Gold: Waller-Signal stabilisiert Kurs
Gold bleibt trotz jüngster Erholung unter dem 52-Wochen-Hoch, während Zentralbanken ihre Bestände ausbauen und Inflationsdaten bevorstehen.
Kurz zusammengefasst
- Goldpreis bleibt 21 Prozent unter Jahreshoch
- Anleiheverkauf verursachte scharfen Kursrückgang
- Chinas Goldreserven erreichen 2.377,5 Tonnen
- Zentralbanken erwarten weltweit höhere Bestände
Nach einem heftigen Rücksetzer zum Wochenstart hat sich Gold zum Ende der Woche stabilisiert. Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte am Freitag Unterstützung für ein unverändertes Zinsniveau im September, woraufhin die Markterwartungen für eine Zinserhöhung von rund 63 Prozent auf etwa 50 Prozent sanken. Gold notierte daraufhin um 4.500 Dollar je Feinunze.
Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 4.430,09 Dollar, ein Minus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit bleibt der Goldpreis auch nach der jüngsten Erholung deutlich unter seinem Rekordniveau vom Jahresanfang: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5.598,58 Dollar beträgt 21 Prozent.
Anleiheverkauf löste scharfen Rücksetzer aus
Der Auslöser der jüngsten Turbulenzen lag bereits einige Tage zurück. Am 1. September fiel Gold um 2,86 Prozent auf 4.325 Dollar, Silber gab um 3,73 Prozent auf 64,13 Dollar nach. Ursache war ein globaler Anleiheverkauf, der die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf rund 4,79 Prozent trieb.
Fed-Chef Warsh hatte zuvor mit Kommentaren die Zinserhöhungserwartungen kurzzeitig auf rund 70 Prozent nach oben getrieben, bevor Wallers Äußerungen tags darauf für Entspannung sorgten.
Diese Gegenbewegung erklärt auch die Kursreaktion vom Freitag: Trotz des Tagesminus von einem Prozent notiert Gold über 30 Tage betrachtet immer noch mit einem Plus von 4,3 Prozent – ein Beleg dafür, dass die Erholung von den Wochenanfangs-Tiefs bislang trägt.
Zentralbanken bleiben strukturelle Käufer
Während kurzfristig geldpolitische Signale den Ton angeben, bleibt die Nachfrage der Zentralbanken ein tragender Pfeiler des Goldmarkts. Chinas Zentralbank kaufte im Juli weitere 20 Tonnen Gold und erreichte damit einen Rekordbestand von 2.377,5 Tonnen – insgesamt 60 Tonnen im laufenden Jahr. Polens Zentralbank stockte ihre Reserven um 82 Tonnen auf 632 Tonnen auf.
Der World Gold Council befragte im Rahmen seines „Central Bank Gold Reserves Survey 2026″ zwischen Februar und Mai insgesamt 76 Zentralbanken. Demnach erwarten 89 Prozent der Institute einen Anstieg der globalen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten, wenngleich dieser Wert gegenüber dem Vorjahr von 95 Prozent gesunken ist. 45 Prozent der Befragten rechnen zudem mit einem Anstieg ihrer eigenen Bestände – ein Rekordwert.
Diese strukturelle Nachfrage spiegelt sich auch in den Jahreszahlen 2025: Mit einer Gesamtnachfrage von 5.002,3 Tonnen übertraf der Markt das bisherige Rekordjahr 2024 – das fünfte Jahr in Folge mit Zuwachs. Erstmals überstieg dabei der Investmentsektor mit 2.175,3 Tonnen die Schmucknachfrage von 1.638,0 Tonnen, während Zentralbanken 863,3 Tonnen erwarben.
Richtungsgeber der kommenden Woche
Für die kurzfristige Richtung bleiben geldpolitische Daten entscheidend. Nach dem Freitags-Arbeitsmarktbericht richtet sich der Blick nun auf die Inflationsdaten der kommenden Woche sowie die September-Sitzung der Federal Reserve. Beide Termine dürften darüber entscheiden, ob die durch Wallers Äußerungen ausgelöste Stabilisierung Bestand hat oder der Markt erneut in die Volatilität der vergangenen Tage zurückfällt.
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