Zuflüsse an. Die Unterstützung für Gold kommt damit aus mehreren Käufergruppen. Ihre Tragfähigkeit hängt allerdings davon ab, ob Fondsanleger auch bei einer restriktiveren US-Geldpolitik weiter zukaufen.
Schwächere private Nachfrage begrenzt die Stützung
Die Nachfrage nach Barren und Münzen sowie nach Schmuck entwickelte sich schwächer. Das macht die Zusammensetzung der Nachfrage für Anleger besonders wichtig: Weitere institutionelle Käufe könnten Rückgänge anderer Käufergruppen abfedern, sofern sie ausreichend stark ausfallen.
Der Zinspfad bleibt die Belastungsprobe
Laut dem gestern veröffentlichten US-Arbeitsmarktbericht stieg die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft im Oktober nach Reuters-Angaben um 165.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 %. Die robusten Daten stärkten Dollar und Renditen sowie die Erwartung länger hoher US-Zinsen.
Gold gab daraufhin nach und schloss gestern bei 4.063,65 USD je Feinunze. Die Kursreaktion verdeutlicht, wie stark die Zinserwartungen die kurzfristige Entwicklung prägen.
Für die weitere Einordnung stehen sich zwei Kräfte gegenüber: Zentralbanken und ETF-Anleger sorgen für Nachfrage, während die restriktivere Zinsperspektive und schwächere private Käufe belasten. Eine breiter getragene Erholung hätte eine festere Grundlage, wenn zur institutionellen Unterstützung eine Stabilisierung der übrigen Nachfrage käme.
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