Gold: Zentralbankkäufe steigen im Q2 um 62,4 Prozent
Starke US-Arbeitsmarktdaten belasten den Goldpreis, während Zentralbankkäufe und mögliche Angebotsrisiken den Markt langfristig prägen.

Kurz zusammengefasst
- Goldpreis verliert am Freitag ein Prozent
- Notenbankkäufe sinken auf rund 130 Tonnen
- Zweites Quartal bringt deutlich mehr Käufe
- Streikrisiko belastet Sibanye-Stillwater-Produktion
Der Goldpreis geriet am Freitag deutlich unter Druck und fiel um 1,0 % auf 4.430,09 US-Dollar je Feinunze. Auslöser waren stärker als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktdaten, die den Dollar stützten und die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik der Fed nährten. Über sieben Tage steht damit ein Minus von 0,5 % zu Buche, während sich der Blick der Anleger zunehmend auf strukturelle Nachfrage abseits kurzfristiger Zinsspekulation richtet.
Denn während der Tagescharts von geldpolitischen Nachrichten getrieben wird, zeichnet sich auf Jahressicht ein anderes Bild ab: Zentralbanken bleiben verlässliche Käufer des Edelmetalls, wenn auch mit nachlassendem Tempo. Der World Gold Council bezifferte die Käufe der Notenbanken auf Jahresbasis mit rund 130 Tonnen – gegenüber etwa 160 Tonnen im Vorjahreszeitraum ein spürbarer Rückgang, aber immer noch ein solides Fundament unter dem Markt.
Schwellenländer treiben die Nachfrage
Besonders aktiv zeigten sich zuletzt Schwellenländer. China kaufte 20 Tonnen, Polen 8 Tonnen – ein Muster, das sich durch das gesamte Jahr zieht. Bereits im Mai hatten Polen mit 18 Tonnen, China mit 10 Tonnen sowie Usbekistan und Kasachstan mit 9 beziehungsweise 7 Tonnen für einen Nettozuwachs der offiziellen Reserven von 41 Tonnen gesorgt.
Im zweiten Quartal 2026 erreichten die Zentralbankkäufe laut World Gold Council sogar 288,9 Tonnen – ein Plus von 62,4 % gegenüber den 177,9 Tonnen aus dem Vorjahresquartal.
Diese Diskrepanz zwischen einem starken zweiten Quartal und einem schwächeren Jahresverlauf verdeutlicht, wie volatil das Käuferverhalten der Notenbanken sein kann.
Dennoch bleibt der langfristige Trend intakt: In einer Umfrage des World Gold Council unter 76 Zentralbanken, durchgeführt zwischen 5. Februar und 19. Mai 2026, erwarteten 89 % der teilnehmenden Institutionen, dass die globalen Goldreserven der Notenbanken binnen zwölf Monaten weiter steigen werden. Diese strukturelle Nachfrage bildet einen Gegenpol zu den kurzfristigen Verkaufswellen, die geldpolitische Nachrichten regelmäßig auslösen.
ETF-Anleger uneinheitlich positioniert
Ein gemischtes Bild liefern die börsengehandelten Fonds. Der größte Gold-ETF verzeichnete zum 2. September die siebte Woche in Folge Zuflüsse und hielt zuletzt rund 1.057 Tonnen Gold – ein Zeichen, dass institutionelle Anleger trotz der jüngsten Kursschwäche an ihren Positionen festhalten oder sogar aufstocken.
Gleichzeitig meldete der World Gold Council für das zweite Quartal Abflüsse aus goldgedeckten ETFs von 45 Tonnen, und die Handelsvolumina in Gold-ETFs sanken im Juli um 29,1 % gegenüber dem Vormonat auf durchschnittlich 5 Milliarden US-Dollar täglich.
Auf der Angebotsseite zeichnen sich derweil Risiken ab. Bei Sibanye-Stillwater droht ein Streik von rund 750 Arbeitern die Produktion an der Stillwater-East-Mine und den Verarbeitungsanlagen in Columbus zu beeinträchtigen.
Die betroffenen Standorte trugen in den ersten sechs Monaten des Jahres mit 76.334 der insgesamt 137.930 geförderten Unzen rund 55 % zur Produktion bei. S&P Global rechnet zudem damit, dass das weltweite Goldangebot 2026 mit 110 Millionen Unzen seinen Höhepunkt erreicht, bevor es bis 2028 auf 103 Millionen Unzen zurückgeht.
Für Anleger bleibt der Goldpreis damit ein Spannungsfeld zwischen kurzfristigem Zinsdruck und langfristig solider Nachfrage aus dem Zentralbanksektor. Mit einem Abstand von 4,4 % über dem 50-Tage-Durchschnitt und einem Rückstand von 2,2 % zum 200-Tage-Durchschnitt notiert der Kurs derzeit in einer technisch neutralen Zone, die weder eindeutigen Aufwärtstrend noch nachhaltige Schwäche signalisiert.
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