Gold: Zwei Stützen brechen weg
Sowohl die Aussicht auf weitere US-Zinserhöhungen als auch die Entspannung im Nahen Osten setzen den Goldpreis massiv unter Druck.

Kurz zusammengefasst
- Fed signalisiert mögliche Zinserhöhungen
- Dollar-Index steigt auf Jahreshöchststand
- Iran-Abkommen reduziert Krisenprämie
- Gold-Future verliert über drei Prozent
Der Goldpreis hat am Donnerstag deutlich nachgegeben — und das Timing könnte kaum ungünstiger sein. Ausgerechnet an einem Tag, an dem eine Entspannung im Nahen Osten die Stimmung hätte heben können, drückte der geldpolitische Schwenk der US-Notenbank schwerer auf den Preis.
Fed-Dotplot verändert das Bild
Am Mittwoch ließ die Fed den Leitzins erwartungsgemäß bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Was Märkte überraschte: Neun von 19 FOMC-Mitgliedern rechnen noch in diesem Jahr mit mindestens einer Zinserhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh betonte in seiner ersten Sitzung als Notenbankpräsident klar die Priorität der Preisstabilität — und verzichtete bewusst auf Forward Guidance.
Das ist für Gold ein schlechtes Umfeld. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls, ein stärkerer Dollar macht es für internationale Käufer teurer. Der Dollar-Index zog auf Jahreshöchststände, der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit Ende März auf 1,1453 Dollar.
Iran-Deal mindert Krisenprämie
Parallel dazu unterschrieben die USA und Iran ein Memorandum of Understanding, das eine 60-tägige Waffenruhe und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus regelt. Rohöl gab daraufhin deutlich nach — die akute Versorgungsangst ließ nach. Das ist gut für die Weltwirtschaft, aber schlecht für Gold: Ein Teil der Krisenabsicherungsprämie, die das Metall zuletzt stützte, verlor an Dringlichkeit.
Im Tagesverlauf korrigierten Spot-Gold und Futures kräftig. Der August-Future an der Comex notierte zuletzt bei rund 4.249 Dollar je Feinunze — ein Tagesverlust von gut drei Prozent.
Datenwoche könnte Richtung bestimmen
Nächste Woche stehen PMIs, BIP-Daten, Arbeitsmarktberichte und vor allem die Kern-PCE-Inflation auf dem Kalender. Gerade der Inflationsindikator dürfte entscheidend sein: Bestätigt er Warshs harte Linie, könnte der Dollar weiter zulegen — und Gold weiter unter Druck geraten. Zeigen die Daten Abkühlung, wäre Spielraum für eine Gegenbewegung vorhanden.
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