Gold: World Gold Council meldet 288,9 Tonnen

Gold erreicht dank Anleiherückkäufen und starker Zentralbankkäufe ein Zweimonatshoch. Geopolitische Risiken und Inflationssorgen stützen den Preis zusätzlich.

Dieter Jaworski ·
Nahaufnahme von gestapelten Goldbarren auf einer dunklen, strukturierten Oberfläche. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Zweimonatshoch bei 4.525 Dollar
  • Zentralbanken kaufen massiv Gold
  • US-Anleiherückkäufe stützen Edelmetall
  • Geopolitische Spannungen treiben Nachfrage

Der Goldpreis profitiert von einer ungewöhnlichen Kombination: Während die US-Notenbank Fed ihre Zinssignale bewusst zurückhält, greift das US-Finanzministerium selbst in den Anleihemarkt ein.

Am Mittwoch verdoppelte die Behörde ihr Rückkaufprogramm für zehn-, zwanzig- und dreißigjährige Staatsanleihen mindestens – mit dem erklärten Ziel, die Renditen am langen Ende der Zinskurve zu drücken. Für Gold als zinsloses Anlageobjekt ist das ein direkter Rückenwind, denn sinkende Realrenditen erhöhen seine relative Attraktivität.

Der Kurs reagierte prompt: Am Mittwoch erreichte Gold ein Zweimonatshoch von 4.525 US-Dollar, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Zuletzt notierte das Edelmetall bei 4.567,90 US-Dollar, ein Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 3,1 Prozent zu Buche, über 30 Tage sogar von 10 Prozent – ein Tempo, das die jüngste Konsolidierung nach dem Rekordhoch vom Jahresanfang klar überwiegt.

Strukturelle Nachfrage bleibt der Unterbau

Die Rückkauf-Entscheidung trifft auf einen Markt, der ohnehin von struktureller Nachfrage getragen wird. Nach Angaben des World Gold Council kauften Zentralbanken im zweiten Quartal netto 288,9 Tonnen Gold – ein Anstieg von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der stärkste zweite Quartal in der Datenreihe des Councils überhaupt.

Polen führte mit 51 Tonnen, die People’s Bank of China stockte ihre Bestände den 21. Monat in Folge auf, zuletzt um 33 Tonnen – der größte Einzelquartalskauf seit Ende 2023. Für das erste Halbjahr summiert sich der Zukauf der Notenbanken auf 345 Tonnen, nach nur 57 Tonnen im ersten Quartal.

Diese Entwicklung ist mehr als eine Randnotiz: Laut der Umfrage des World Gold Council unter Reserveverwaltern erwarten 89 Prozent steigende globale Zentralbank-Goldreserven, ein Rekordwert von 45 Prozent rechnet sogar mit einem Anstieg in der eigenen Institution.

Auch bei Gold-ETFs zeigte sich zuletzt Kaufinteresse: Allein am 7. August verzeichnete der SPDR Gold Trust Nettozuflüsse von 637 Millionen US-Dollar, auch wenn das zweite Quartal insgesamt noch von Abflüssen aus Nordamerika geprägt war.

Auf der Nachfrageseite zeigt sich ein gemischtes Bild abseits der Notenbanken: Die Schmucknachfrage fiel im zweiten Quartal auf 278 Tonnen, ein Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der niedrigste Stand seit der Corona-Pandemie – ein Zeichen dafür, dass hohe Preise private Käufer abschrecken. Die Industrienachfrage stieg dagegen leicht um 2 Prozent auf 80,4 Tonnen, getrieben von der Nachfrage nach KI-Halbleitern.

Geopolitik als zusätzlicher Faktor

Parallel zur Geldpolitik sorgt die Lage im Nahen Osten für Unsicherheit. Das 60-Tage-Abkommen zwischen den USA und Iran lief am Mittwoch ohne Anschlussvereinbarung aus, zudem wurden Schiffe in der Straße von Hormus angegriffen. Die Ölpreise reagierten mit Anstiegen, was zusätzliche Inflationsrisiken schürt – ein Umfeld, das klassischerweise Gold als Absicherung begünstigt.

Charttechnisch gilt die Marke von 4.550 US-Dollar als Widerstand, das Allzeithoch bei 5.598 US-Dollar bleibt in weiterer Ferne. Nach unten dienen 4.098 und 3.942 US-Dollar als Unterstützungen. Mit einem 14-Tage-RSI von 66,6 nähert sich das Edelmetall überkauftem Terrain, was kurzfristige Rücksetzer nicht ausschließt.

Richtungsweisend dürften nun der US-Verbraucherpreisindex für August am 10. September sowie die Fed-Sitzung am 15. und 16. September werden, bei der auch die Wirtschaftsprojektionen des Offenmarktausschusses veröffentlicht werden.

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