Gold: Rätselhaftes Zögern?

Trumps Ankündigung neuer Angriffe auf Iran dreht den Goldmarkt: Der Sicherheitshafen verliert über 2%, da Inflationsängste Zinssenkungshoffnungen zunichtemachen.

Redaktion Stock-World ·
Gold Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Trump kündigt harte Schläge gegen Iran an
  • Gold dreht von Gewinn in deutliches Minus
  • Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen
  • Großbanken halten an hohen Jahreszielen fest

Vier Handelssessions in Folge hatte Gold zugelegt, getragen von der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Nahost-Krieges. Eine Primetime-Ansprache von US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Donnerstag beendete diese Erwartung schlagartig.

Trump kündigte an, die USA würden Iran in den nächsten zwei bis drei Wochen „extrem hart“ treffen. Statt Signale für einen Waffenstillstand zu liefern, versprach er weitere Angriffe – und enttäuschte damit Investoren, die auf Deeskalation gesetzt hatten. Das Ergebnis: Gold drehte von einem Tagesgewinn von bis zu 2,7 % in ein Minus von rund 2,5 % und notierte zuletzt bei rund 4.651 US-Dollar je Unze.

Warum Gold trotz Eskalation fällt

Das klingt zunächst paradox: Ein eskalierender Krieg treibt den klassischen Sicherheitshafen normalerweise nach oben. Der Mechanismus dahinter ist jedoch ein anderer. Trumps Ankündigung frischer Angriffe entfachte Inflationsängste neu – Brent-Rohöl sprang um 6 % auf über 107 US-Dollar je Barrel. Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck, was Spekulationen auf Zinssenkungen der Fed dämpft. Laut CME-Group-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Senkung im April bei 0 %.

Höhere Zinsen sind Gift für Gold, das keine laufenden Erträge abwirft. Gleichzeitig setzte sich ein Muster fort, das seit Kriegsbeginn zu beobachten ist: Investoren liquidieren Goldpositionen, um Verluste in anderen Portfolioteilen auszugleichen. Dollar und Anleiherenditen zogen an, asiatische Aktienmärkte gaben nach – Japans Nikkei verlor 1,4 %, Südkoreas Kospi sogar 2,8 %.

Großbanken bleiben trotzdem bullish

Trotz der kurzfristigen Turbulenzen halten die großen Häuser an ambitionierten Jahreszielen fest:

  • Wells Fargo: 6.100–6.300 USD je Unze
  • JPMorgan: 6.300 USD je Unze
  • UBS: 6.200 USD je Unze
  • Goldman Sachs: 5.400 USD je Unze

Die bullishen Prognosen stützen sich auf anhaltende Zentralbanknachfrage, das mittelfristige Potenzial für Fed-Zinssenkungen und erhöhte geopolitische Unsicherheit. Das Jahreshoch von 5.450 US-Dollar liegt rund 15 % über dem aktuellen Niveau – das zeigt, wie weit Gold seit dem Januar-Hoch bereits zurückgefallen ist.

Der entscheidende Faktor für das zweite Quartal bleibt die Entwicklung im Nahen Osten. Solange Trumps Eskalationsrhetorik die Energiepreise hoch und die Zinssenkungserwartungen niedrig hält, dürfte Gold seinen Aufwärtstrend nicht nachhaltig fortsetzen können.

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