Gold: Zinsdruck bremst Krisenrallye

Starker US-Dollar und veränderte Zinssenkungserwartungen drücken den Goldpreis deutlich, obwohl Ölpreise durch Konflikte steigen. Die Marke von 5.000 Dollar je Unze steht unter Druck.

Felix Baarz ·
Goldpreis LBMA Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold verliert trotz Nahost-Konflikt an Wert
  • Starker Dollar und höhere US-Renditen belasten
  • Markt revidiert Erwartungen für Fed-Zinssenkungen
  • Psychologische Unterstützung bei 5.000 Dollar gefährdet

Der Goldpreis hat heute trotz eskalierender Spannungen im Nahen Osten deutlich nachgegeben. Statt der erwarteten Flucht in sichere Häfen drückte ein starker US-Dollar kombiniert mit radikal veränderten Zinssenkungserwartungen den Preis um rund 2 Prozent auf etwa 5.023 Dollar je Unze — der zweite Wochenverlust in Folge.

Warum der Dollar Gold ausbremst

Normalerweise treibt ein Konflikt wie die US-Operation gegen den Iran die Goldnachfrage in die Höhe. Diesmal überlagert jedoch ein anderes Thema die Geopolitik: der US-Dollar. Der Dollar-Index DXY kletterte heute auf 100,43 — ein 10-Monats-Hoch — und macht Gold für internationale Käufer schlicht teurer.

Gleichzeitig haben Händler ihre Erwartungen an Zinssenkungen der US-Notenbank Fed drastisch zurückgeschraubt. Statt der zuvor eingepreisten 50 Basispunkte rechnen Märkte nun nur noch mit 20 bis 24 Basispunkten an Lockerung für den Rest des Jahres. Der Grund: Das US-BIP für das vierte Quartal 2025 wurde auf magere 0,7 Prozent nach unten revidiert, während die Kerninflation (PCE) mit 3,1 Prozent hartnäckig hoch bleibt. Dieses Stagflationssignal trieb die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,286 Prozent — und erhöht damit den Opportunitätskostendes zinslosen Goldes.

Technisch unter Druck

Intraday testete Gold zunächst die Marke von 5.132 Dollar, bevor Verkaufsdruck einsetzte und den Preis bis auf 5.014 Dollar drückte. Die psychologisch wichtige Unterstützung bei 5.000 Dollar steht nun im Fokus. Hält diese Marke nicht, rückt der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.925 Dollar als nächste Auffanglinie ins Blickfeld.

Institutionelle Anleger haben heute sichtbar rotiert: ETFs mit Bezug zum LBMA-Goldpreis verzeichneten die ersten Nettoabflüsse seit drei Wochen, während Options-Händler verstärkt Put-Optionen auf den Strike bei 4.950 Dollar kauften — ein Zeichen, dass professionelle Marktteilnehmer eine tiefere Korrektur absichern.

Bemerkenswert ist die Entkopplung von Gold und Öl: Brent Crude legte heute fast 10 Prozent auf über 100 Dollar zu, getrieben von Angriffen auf iranische Tanker. Gold folgte dieser Bewegung nicht — ein klares Signal, dass Zinsen und Dollar derzeit stärker wirken als geopolitische Risiken.

Ob die 5.000-Dollar-Marke hält, entscheidet sich maßgeblich an der weiteren Entwicklung der US-Renditen. Sollte die Zehnjahresrendite in Richtung 4,35 Prozent steigen, dürfte der Druck auf Gold anhalten. Eine weitere Eskalation im Konflikt um die Straße von Hormus könnte das Bild dagegen schnell drehen.

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