Gold: Ölpreise treiben Inflationssorgen

Gold notiert bei rund 4.420 Dollar, während Nahost-Risiken stützen und erwartete US-Zinserhöhungen das zinslose Edelmetall belasten.

Dieter Jaworski ·
Mehrere Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte vor einem verschwommenen industriellen Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis rund 64 Dollar höher
  • Silber übersteigt 68-Dollar-Marke
  • Nur sechs Frachter passieren Hormus
  • FedWatch sieht 62 Prozent Zinserhöhung

Zwischen Sicherheitsbedürfnis und Zinsangst — Gold sucht am Mittwoch seinen Kurs. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Ölpreise nach oben, und genau das bringt Anleger in ein Dilemma: Steigende Energiepreise schüren Inflationssorgen, was eigentlich für Gold spricht.

Gleichzeitig nähren sie die Erwartung, dass die US-Notenbank bei ihrer Sitzung am 15. und 16. September die Zinsen anhebt statt senkt — schlecht für ein Metall, das keine Zinsen zahlt.

Die Feinunze bewegt sich am Mittwoch um die 4.420 Dollar, nach einem Wochentief zuvor. Damit liegt der Preis rund 64 Dollar über dem Vortagsniveau. Silber zieht deutlich stärker an und überspringt die Marke von 68 Dollar je Feinunze — ein Sprung von über zwei Prozent.

Naher Osten sorgt für Nervosität

Der Auslöser für die aktuelle Fluchtbewegung in sichere Häfen liegt vor der Küste des Nahen Ostens. Die USA und Iran tauschen weiterhin Angriffe auf Schiffe und militärische Ziele aus, die Straße von Hormuz gilt als zunehmend unsicher.

Nach Angaben aus der Schifffahrtsbranche passierten am Dienstag nur sechs Frachtschiffe die Meerenge, deutlich weniger als der Zehn-Tages-Schnitt von rund zwölf pro Tag. Verhandlungen zwischen den Kontrahenten liegen brach, seit ein im Juni geschlossenes Abkommen im August ausgelaufen ist.

Diese Eskalation erklärt, warum Gold trotz eines möglichen Zinsschritts nicht abrutscht. Sicherheitsbedürfnis wirkt hier als Gegengewicht zu den Zinssorgen.

Treasury-Rückkauf und Dollar als Belastung

Auf der anderen Seite des Preisgeschehens steht die US-Geldpolitik. Ein angekündigtes Rückkaufprogramm für US-Staatsanleihen hat die Renditen zeitweise steigen lassen, was zinstragende Anlagen attraktiver macht und Gold Konkurrenz verschafft. Der Dollar zeigte sich im Tagesverlauf uneinheitlich — mal schwächer, mal mit Erholungstendenzen, während der Euro bei 1,1647 Dollar notierte.

Laut dem FedWatch-Tool der CME Group preist der Markt aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. Die restlichen rund 38 Prozent entfallen auf ein Halten des aktuellen Niveaus. Diese Gemengelage hält Gold in einer Zwickmühle: Charttechnisch bleibt der Preis über der 200-Perioden-Durchschnittslinie, das Momentum gilt aber als schwach.

Am Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank über ihren Leitzins, am Freitag folgen US-Inflationsdaten. Beide Termine dürften die Richtung für die kommende Fed-Sitzung mitbestimmen — und damit auch, ob Gold seine 4.400-Dollar-Marke behaupten kann.

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