Gold: Wahlsieg der Demokraten dreht den Trend
Schwächerer Dollar und sinkende US-Anleiherenditen stützen Gold; der Arbeitsmarktbericht könnte die weitere Entwicklung beeinflussen.

Kurz zusammengefasst
- Gold erzielt stärksten Tagesgewinn seit August
- Spotpreis steigt knapp zwei Prozent
- Ölpreis fällt unter 100 Dollar
- US-Arbeitsmarktbericht folgt am Freitag
Die US-Zwischenwahlen haben dem Goldpreis den stärksten Tagesgewinn seit Mitte August beschert. Das Edelmetall profitiert von einem schwächeren Dollar und fallenden Anleiherenditen. Ob die Erholung trägt, hängt auch an einem Datenpunkt am Freitag.
Politik bewegt Dollar und Renditen
Die Demokraten haben die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernommen. Der Markt reagierte überrascht: Der Dollar geriet zu nahezu allen wichtigen Währungen unter Druck, die Renditen von US-Staatsanleihen sanken über alle Laufzeiten hinweg.
Für Gold ist das eine günstige Konstellation. Das Metall wirft keine Zinsen ab, niedrigere Renditen verringern also die Opportunitätskosten. Ein schwächerer Dollar macht Barren zudem für Käufer außerhalb des Dollarraums günstiger.
Am Donnerstagmorgen kletterte der Dezember-Future auf rund 4.137 Dollar je Feinunze. Spotgold lag zeitweise bei gut 4.130 Dollar, ein Plus von knapp zwei Prozent. Silber legte etwas stärker zu und notierte bei gut 53 Dollar.
Die Rally beginnt allerdings von einem tiefen Niveau aus. Gold liegt nach wie vor mehr als 20 Prozent unter dem Stand vor Ausbruch des US-Iran-Kriegs Ende Februar. Der Konflikt hatte Energiepreise und Inflation getrieben und eine straffere Geldpolitik ausgelöst, was dem zinslosen Metall zusetzte.
Ölpreis entlastet, Fiskalpolitik als Risiko
Parallel dazu geben die Ölpreise nach. Brent fiel unter die Marke von 100 Dollar, zuletzt notierte die Sorte bei rund 94 Dollar. US-Präsident Donald Trump relativierte nach der Wahlniederlage die Aussicht auf neue Militärschläge gegen Iran. Sinkt der Inflationsdruck, werden weitere Zinserhöhungen weniger wahrscheinlich. Das wäre ein zusätzlicher Rückenwind.
Die ANZ-Analysten mahnen jedoch zur Vorsicht. Staatliche Verschuldung war im vergangenen Jahr eine wichtige Stütze des Goldpreises. Begrenzt der neue Kongress Trumps Steuersenkungs- und Ausgabenpläne, könnte das einen Pfeiler der langfristigen Nachfrage schwächen.
In Europa bleibt der Zinsdruck derweil hoch. Die Inflation im Euroraum stieg im Oktober auf 4,0 Prozent, Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält eine Zinserhöhung im Dezember für sehr wahrscheinlich notwendig. Der Euro legte gegenüber dem Dollar deutlich zu.
Arbeitsmarktbericht als nächster Test
Am Freitag erscheint der US-Arbeitsmarktbericht. Er soll Hinweise auf den Kurs der Federal Reserve liefern. Deuten die Daten auf nachlassenden Inflationsdruck, gewinnt die Notenbank Spielraum für Lockerungen, was Gold weiter stützen dürfte. Schon am Donnerstagnachmittag stehen um 14.30 Uhr die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an. Erwartet wird ein minimaler Anstieg von 194.000 auf 196.000.
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