Gold: Ölpreis-Rutsch als Rückenwind?

Sinkende Ölpreise und US-Renditen fördern die Gold-Erholung, während Inflation und mögliche Verkäufe bei Liquiditätsbedarf bremsen.

Felix Baarz ·
Ein einzelner Goldbarren auf einem dunklen Holztisch in einem professionellen Büroambiente. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold legte gestern um 3,4 Prozent zu
  • US-Renditen und Ölpreise gingen zurück
  • Inflation könnte weitere Goldgewinne begrenzen
  • Gold-ETF-Zuflüsse entwickelten sich unterschiedlich

Sinkende Ölpreise und niedrigere US-Anleiherenditen geben Gold heute Rückenwind. Für eine belastbare Trendwende reicht diese Entlastung allein jedoch nicht: Hartnäckige Inflation und mögliche Verkäufe infolge schwächerer Technologieaktien bleiben Gegenkräfte. Entscheidend ist damit nicht nur der Dollar, sondern auch die Frage, ob Anleger Gold halten oder zur Beschaffung von Liquidität verkaufen.

Niedrigere Renditen entlasten Gold

Heute setzt sich die Erholung bei Gold fort. Neben dem schwächeren Dollar stützen rückläufige US-Staatsanleiherenditen den Markt. Auch fallende Ölpreise begleiten die Bewegung. Brent war gestern erstmals seit Anfang Oktober unter 100 US-Dollar je Barrel gefallen.

Damit haben mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig nachgelassen. Der demokratische Sieg bei den US-Zwischenwahlen bildete den politischen Hintergrund für den Rückgang von Dollar und Renditen. Eine dauerhafte Entspannung der Zinsrisiken lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Der gestrige Goldanstieg von 3,4% zeigt, wie deutlich der Markt auf die veränderten Rahmenbedingungen reagierte. Die Bewegung bestätigt zunächst die kurzfristige Entlastung, nicht das Ende der vorangegangenen Korrektur.

Inflation und Technologieaktien bleiben Risiken

Capital Economics warnte gestern, eine wegen der Inflation auf einen straffen Kurs festgelegte US-Notenbank könne weitere Goldgewinne begrenzen. Zusätzlich verwies das Analysehaus auf die Schwäche bei Technologieaktien. Die Erholung steht damit unter einem geldpolitischen und einem marktinternen Vorbehalt.

Auch Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hält einen weiteren Zinsschritt im Dezember angesichts der robusten US-Konjunktur und der hohen Inflation für sehr wahrscheinlich. Die niedrigeren Anleiherenditen beseitigen dieses Risiko nicht.

Die jüngsten Beschäftigungsdaten liefern ebenfalls kein eindeutiges Entwarnungssignal. Nach Angaben von ADP schuf die US-Privatwirtschaft im Oktober 86.000 Stellen. Erwartet worden waren 69.000 Stellen.

Für Goldanleger ist deshalb die Unterscheidung zwischen einer kurzfristigen Marktreaktion und einer veränderten geldpolitischen Perspektive wichtig. Die heutige Entlastung spricht für die Erholung. Die Einschätzungen der Analysten sprechen dagegen, daraus bereits einen dauerhaft günstigeren Zinsrahmen abzuleiten.

Anlegerpositionierung zeichnet ein gemischtes Bild

Bei den Kapitalströmen gibt es ebenfalls keine einheitliche Richtung. Spekulative Finanzinvestoren reduzierten ihre Netto-Kaufpositionen im Oktober auf ein Fünfmonatstief. Das dokumentiert die zuvor gewachsene Zurückhaltung gegenüber Gold.

Zugleich bedeuten Abflüsse aus einem großen Fonds nicht automatisch eine breite Abkehr vom Edelmetall. Im Oktober verlor der SPDR Gold Shares ETF Mittel. Andere Gold-ETFs erhielten laut Bloomberg nahezu ebenso hohe Zuflüsse.

Die Erholung trifft somit auf einen Markt mit unterschiedlichen Anlegerreaktionen. Schwächerer Dollar und niedrigere Renditen stützen Gold; Inflationsrisiken und möglicher Liquiditätsbedarf begrenzen die Aussagekraft des Anstiegs. Eine tragfähigere Erholung müsste deshalb über die unmittelbare Entlastung hinaus Bestand haben.

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