Gold: Todeskreuz belastet den Kurs

Gold erholt sich leicht, bleibt aber unter Druck durch massive ETF-Abflüsse und ein bearishes Todeskreuz im Chart.

Redaktion Stock-World ·
Ein goldenes Kreuz, teilweise von dunklen Schatten verdeckt, auf einem metallischen Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Goldpreis steigt um 1,2 Prozent
  • Milliardenabflüsse aus Gold-ETFs
  • Todeskreuz signalisiert Abwärtstrend
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold

Gold zeigt sich am Donnerstag mit zwei Gesichtern. Der Kurs steigt um 1,21 Prozent auf 4.136,90 Dollar je Unze. Kurz zuvor war das Edelmetall auf 4.030 Dollar gefallen, den tiefsten Stand seit dem 2. Juli. Unter der Oberfläche brodelt es trotz der Erholung: Anleger ziehen Milliarden aus dem größten Gold-ETF ab, während Chartanalysten ein düsteres Signal sehen.

Milliarden-Abfluss trifft auf Todeskreuz

Aus dem größten Gold-ETF der Welt fließt mehr als eine Milliarde Dollar ab. Beim Silber-ETF SLV zeigt sich das Gegenteil: Hier fließt leicht Kapital zu. Anleger schichten offenbar innerhalb der Edelmetalle um, statt sich komplett von Sachwerten zu trennen.

Zusätzlich belastet ein technisches Warnsignal die Stimmung. Beim Goldpreis hat sich ein sogenanntes Todeskreuz gebildet. Chartanalysten werten dieses Muster traditionell als Hinweis auf eine mittelfristige Trendwende nach unten.

Die Kursdaten stützen dieses Bild. Gold notiert 5,46 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 4.375,62 Dollar. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand sogar 8,86 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 4,72 Prozent zu Buche.

Zentralbanken kaufen weiter

Während private ETF-Anleger vorsichtig werden, bleibt die offizielle Nachfrage robust. Chinas Zentralbank meldete für Juni den größten monatlichen Zuwachs ihrer Goldreserven seit mehr als zweieinhalb Jahren. Diese Käufe wirken als Gegenpol zu den Abflüssen bei den börsengehandelten Fonds.

Iran-Konflikt treibt Ölpreise und Inflationssorgen

Auslöser der jüngsten Verkaufswelle ist die Eskalation zwischen den USA und dem Iran. US-Präsident Donald Trump erklärte das Interims-Friedensabkommen mit Iran für beendet. Beim NATO-Gipfel in Ankara kündigte er zudem weitere Angriffe gegen den Iran an.

Die Folge: Die Ölpreise sprangen um mehr als 5 Prozent nach oben. Das schürt Sorgen, dass höhere Energiekosten die Inflation anheizen und die US-Zinsen hochhalten. Höhere Zinsen belasten Gold traditionell, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.

Die Fed-Protokolle von der Juni-Sitzung bestätigen diese Sorge. Nur wenige Entscheidungsträger plädierten für eine Zinserhöhung, doch die Inflationssorgen unter den Offiziellen wachsen. Die Märkte preisen inzwischen mindestens eine Fed-Zinserhöhung bis Ende 2026 ein.

Analysten halten an höheren Kurszielen fest

Trotz des kurzfristigen Drucks bleiben große Häuser optimistisch. JPMorgan sieht weiterhin 4.500 Dollar bis zum vierten Quartal. Goldman Sachs visiert sogar 4.900 Dollar bis Jahresende an.

Auch der World Gold Council sieht Aufwärtspotenzial. In seinem Gold Outlook 2026 skizziert der Council ein Szenario mit milder Konjunkturabkühlung und sinkenden Zinsen. In diesem Fall könnte der Preis um 5 bis 15 Prozent steigen.

Die Volatilität bleibt hoch: Auf 30-Tage-Sicht liegt sie annualisiert bei 27,19 Prozent. Der RSI von 44,6 zeigt weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Gold bewegt sich damit weiterhin im Spannungsfeld zwischen geopolitischem Risiko, Zinserwartungen und den langfristig positiven Prognosen der großen Häuser.

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