Gold: PBoC kauft so viel wie nie seit 2023
Indische ETF-Zuflüsse stützen den Goldmarkt, während schwache Schmucknachfrage in China und US-Zinserwartungen gegenläufig wirken.

Kurz zusammengefasst
- Indische Gold-ETFs verzeichneten deutliche Zuflüsse
- Weltweite ETF-Bestände erreichten einen Rekordwert
- Chinas Schmucknachfrage lag deutlich niedriger
- US-Zinserwartungen belasteten den Goldpreis
Indiens Fest- und Hochzeitssaison belebt die Goldnachfrage, während Zinserwartungen den Goldpreis belasten. Für Anleger ergibt sich damit ein geteiltes Bild: Die Nachfrage liefert Unterstützung, bestimmt kurzfristig aber nicht allein die Preisrichtung.
Indische Nachfrage gewinnt an Gewicht
Indische Gold-ETF verzeichneten in der ersten Oktoberhälfte geschätzte Nettozuflüsse von 17,22 Milliarden Rupien. Das entsprach nach Angaben des World Gold Council rund 1,2 Tonnen Gold. Neben dem saisonalen Geschäft zeigt damit auch die Nachfrage nach börsengehandelten Anlageprodukten Bewegung.
Allerdings lässt sich das Bild nicht uneingeschränkt auf sämtliche Anlagewege übertragen. Indische Goldfonds setzten seit Freitag neue beziehungsweise zusätzliche Zeichnungen in Gold-Fund-of-Funds vorübergehend aus. Die Unterbrechung betrifft damit einen bestimmten Zugang zu Goldanlagen und ist von der Entwicklung der saisonalen Nachfrage zu unterscheiden.
Die indischen Zuflüsse stehen in einem größeren Zusammenhang: Weltweit erhöhten sich die Gold-ETF-Bestände im September um 67 Tonnen auf den Rekordwert von 4.256 Tonnen.
Damit steht der jüngsten Preisschwäche eine anhaltende Nachfrage über Anlageprodukte gegenüber. Ein Rekord bei den Fondsbeständen bedeutet allerdings nicht automatisch steigende Preise. Die heutigen Bewegungen zeigen vielmehr, dass die Erwartungen an die US-Geldpolitik weiterhin erhebliches Gewicht haben.
China zeigt die Grenzen der Nachfragestärke
Auch innerhalb des physischen Goldmarkts verlaufen die Entwicklungen unterschiedlich. Der World Gold Council meldete am Donnerstag für Chinas Großhandelsgoldnachfrage im dritten Quartal 234 Tonnen. Das waren 21 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und 44 Prozent weniger als im Zehnjahresdurchschnitt.
Als Hauptgrund nannte der Verband die anhaltend schwache Schmucknachfrage. Der saisonale Auftrieb in Indien lässt sich deshalb nicht als einheitliche Belebung der Nachfrage in allen wichtigen Absatzmärkten lesen.
Auf der anderen Seite erhöhte die People’s Bank of China ihre Goldreserven im September um 23 Tonnen. Es war der größte Monatszukauf seit Oktober 2023. Die Käufe im dritten Quartal summierten sich auf 63 Tonnen.
Zentralbankkäufe und Schmucknachfrage senden somit unterschiedliche Signale. Für Anleger ist diese Trennung entscheidend: Eine schwächere Nachfrage aus dem Schmuckgeschäft schließt zusätzliche staatliche Goldkäufe nicht aus. Ebenso wenig belegen stärkere Zentralbankkäufe eine breite Erholung des physischen Markts.
Geldpolitik bleibt der kurzfristige Prüfstein
Reuters zufolge gab Gold heute im frühen Asienhandel nach. Als Treiber nannte die Nachrichtenagentur die Zinserwartungen und den Ausblick auf die US-Geldpolitik. Höhere Zinsen können Gold als nicht verzinslichen Vermögenswert belasten.
Der nächste konkrete Termin ist die Sitzung der Federal Reserve am 27.–28. Oktober mit dem anschließenden Zinsentscheid. Bis dahin stehen die positiven Nachfragesignale aus Indien und den Goldfonds einem geldpolitischen Belastungsfaktor gegenüber. Die saisonale Belebung verbreitert die Unterstützung für Gold; für eine eindeutige Trendwende reicht sie angesichts der uneinheitlichen Nachfrage und des offenen Zinsausblicks noch nicht als Beleg.
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