Gold: Tether baut auf 146 Tonnen aus
Gold steigt auf 4.671 Dollar, während Tether seine Goldbestände auf 146 Tonnen ausbaut. Institutionelle Käufe und geopolitische Risiken treiben die Nachfrage.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis steigt auf Dreimonatshoch
- Tether erhöht Goldreserven auf 146 Tonnen
- Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen Gold
- Schmucknachfrage fällt weltweit um 17 Prozent
Der Goldpreis markiert am heutigen Freitag ein Dreimonatshoch. Auslöser ist eine Ankündigung von US-Finanzminister Scott Bessent, die Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen massiv auszuweiten, um Renditen und Schuldendienst zu drücken.
Die Folge: sinkende Anleiherenditen, ein schwächerer Dollar – und ein Käuferschub bei Gold. Der Preis steigt im heutigen Handel um 2,1 Prozent auf 4.671,20 US-Dollar, nach einem Schlusskurs von 4.575,10 Dollar am Donnerstag.
Doch die Nachricht des Tages liegt woanders: Der Stablecoin-Emittent Tether hat seine physischen Goldreserven im zweiten Quartal 2026 um rund 14 Tonnen auf insgesamt 146 Tonnen ausgebaut. Der Marktwert dieser Bestände beläuft sich mittlerweile auf etwa 18,8 Milliarden US-Dollar.
Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft in der Deckung eines Dollar-Stablecoins besteht, ist das ein bemerkenswerter Schritt hin zu physischem Edelmetall als zusätzlicher Werthinterlegung.
Institutionelle Nachfrage bleibt hoch
Tether reiht sich damit in einen Trend ein, der den Goldmarkt seit Monaten prägt: die anhaltend starke Nachfrage von Institutionen abseits klassischer Notenbanken. Der World Gold Council bezifferte die globalen Zentralbankkäufe im zweiten Quartal 2026 auf 288,9 Tonnen, ein Anstieg um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Größte Käufer waren die polnische Notenbank mit einem Zukauf von 51 Tonnen und die chinesische Zentralbank mit 33 Tonnen. Nicht alle Notenbanken ziehen jedoch mit: Die russische Zentralbank verkaufte im selben Zeitraum 22 Tonnen und war damit der größte institutionelle Netto-Verkäufer.
Auch auf privater Ebene zeigt sich ungebrochenes Interesse. Die China Gold Association meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Nachfrage nach physischen Goldbarren und -münzen um 28,42 Prozent auf 339,34 Tonnen. Die industrielle Nachfrage in China sank im selben Zeitraum dagegen leicht um 2,9 Prozent auf 39,94 Tonnen.
Gegenläufig entwickelt sich die Schmucknachfrage: Sie brach laut World Gold Council im zweiten Quartal weltweit um 17 Prozent ein, mit besonders starken Rückgängen in China, Indien und Italien – eine direkte Folge des hohen Preisniveaus, das viele Konsumenten von Käufen abschreckt.
Spekulanten und Geopolitik als Preistreiber
Auch an den Terminmärkten wächst der Optimismus. Der jüngste Bericht der Aufsichtsbehörde CFTC zeigt für die Woche bis zum 11. August einen Anstieg der Netto-Long-Positionen spekulativer Anleger um 6.896 auf 137.662 Kontrakte. Spekulanten setzen also verstärkt auf weiter steigende Preise.
Hinzu kommt geopolitische Unsicherheit: Die festgefahrenen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormuz stützen laut Marktbeobachtern den Status von Gold als Krisenwährung.
Charttechnisch zeigt sich der Markt überkauft – der 14-Tage-RSI notiert bei 70,9. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 4.200,41 Dollar beträgt der Abstand elf Prozent, ein Hinweis auf die Dynamik der jüngsten Rally. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 5.586,20 Dollar aus Ende Januar fehlen dem aktuellen Kurs jedoch noch 16 Prozent.
Die Gemengelage aus geldpolitischen Eingriffen, institutionellem Diversifikationsdruck und geopolitischen Risiken hält die Nachfrage nach dem Edelmetall breit gestreut – von Zentralbanken über private Käufer in China bis hin zu Akteuren aus der Kryptowelt wie Tether.
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