Gold: Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen

Zentralbanken stocken Goldreserven massiv auf, ETF-Zuflüsse beschleunigen sich. Analysten sehen den Preis dank fiskalischer Risiken weiter steigen.

Redaktion Stock-World ·
Mehrere glänzende Goldbarren auf einer dunklen Holzoberfläche in einem Tresorraum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Zentralbanken kaufen 288,9 Tonnen Gold
  • ETF-Zuflüsse verdoppeln sich im August
  • Goldpreis steigt um 13 Prozent in 30 Tagen
  • Morgan Stanley erhöht Prognose auf 5.000 Dollar

Die offizielle Nachfrage nach Gold hat im zweiten Quartal 2026 kräftig zugelegt. Nach Daten des World Gold Council kauften Zentralbanken weltweit 288,9 Tonnen und damit deutlich mehr als im Vorjahresquartal. Angeführt wurde der Kauftrend von Polen mit 51 Tonnen und China mit 33 Tonnen.

Die Zahl markiert eine klare Erholung gegenüber dem schwachen Jahresauftakt: Für das erste Quartal 2026 hatte der Verband seine Schätzung zuvor drastisch von 244 auf nur noch 57 Tonnen nach unten revidiert – der schwächste Jahresstart seit 2011.

ETF-Anleger springen wieder auf

Parallel zur offiziellen Nachfrage beschleunigt sich auch das Interesse privater und institutioneller Anleger. Laut World Gold Council flossen in der ersten Augusthälfte über 46 Tonnen netto in globale Gold-ETFs – deutlich mehr als die 23,5 Tonnen, die im gesamten Juli verzeichnet wurden.

Die Beschleunigung fällt in eine Phase, in der Gold seine Funktion als sicherer Hafen nach den Abverkäufen im Zuge des Iran-Kriegs im Juni zurückgewonnen hat. Allein im August legte der Preis nach Angaben von Marktbeobachtern um rund 9 Prozent zu.

Fiskalpolitik als Treiber

Befeuert wird die Nachfrage auch durch geldpolitische Weichenstellungen in Washington. Das US-Finanzministerium hatte bestätigt, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen ab September auf 4 Milliarden Dollar je Operation zu verdoppeln, um die Kreditkosten in der Volkswirtschaft zu senken.

Citigroup und Wells Fargo verwiesen in ihren Marktkommentaren zuletzt auf eine „Debasement-Strategie“ der US-Regierung als zentrales Argument für Gold als Absicherung gegen fiskalische Risiken.

Der Goldpreis schloss am Freitag bei 4.661,60 Dollar, ein Plus von 1,9 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 13 Prozent – ein Tempo, das die aktuelle Nachfragedynamik von Zentralbanken und ETF-Investoren widerspiegelt.

Minenbetreiber profitieren von höheren Preisen

Die Preisrally hat auch Folgen für Förderunternehmen. Der Bergbaukonzern Tesoro Gold teilte mit, dass seine Wirtschaftlichkeitsstudien für das El-Zorro-Projekt auf einem Goldpreis von 2.750 Dollar basieren – der aktuelle Marktpreis liegt damit rund 60 Prozent über den ursprünglichen Annahmen des Unternehmens.

Solche Kalkulationen zeigen, wie stark die jüngste Preisentwicklung die Wirtschaftlichkeit von Minenprojekten verbessert, die noch vor der Rally geplant wurden.

Charttechnisch gilt die Zone um 4.373 Dollar als erste Unterstützung, die Marke von 4.000 Dollar als zentraler Support für den laufenden Aufwärtstrend.

Morgan Stanley hob am Freitag seine Preisprognose für 2027 auf über 5.000 Dollar an, nachdem das bisherige Kursziel von 4.450 Dollar für das vierte Quartal 2026 bereits vorzeitig erreicht wurde. Die Bank begründet dies mit der anhaltend robusten Nachfrage von Zentralbanken und institutionellen Investoren, die sich in den jüngsten WGC-Daten widerspiegelt.

Insgesamt zeichnet sich damit ein Bild ab, in dem strukturelle Käufer – Notenbanken ebenso wie ETF-Anleger – die Preisentwicklung stützen, während fiskalpolitische Unsicherheit in den USA zusätzlichen Rückenwind liefert.

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