Goldman liefert Rekordgewinn – und der Markt bestraft sie dafür

Trotz überraschend hoher Quartalsgewinne fällt die Goldman-Aktie, da erhöhte Kreditrückstellungen und ein Ölpreis über 100 Dollar die Inflations- und Zinsängste schüren.

Eduard Altmann ·
Goldman liefert Rekordgewinn – und der Markt bestraft sie dafür

Kurz zusammengefasst

  • Ölpreis steigt durch Blockade der Straße von Hormus
  • Goldman Sachs übertrifft Gewinnerwartungen deutlich
  • Kreditrückstellungen der Bank nehmen deutlich zu
  • Markt fokussiert sich auf wirtschaftliche Risiken

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich, Goldman Sachs werde den Auftakt der Berichtssaison liefern und Sie sollten auf die Kreditvergabe und das Konsumverhalten achten. Die Zahlen liegen nun vor. Sie sind besser als erwartet – und genau das macht die Sache so unbequem.

104 US-Dollar für ein Barrel Brent-Rohöl. 19 Prozent Gewinnplus bei Goldman Sachs. Und trotzdem: rote Vorzeichen, wohin man blickt. Dieser Montag zeigt in aller Klarheit, dass gute Schlagzeilen und gute Börsentage zwei verschiedene Dinge sind. Die Ölblockade an der Straße von Hormus treibt die Energiepreise, die Bankbilanzen offenbaren Risse im Kreditgeschäft, und in Frankfurt streiken die Piloten. Ordnen wir die Lage.

Brent über 100 Dollar – und was das für die Zinsen bedeutet

Die Straße von Hormus ist blockiert, und die Rohstoffmärkte haben in der Nacht zum Montag reagiert. Brent-Rohöl schoss in der Spitze um neun Prozent auf fast 104 Dollar nach oben, am Nachmittag pendelt der Preis bei rund 101,85 Dollar – ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Freitagsschluss.

Für den DAX ist das eine schwere Last. Der Leitindex gab am Vormittag knapp ein Prozent auf 23.567 Punkte ab, energieintensive Branchen wie Chemie und Automobil standen unter besonderem Druck. Doch die unmittelbaren Kursverluste sind nicht das eigentliche Problem. Ein Ölpreis, der sich dauerhaft über 100 Dollar festsetzt, heizt die Inflation erneut an – und rückt die erhofften Zinssenkungen in weite Ferne. Selbst Gold, sonst Profiteur jeder Krise, gab am Montag leicht nach: Die Anleger rechnen damit, dass die Notenbanken die Zinsen länger oben halten müssen als gedacht.

Dabei hatte der Morgen mit einem kleinen Hoffnungsschimmer begonnen. Das Handelsblatt DAX-Sentiment stieg von minus 4,2 auf minus 1,1 Punkte – die Anlegerstimmung war erstmals seit Kriegsbeginn nicht mehr extrem negativ. Die Rohstoffmärkte haben diesen zaghaften Optimismus binnen Stunden kassiert.

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17,55 Dollar Gewinn pro Aktie – und vier Prozent Kursverlust

Goldman Sachs legte am Montag Quartalszahlen vor, die auf dem Papier herausragend aussehen: 17,55 Dollar Gewinn pro Aktie, wo Analysten 16,39 Dollar erwartet hatten. 17,23 Milliarden Dollar Erlöse. Ein Rekord im Aktienhandel. 19 Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr.

Die Aktie fiel vorbörslich um vier Prozent.

Wer in die Details schaut, versteht warum. Der Nettozinsertrag blieb hinter den Erwartungen zurück. Schwerer wiegt: Die Rückstellungen für Kreditausfälle stiegen um zehn Prozent auf 315 Millionen Dollar. Das ist die Zahl, auf die es ankommt. Sie zeigt, dass Konsumenten und Unternehmen mit den Finanzierungskosten zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Goldman-CEO David Solomon unterstrich das mit einem Verweis auf die 39 Billionen Dollar US-Staatsschulden – eine Summe, die den fiskalischen Spielraum der Regierung bei künftigen Krisen drastisch einengt.

Gestern empfahl ich Ihnen, bei den Bankbilanzen weniger auf die Gewinne zu achten als auf die Kreditrückstellungen. Goldman hat diese Warnung am ersten Tag der Berichtssaison bestätigt.

Streik, Abstufung, lange Gesichter in Frankfurt

Während an der Wall Street die Bilanzen durchleuchtet werden, kämpft Frankfurt mit handfesten Problemen. Der erneute Pilotenstreik bei der Lufthansa legt am Montag wieder Hunderte Flüge lahm. Konzernchef Carsten Spohr nannte die Forderungen der Vereinigung Cockpit „absurd und unerfüllbar“ und machte klar: Die Airline fliege lieber einige Tage mit reduziertem Angebot, als die Kernmarke dauerhaft zu beschädigen. Das ist ein Signal an den Kapitalmarkt – die Lufthansa verteidigt ihre Kostenstruktur, auch wenn es kurzfristig wehtut.

Auch der Chipindustrie-Zulieferer Aixtron geriet unter Druck. Die Aktie fiel um 3,3 Prozent auf 36,92 Euro, nachdem die Deutsche Bank das Papier aus Bewertungsgründen auf „Hold“ abgestuft hatte. Nach einer Kursverdopplung seit Jahresbeginn nehmen die Investoren Gewinne mit – ein normaler Reflex in einem Markt, der Überbewertungen nicht mehr toleriert.

Budapest wendet sich, ein Krebsmedikament überzeugt

Jenseits der Börsen verdienen zwei Entwicklungen Aufmerksamkeit. In Ungarn hat Péter Magyar die Parlamentswahl gegen Viktor Orbán gewonnen. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft wertet das als „deutliches Zeichen pro Europa“. Moskau reagierte betont gleichgültig: Der Machtwechsel habe keinen Einfluss auf den Ukraine-Krieg. Gerade diese Gelassenheit verrät, dass der Kreml die Nachricht sehr wohl registriert hat.

Aus dem Biotech-Sektor kamen die mit Abstand besten Nachrichten des Tages. Revolution Medicines meldete Phase-3-Daten für den Wirkstoff Daraxonrasib gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs, die die bisherige Standard-Chemotherapie deutlich übertrafen. Die Aktie legte vorbörslich um über 34 Prozent zu – ein seltener Lichtblick an einem Tag, der sonst wenig Grund zur Freude bot.

Die Quintessenz

Dieser Montag liefert ein klares Bild: Öl über 100 Dollar drückt auf die Inflationserwartungen, steigende Kreditrückstellungen bei Goldman signalisieren wachsenden Stress bei Verbrauchern und Unternehmen, und die Zinsfantasie schwindet. In diesem Umfeld werden Unternehmen mit echter Preissetzungsmacht die Gewinner sein – und solche ohne sie die Verlierer.

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Morgen öffnen JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo ihre Bücher. Achten Sie erneut auf die Rückstellungen für drohende Kreditausfälle. Was die Banken dort verbuchen, sagt mehr über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft als jede Gewinnzahl auf der ersten Seite des Quartalsberichts.

Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann

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