Gold: USA-Verschuldung überschreitet 40 Billionen

Rekordschulden und geopolitische Spannungen treiben Anleger in Gold. ETF-Zuflüsse erreichen Zehnmonatshoch, während Zentralbanken ihre Käufe ausweiten.

Dieter Jaworski ·
Goldbarren auf einem Holztisch in einem Büro mit gedimmtem, natürlichem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • US-Schulden erreichen 40 Billionen Dollar
  • Gold-ETFs verzeichnen Rekordzuflüsse
  • Zentralbanken erhöhen Goldreserven
  • Fed-Rede und PCE-Daten im Blick

Die Verschuldung der USA hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Dieser fiskalische Meilenstein rückt Gold als sicheren Hafen neu in den Fokus institutioneller Anleger und erklärt, warum das Edelmetall trotz eines bereits kräftigen Anstiegs weiter gefragt bleibt.

Der Goldpreis schloss am Dienstag bei 4.658,41 US-Dollar je Feinunze, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,0 Prozent zu Buche, in den vergangenen 30 Tagen hat sich der Preis um 14 Prozent verteuert. Zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar aus Ende Januar fehlen dem Metall derzeit 17 Prozent.

Bessent drückt Renditen, Sanktionen belasten Iran-Partner

US-Finanzminister Scott Bessent kündigte am Montag eine Verdopplung der Liquiditätskäufe für zehn- bis dreißigjährige Staatsanleihen an. Das Ziel: die Renditen am langen Ende drücken und die Zinslast auf die wachsende Schuldenlast begrenzen.

Parallel verschärfte die US-Regierung die Sanktionen gegen Handelspartner des Iran im Zuge der Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran. Beide Maßnahmen fallen zusammen mit der Überschreitung der 40-Billionen-Dollar-Schwelle bei der Staatsverschuldung – ein Zusammenspiel, das Investoren zunehmend nervös macht.

Swissquote-Analystin Ipek Ozkardeskaya bewertet Gold in diesem Umfeld als essenzielle Absicherung gegen unklare US-Fiskalpläne und eine mögliche Beschneidung der Unabhängigkeit der Notenbank Fed. Diese Sorge um die Fed-Unabhängigkeit gewinnt zusätzliche Brisanz durch die laufende Notenbankkonferenz in Jackson Hole, wo der neue Fed-Chef Kevin Warsh seine erste Grundsatzrede hält.

Kapital fließt in Rekordtempo in ETFs

Goldgedeckte ETFs verzeichneten in der vergangenen Woche Zuflüsse von 46,7 Tonnen, umgerechnet rund 6,4 Milliarden Dollar – die stärkste Wochenbilanz seit zehn Monaten. Diese Kapitalströme unterstreichen, dass die aktuelle Nachfrage nicht nur von Zentralbanken, sondern zunehmend auch von privaten und institutionellen Investoren getragen wird.

Für strukturellen Rückenwind sorgt zudem die Nachfrageseite der Zentralbanken selbst. Der World Gold Council wies für das zweite Quartal 2026 Nettokäufe von 289 Tonnen aus – ein Rekordwert für ein zweites Quartal. Allerdings wurden die Daten für das erste Quartal 2026 deutlich von 244 auf 57 Tonnen nach unten revidiert, was die Schwankungsbreite der offiziellen Reservekäufe verdeutlicht.

Eine Umfrage des World Gold Council unter Zentralbankmanagern ergab zudem, dass 89 Prozent mit steigenden globalen Goldreserven rechnen und 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände binnen zwölf Monaten aufzustocken.

Ausblick: Warsh-Rede und Inflationsdaten im Fokus

Kurzfristig richtet sich der Blick der Marktteilnehmer auf zwei Termine: die Veröffentlichung des US-PCE-Preisindex, dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed, am Donnerstag sowie die Rede von Kevin Warsh in Jackson Hole. Beide Ereignisse dürften Hinweise liefern, wie die Notenbank künftig mit der Spannung zwischen Fiskalpolitik und Preisstabilität umgeht.

HSBC-Chef-Edelmetallanalyst James Steel sieht den Trend für Gold weiterhin positiv, warnt aber vor kurzfristigen Ölpreisschocks durch die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Mit einem RSI von 75,2 gilt Gold zwar technisch als überkauft, doch die Kombination aus Fiskalsorgen, geopolitischer Eskalation und strukturellen Zentralbankkäufen liefert dem Markt weiterhin fundamentale Unterstützung für die laufende Rallye.

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