Gold: Unter 200-Tage-Linie gefallen

Gold fällt trotz Krieg und Ölpreisschock, da steigende Zinserwartungen den klassischen Krisenschutz überlagern.

Redaktion Stock-World ·
Ein einzelner, leicht angelaufener Goldbarren ruht auf einer gezackten, abfallenden Graphiklinie vor dunklem Hintergrund. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Gold unter 200-Tage-Linie gefallen
  • Starker US-Jobbericht belastet
  • Zinsängste verdrängen Krisenkäufe
  • Zentralbanken kaufen weiter Gold

Gold verliert ausgerechnet dann, wenn es gewinnen sollte. US-Militärschläge gegen den Iran, eine gesperrte Straße von Hormus — und das Edelmetall fällt trotzdem. Der Grund liegt in einem Zinsdilemma, das den klassischen Krisenschutz aushebelt.

Warum der Krieg Gold nicht stützt

Die Straße von Hormus ist gesperrt. Der Iran hat den strategisch wichtigsten Öltransitweg der Welt für jeglichen Schiffsverkehr dichtgemacht. Brent-Rohöl kletterte daraufhin auf über 95 US-Dollar je Barrel.

Genau das ist das Problem für Gold. Ein Energieschock dieser Größenordnung befeuert die Inflation. Höhere Inflation bedeutet: Die US-Notenbank kann die Zinsen nicht senken — möglicherweise muss sie sie sogar weiter anheben. Und steigende Zinsen machen Gold teuer im Halten, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft.

Der Arbeitsmarkt macht es noch schwieriger

Dazu kam ein US-Jobsbericht, der alle Erwartungen übertraf. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen — Analysten hatten rund 85.000 erwartet. Eine robuste Wirtschaft gibt der Fed noch weniger Anlass zur Lockerung.

Zinsfutures-Händler haben reagiert. Sie preisen den Leitzins zum Jahresende bei rund 3,87 Prozent ein. Institutionelle Investoren schichten entsprechend um: raus aus Gold, rein in verzinste Staatsanleihen.

Technisches Bild: Ein seltenes Signal

Der Kurs notiert aktuell um die 4.050 Dollar je Feinunze — und damit erstmals seit fast drei Jahren unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Für viele Marktteilnehmer gilt dieser Bruch als klares Verkaufssignal. Der Aufwärtstrend seit 2025 ist vorerst gebrochen.

Die Preisdaten bestätigen das Ausmaß: Seit Jahresbeginn hat Gold rund 4,6 Prozent verloren, allein in den vergangenen 30 Tagen über zwölf Prozent. Mit einem RSI von 25 ist das Metall technisch tief im überverkauften Bereich — ein Niveau, das kurzfristig Gegenbewegungen auslösen kann, aber keine Trendumkehr garantiert.

Zentralbanken kaufen — und bremsen kaum

Einen strukturellen Boden liefern die Notenbanken. Laut World Gold Council kauften Zentralbanken im April netto rund 17 Tonnen Gold. Polen erwarb 14 Tonnen, China 8 Tonnen. Die Käufe dienen der Reservediversifizierung und dem Abbau der Dollar-Abhängigkeit.

Den spekulativen Ausverkauf an den Terminbörsen konnten sie nicht stoppen. Physische Nachfrage und Futures-Druck spielen in unterschiedlichen Zeitrahmen.

Eine technische Entspannung wäre erst oberhalb von 4.100 Dollar denkbar — der Marke, die Gold gerade verloren hat.

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