Gold: Zinswetten drücken auf Kurs

Der Goldpreis fällt unter 4.450 Dollar, während höhere Fed-Zinserwartungen belasten. Öl, Iran-Spannungen und Charttechnik prägen den Ausblick.

Dr. Robert Sasse ·
Gold Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Gold erreicht Zweiwochentief unter 4.450 Dollar
  • Fed-Zinserhöhung im September wahrscheinlicher
  • Ölpreise steigen nach US-Iran-Angriff
  • Technische Signale bleiben überwiegend negativ

Der Goldpreis gerät zum Wochenstart unter Druck. Der Dezember-Future fiel am Montagmorgen auf ein fast zweiwöchiges Tief und rutschte unter die Marke von 4.450 Dollar pro Feinunze. Bereits am Freitag hatte das Edelmetall mit über drei Prozent den stärksten Tagesverlust seit Anfang Juni verzeichnet.

Auslöser der Schwäche sind steigende Wetten auf eine Fed-Zinserhöhung im September. Das FedWatch-Tool der CME Group zeigt inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte Mitte September — vor einer Woche lag der Wert noch bei 41 Prozent.

Fed-Chef Warsh hatte das Inflationsziel von zwei Prozent zuletzt als verbindlich und unveränderlich bezeichnet, was die restriktiven Erwartungen an die Notenbank zusätzlich befeuert.

Öl und Iran-Spannungen als Gegenspieler

Paradoxerweise bremst ausgerechnet die geopolitische Lage den Absturz. Das US-Militär griff am Sonntag iranische Raketenabschussvorrichtungen an — die erste amerikanische Militäraktion gegen den Iran seit über einem Monat. Die Ölpreise reagierten mit einem Sprung von mehr als zwei Prozent, WTI und Brent zogen deutlich an.

Steigende Ölpreise schüren Inflationsängste und stützen damit paradoxerweise die restriktive Fed-Erwartung, die eigentlich gegen Gold spricht. Gleichzeitig tut sich der Dollar schwer, von der Situation zu profitieren — die Schwäche der US-Währung bremst die Verkäufe im Gold etwas ab. Am Montagmorgen konnte sich der Preis von seinen Tagestiefs unter 4.400 Dollar wieder etwas erholen, ist damit aber noch nicht über den Berg.

Charttechnik zeigt Warnsignale

Auf dem 5-Stunden-Chart hat sich ein Doppel-Top nahe dem Allzeithoch gebildet, das einen scharfen Rückgang ausgelöst hat. Der MACD zeigt eine bärische Überkreuzung, der SuperTrend-Indikator ist auf Verkaufssignal gedreht.

Die entscheidende Marke liegt beim 38,2-Prozent-Fibonacci-Level bei 4.449,55 Dollar — ein Bruch darunter könnte den Weg zur 200-Tage-Linie bei rund 4.273 Dollar öffnen, tiefer sogar zur historischen Unterstützung bei 4.150 Dollar.

Der 5-Stunden-RSI notiert bei 29 und damit tief im überverkauften Bereich, was kurzfristig eine technische Gegenbewegung begünstigen könnte. Erst ein Rückgewinn der Marke von 4.634 Dollar würde das bärische Bild grundlegend infrage stellen.

Für die laufende Woche bleibt die Straße von Hormus ein Risikofaktor: Schifffahrtsdaten zeigten zuletzt nur noch fünf Frachtschiffe pro Tag in der Meerenge, ein Zeichen für die Vorsicht der Reeder angesichts möglicher Angriffe. Hält die Eskalation zwischen den USA und dem Iran an, dürfte die Wechselwirkung zwischen Ölpreis, Inflationssorgen und Fed-Erwartungen den Goldpreis weiter zwischen safe-haven-Nachfrage und Zinsdruck hin- und herreißen.

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