Gold: Zentralbanken kaufen 244 Tonnen im Q1

Notenbanken stocken ihre Goldreserven im ersten Quartal 2026 massiv auf, während der Markt auf den US-Zinsentscheid wartet.

Redaktion Stock-World ·
Ein Stapel glänzender Goldbarren in einem Tresorraum als Symbol für die Goldkäufe der Zentralbanken. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Stärkster Goldkauf der Notenbanken seit Jahren
  • China verlängert Einkaufsserie auf 19 Monate
  • Fed-Entscheidung prägt kurzfristige Preiserwartungen
  • Geopolitische Spannungen stützen die Nachfrage

Der Goldpreis schwankt kräftig, während Anleger auf die Fed-Entscheidung am Nachmittag warten. Zentralbanken kaufen trotz der Unsicherheit unbeirrt weiter – so viel wie seit über einem Jahr nicht mehr. Zwei Nachfragegruppen bewegen sich damit in entgegengesetzte Richtungen: Das prägt den Goldmarkt an diesem Mittwoch.

Am Mittwoch notiert Gold bei 4.087,90 Dollar je Feinunze, ein Plus von 1,47 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss. Vom Rekordhoch aus dem Januar trennen das Edelmetall aber noch immer rund 27 Prozent. Der RSI von 48 zeigt einen neutralen Markt – weder überkauft noch überverkauft.

Notenbanken bauen Reserven aus – unbeeindruckt von Zinssignalen

Während westliche Anleger über Gold-ETFs Bestände abbauen, kaufen Zentralbanken unbeirrt weiter. Im ersten Quartal 2026 erwarben sie netto rund 244 Tonnen Gold. Das ist das stärkste Quartal seit über einem Jahr und liegt über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Besonders auffällig: Die chinesische Zentralbank hat ihre Kaufserie inzwischen auf 19 aufeinanderfolgende Monate ausgedehnt. Diese Käufer orientieren sich nicht an FedWatch-Wahrscheinlichkeiten. Sie verfolgen stattdessen eine langfristige Strategie zur Reservediversifizierung.

Willem Middelkoop, Gründer des Commodity Discovery Fund, sieht darin ein klares Muster. Seiner Einschätzung nach nutzt China gezielt die aktuelle Preisschwäche, um seine Goldbestände günstiger aufzustocken.

Nahost-Spannungen und steigende Zinsen belasten kurzfristig

Erneute militärische Spannungen im Nahen Osten sorgen für zusätzliche Nervosität. Das US-Militär teilte mit, es habe einen iranischen Angriff auf US-Truppen in der Region erfolgreich abgefangen. Der Konflikt wirkt auf Gold in zwei Richtungen zugleich.

Hohe Ölpreise erhöhen die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen in diesem Jahr. Das belastet Gold, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft. Geopolitische Unsicherheit treibt Anleger andererseits in Richtung sicherer Häfen wie Gold.

Am Rentenmarkt zeigt sich die gestiegene Unsicherheit bereits deutlich. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am Dienstag mit 4,66 Prozent, nach 4,58 Prozent in der Vorwoche. Steigende Anleiherenditen erhöhen für Anleger die Opportunitätskosten, Gold zu halten.

Fed-Entscheidung als kurzfristiger Taktgeber

Am Nachmittag entscheidet die US-Notenbank über die Leitzinsen – der Termin dürfte die Richtung für die kommenden Handelstage vorgeben. Laut FedWatch-Tool rechnen Marktteilnehmer mit 68 Prozent Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen. Die Chance auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte liegt bei 32 Prozent.

Für die Septembersitzung sind die Erwartungen bereits deutlich restriktiver. Der Markt preist inzwischen mit 77 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung ein. Bleiben klare Signale für eine straffere Geldpolitik heute aus, könnte das dem Goldpreis kurzfristig Auftrieb geben.

Die strukturelle Nachfrage der Notenbanken bleibt dabei der Faktor im Hintergrund. Sie stützt den Goldpreis unabhängig vom tagesaktuellen Zinsgeschehen – ein Nachfragesockel, den kurzfristige Fed-Entscheidungen kaum erschüttern.

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