Gold: Schwächstes Quartal seit Q2 2013

Gold fällt vierten Monat in Folge und notiert 28 Prozent unter dem Jahreshoch. Zinserhöhungserwartungen und nachlassende Krisenangst belasten das Edelmetall.

Eduard Altmann ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold verliert vierten Monat in Folge
  • Fed-Zinserhöhung im September wahrscheinlich
  • Nachlassende geopolitische Risikoprämie
  • Banken sehen Gold langfristig höher

Vier Monate in Folge rückläufig, fast 30 Prozent unter dem Jahreshoch — Gold erlebt gerade seinen härtesten Gegenwind seit Jahren. Heute stehen Daten an, die die Richtung weiter bestimmen könnten.

Datenflut zum Quartalsstart

Am heutigen 1. Juli veröffentlichen die USA den ADP-Beschäftigungsbericht für Juni und den ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe. Hinzu kommt eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim EZB-Forum — der wichtigste geldpolitische Auftritt vor den Nonfarm-Payrolls morgen.

Warsh gilt als restriktiver Stimme. Bekräftigt er diesen Kurs, dürften die Zinserhöhungserwartungen weiter steigen. Das wäre schlecht für Gold. Das Metall notiert bei rund 4.041 Dollar je Feinunze — rund 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 5.627 Dollar.

Der RSI liegt bei knapp 35 und signalisiert überverkaufte Bedingungen. Trotzdem fehlt bislang ein Auslöser für eine Gegenbewegung.

Zinspolitik drückt den Preis

Der makroökonomische Hintergrund ist klar ungünstig. Der Fed-Leitzins liegt seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Im Juni hob die Notenbank ihre PCE-Inflationsprognose für 2026 von 2,7 auf 3,6 Prozent an. Der neue Dot Plot signalisiert erstmals eine Zinserhöhung: Neun von 18 FOMC-Mitgliedern rechnen damit.

Das CME FedWatch Tool preist eine Zinserhöhung im September mit 61,6 Prozent ein. Der US-Dollar-Index notiert nahe einem 13-Monats-Hoch. Gold, das keine Zinsen abwirft, reagiert äußerst sensibel auf steigende Realzinsen.

Parallel dazu hat die nachlassende geopolitische Risikoprämie den Druck verstärkt. Berichte über einen Friedenspakt zwischen den USA und dem Iran reduzierten die Safe-Haven-Nachfrage spürbar. Gold verlor allein im Juni rund 11 Prozent — der vierte Monatsrückgang in Folge. Das Quartalsminus von rund 14 Prozent ist das erste seit 2024 und das stärkste seit dem zweiten Quartal 2013.

Zentralbanken kaufen — aber uneinheitlich

Strukturelle Unterstützung kommt von den Notenbanken. Die People’s Bank of China kaufte im April netto 8 Tonnen — der größte Einzelmonatszuwachs seit Dezember 2024. Ihre Goldreserven belaufen sich nun auf 2.332 Tonnen, was 9 Prozent der Gesamtreserven entspricht.

Das Bild ist allerdings nicht einheitlich. Offizielle Meldungen zeigen für das erste Quartal 2026 Nettokäufe von nur 16 Tonnen — die Türkei allein verkaufte im März 60 Tonnen. Der World Gold Council schätzt die tatsächlichen Käufe jedoch auf 244 Tonnen, wenn man OTC-Daten aus London und Handelsströme aus Schweizer Raffinerien einbezieht. Das wäre mehr als die 208 Tonnen im Vorquartal.

Banken bleiben optimistisch — vorerst

Die großen Investmentbanken halten an ihren Jahreszielen fest, obwohl der aktuelle Kurs weit darunter liegt. Goldman Sachs sieht Gold bis Ende 2026 bei 4.900 Dollar und begründet das mit der strukturellen Diversifizierung der Schwellenländer-Notenbanken — eine Folge des Einfrierens russischer Reserven 2022. J.P. Morgan nennt rund 6.000 Dollar, Wells Fargo sogar 6.100 bis 6.300 Dollar. Bank of America und UBS liegen bei 6.000 beziehungsweise 5.500 Dollar, Morgan Stanley bei 5.200 Dollar.

J.P. Morgan-Analyst Greg Shearer beschreibt die aktuelle Lage als „technisches Niemandsland“. Angesichts der Sorge, dass die Fed auf energiegetriebene Inflation mit Zinserhöhungen reagiert, stehe Gold bei den meisten Investoren „derzeit auf der Hinterbank“.

Der morgige Payrolls-Bericht für Juni wird zeigen, wohin die Reise geht. Der Marktkonsens erwartet rund 115.000 neue Stellen und eine Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Stärkere Zahlen würden die „Higher-for-Longer“-Haltung der Fed stützen — und Gold weiter belasten.

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