Gold startet ins neue Jahr, als hätte die Rekordrally 2025 kaum eine Pause eingelegt. Nach einem historischen Anstieg von über 70 Prozent im Vorjahr hält sich der Preis deutlich über der Marke von 4.300 US‑Dollar je Unze. Getrieben wird diese Stärke von einer seltenen Kombination aus geopolitischer Eskalation, struktureller Nachfrage durch Zentralbanken und regulatorischen Veränderungen – eine Gemengelage, die den Sicherheitscharakter des Edelmetalls neu definiert.
Die Fakten im Überblick
- Jahresplus 2025: rund 73 Prozent – stärkste Gold-Performance seit 1979
- Neues Allzeithoch am 26. Dezember 2025 bei 4.562 US‑Dollar
- Schlusskurs gestern: 4.332,10 US‑Dollar, rund 3,7 Prozent unter Rekord
- 52‑Wochen-Spanne: 3.941 bis 4.562 US‑Dollar
- RSI (14 Tage) bei 57,7 – kein extremes Überkauf-Signal
- Volatilität (30 Tage, annualisiert): 17,8 Prozent
Damit bewegt sich Gold aktuell leicht über seinem 50‑Tage-Durchschnitt von 4.248 US‑Dollar und bleibt technisch in einem intakten Aufwärtstrend.
Eskalierende Konflikte stärken den „Safe Haven“
Der jüngste Aufwärtsimpuls ist klar in der geopolitischen Lage verankert. Mehrere Konfliktherde überlagern sich und erhöhen die Risikoaversion vieler Investoren.
In Osteuropa melden Russland und die Ukraine eine neue Eskalationsstufe:
- In der Region Cherson berichtet Russland von 24 Toten nach einem Drohnenangriff.
- Die Ukraine meldet ihrerseits mehr als 200 russische Drohnenangriffe auf die eigene Energieinfrastruktur.
Parallel dazu sorgen widersprüchliche Meldungen über einen angeblichen Angriff auf eine Residenz von Wladimir Putin – der von US-Geheimdiensten dementiert wird – für zusätzliches Misstrauen zwischen den Großmächten. Solche Unsicherheiten wirken oft länger nach als einzelne Kursbewegungen, weil sie das grundsätzliche Sicherheitsgefühl an den Märkten beeinträchtigen.
Hinzu kommt der Konflikt zwischen den USA und Venezuela. Verschärfte Sanktionen und eine Marineblockade dämpfen das Ölangebot und verstärken die Sorge vor Angebotsengpässen und weiteren Preisschüben bei Energie. In Summe reagieren vor allem institutionelle Anleger, indem sie ihre Portfolios stärker gegen geopolitische Schocks absichern – Gold profitiert direkt von dieser Flucht in als sicher geltende Anlagen.
Zentralbanken als stabile Nachfragebasis
Neben den kurzfristigen Nachrichtenflüssen hat sich ein zweiter, struktureller Treiber etabliert: der massive Einstieg der Zentralbanken als dauerhafte Käufer.
Im dritten Quartal 2025 wurden weltweit rund 980 Tonnen Gold von Zentralbanken und Investoren erworben. Laut aktuellen Erhebungen planen 95 Prozent der befragten Notenbanken, ihre Bestände weiter auszubauen. Besonders aktiv agieren Institute aus China, Russland und Indien, die ihre Reserven spürbar weg von US-Staatsanleihen und hin zu physischem Gold umschichten.
Dieser Strategiewechsel ist eng mit der Schwäche des US-Dollars verknüpft. Seit 2020 hat die Leitwährung rund 20 Prozent an Kaufkraft verloren, der Dollar-Index (DXY) notiert aktuell bei 98,17 Punkten. Für viele Länder ist Gold damit eine Art Versicherung gegen Währungsrisiken geworden – und diese anhaltende Nachfrage bildet ein stabiles Fundament unter dem Preis.
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Auch ETF-Anbieter verzeichnen deutlichen Zuspruch. Der Anteil von US-Gold-ETFs legte allein im dritten Quartal 2025 um 160 Prozent zu. Das signalisiert, dass nicht nur Zentralbanken, sondern auch größere institutionelle Anleger Gold verstärkt als strategischen Portfoliobaustein nutzen.
Basel III verändert die Rolle von Gold im Bankensystem
Ein weiterer, häufig unterschätzter Faktor hinter der Neubewertung des Edelmetalls ist die vollständige Umsetzung der Basel‑III-Regeln. Physisches Gold wird bankaufsichtsrechtlich nun als „Tier‑1‑Asset“ eingestuft. Für die Bilanzen der Institute hat das spürbare Folgen:
- Gold kann zu 100 Prozent seines Marktwertes angerechnet werden, statt wie bisher oft nur hälftig.
- Dadurch wird es für Banken attraktiver, physisches Gold als Bestandteil ihres Kernkapitals zu halten.
Diese Aufwertung sorgt für zusätzliche Nachfrage aus dem Finanzsektor. Die Shanghai Gold Exchange hat ihre Offshore-Tresorkapazitäten bereits erweitert, um den gestiegenen Handels- und Lieferverkehr zu bewältigen. Das unterstreicht, dass die Änderungen nicht nur theoretischer Natur sind, sondern bereits operativ in den Markt durchschlagen.
Zinsfantasie und optimistische Prognosen
Auf der Zinsseite deutet sich weitere Unterstützung für den Goldpreis an. Der Markt preist aktuell eine Wahrscheinlichkeit von gut 51 Prozent für eine Zinssenkung der US‑Notenbank Fed bis März 2026 ein. Niedrigere Leitzinsen reduzieren die Opportunitätskosten des Haltens von zinslosem Gold im Vergleich zu verzinsten Anlagen. In einem Umfeld potenziell fallender Renditen kann das Edelmetall dadurch zusätzlich an Attraktivität gewinnen.
Diese Gemengelage spiegelt sich in den Prognosen großer Häuser wider. Mehrere führende Banken haben ihre Kursziele für 2026 spürbar angehoben:
- J.P. Morgan erwartet 5.055 US‑Dollar je Unze.
- UBS sieht den Preis bei 5.000 US‑Dollar.
- Goldman Sachs kalkuliert mit 4.900 US‑Dollar bis Ende 2026.
Gemeinsam ist diesen Einschätzungen die Annahme, dass die Rally noch nicht ausgereizt ist und die Kombination aus geopolitischer Unsicherheit, struktureller Nachfrage und geldpolitischer Lockerung weiter trägt.
Technische Lage und Ausblick
Technisch betrachtet bleibt das Umfeld konstruktiv. Mit einem Schlusskurs von 4.332,10 US‑Dollar liegt Gold rund 3,7 Prozent unter dem jüngsten Allzeithoch, aber deutlich über dem 52‑Wochen-Tief bei 3.941 US‑Dollar. Der Abstand von rund 11 Prozent zu dieser Untergrenze signalisiert, dass sich der Markt klar in der oberen Handelsspanne bewegt.
Der RSI nahe 58 deutet nicht auf eine überzogene Überhitzung hin, sondern auf einen soliden, aber nicht extremen Aufwärtstrend. Der Bruch und anschließende Halt oberhalb der Marke von 4.300 US‑Dollar haben aus technischer Sicht den Weg für weitere Aufwärtsversuche geöffnet. Sollte sich die Kombination aus geopolitischem Druck, anhaltenden Zentralbankkäufen und zunehmender Zinssenkungsfantasie fortsetzen, bleibt ein Test der von vielen Instituten ausgerufenen 5.000‑US‑Dollar-Marke im laufenden Jahr ein realistisches Szenario.
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