Goldman traut Ceres Power eine Verdreifachung zu, Plug Power zittert vor Zahlen
Goldman Sachs sieht bei Ceres Power ein Kurspotenzial von 168 Prozent. Plug Power steht vor der Zahlenvorlage, während ITM Power Rekordumsatz meldet.

Kurz zusammengefasst
- Goldman traut Ceres Power 168 Prozent zu
- Plug Power legt am 10. August Zahlen vor
- ITM Power meldet Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund
- FuelCell Energy nach Milliarden-Deal volatil
Ein Analystenhaus, das eine Aktie gleichzeitig mit Sell und einem der aggressivsten Kursziele des Jahres belegt — genau das passiert derzeit bei Goldman Sachs im Wasserstoff-Sektor. Während Ceres Power einen spektakulären Rückenwind bekommt, steuert Plug Power auf einen möglichen Stimmungstest zu. ITM Power, FuelCell Energy und AFC Energy zeigen derweil, wie unterschiedlich die Branche zwischen KI-Fantasie und harter Kapitaldisziplin gerade auseinanderdriftet.
Ein Sektor, zwei Geschwindigkeiten
Der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Sektor hat sich sichtbar aufgespalten. Auf der einen Seite stehen Unternehmen mit direkter Anbindung an den Strombedarf von Rechenzentren, auf der anderen jene, die noch mit klassischen Finanzierungs- und Ausführungsproblemen kämpfen. Ceres Power und FuelCell Energy profitieren aktuell am stärksten vom KI-Rechenzentrums-Narrativ, während Plug Power vor allem auf Liquidität und Kostendisziplin schaut. ITM Power und AFC Energy bewegen sich im kapitalintensiveren Feld der Elektrolyse und Ammoniak-Spaltung, wo Auftragsbücher zählen statt Schlagzeilen.
ITM Power: Rekordumsatz trifft auf Goldman-Skepsis
Der britische Elektrolyseur-Spezialist hat operativ geliefert. Im ersten Halbjahr 2026 meldete ITM Power einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund, dazu einen deutlich verbesserten Bruttoverlust von 6,5 Millionen Pfund gegenüber zuvor 10,2 Millionen Pfund. Die Barreserven liegen bei starken 197,8 Millionen Pfund, der Orderbestand wuchs auf 152 Millionen Pfund, wovon 71 Prozent profitabel sind.
Für das Gesamtjahr peilt das Management einen Umsatz zwischen 35 und 40 Millionen Pfund an — eine geplante Vervierfachung binnen zwei Jahren. Ein frisch geschlossener Pakt mit Protium zu britischen Grünwasserstoff-Projekten unterstreicht die kommerzielle Ambition. Trotzdem bleibt Goldman Sachs bei seiner Sell-Einschätzung, während Jefferies und Morgan Stanley optimistischer gestimmt sind — ein Spagat, der die Unsicherheit über die Rentabilität der Elektrolyse-Sparte widerspiegelt.
Am Markt zeigt sich diese Zerrissenheit in der Kursbewegung: Die Aktie notiert aktuell bei 1,28 Euro, nach einem Plus von 6,30 Prozent auf Wochensicht, aber einem Minus von 5,87 Prozent im Monatsvergleich. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 77,19 Prozent.
Plug Power: Bärischer Trend vor der Nagelprobe
Plug Power bewegt sich in einem angespannten technischen Bild. Der Titel notiert unterhalb sämtlicher wichtiger gleitender Durchschnitte, der RSI von 39,4 signalisiert fehlenden Aufwärtsdruck. Aktuell steht der Kurs bei 1,80 Euro, nach einem Rückgang von 16,03 Prozent im 30-Tage-Vergleich.
Das Unternehmen stützt seine Bilanz derzeit über Vermögensverkäufe und Finanzierungsmaßnahmen, die laut Management Teil der Liquiditätsstrategie für 2026 sind. Die entscheidende Woche steht bevor: Am 10. August legt Plug Power die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten erwarten einen Verlust von 8 Cent pro Aktie bei Erlösen von rund 168 Millionen Dollar — eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahresverlust von 20 Cent. Die Konsensmeinung bleibt mit „Hold“ verhalten, ein Fünftel der Analysten rät sogar zum Verkauf. Nach dem Bericht dürfte sich zeigen, ob der Titel aus seiner Seitwärtsbewegung ausbrechen kann.
FuelCell Energy: Kursachterbahn nach Milliarden-Partnerschaften
Kaum ein Titel im Sektor war zuletzt so volatil wie FuelCell Energy. Ausgelöst wurde die Rally durch eine strategische Vereinbarung mit Fit Energy USA über die Lieferung von bis zu 380 Megawatt Grundlaststrom für Rechenzentren, inklusive einer ersten Tranche von 30 Megawatt. Die Aktie schoss daraufhin von rund 19,65 US-Dollar auf über 37,88 US-Dollar, bevor sie sich wieder in den niedrigen 20ern einpendelte. Aktuell notiert der Titel bei 18,02 Euro.
Eine zusätzliche Kooperation mit Siemens im Bereich dezentraler Energieprojekte über 100 Megawatt sorgte für weitere Käufe. Fundamental bleibt allerdings Nachholbedarf: Der Umsatz im zweiten Fiskalquartal lag bei 35,6 Millionen Dollar und verfehlte die Erwartungen von 40,5 Millionen Dollar deutlich, der Verlust pro Aktie fiel mit minus 1,45 Dollar weit schlechter aus als prognostiziert. Immerhin verfügt das Unternehmen über eine solide Kapitaldecke von 373 Millionen Dollar Cash gegenüber nur 159 Millionen Dollar Schulden.
Die Bewertung bleibt trotz der Rückschläge ambitioniert: Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 10,3 liegt die Aktie weit über dem Branchendurchschnitt von etwa 2,9. Jefferies stufte den Titel dennoch auf Buy hoch mit Kursziel 24 US-Dollar, B. Riley verdoppelte sein Ziel auf 32 US-Dollar, UBS zog mit 27 US-Dollar nach — alle mit Verweis auf die sichtbare Auftragspipeline aus dem Fit-Energy-Deal.
AFC Energy: Leiser Umbau statt Kursfeuerwerk
Während andere Sektorwerte Schlagzeilen mit Kurssprüngen machen, setzt AFC Energy auf einen stillen strategischen Neuaufbau. Firmenchef John Wilson spricht von „substanziellem Fortschritt“ bei der Kommerzialisierung der Wasserstofftechnologie und stellt für 2026 nachhaltiges Umsatzwachstum ohne staatliche Subventionen in Aussicht.
Im Zentrum steht der portable Wasserstoff-Cracker Hy5, der bis zu 500 Kilogramm Wasserstoff täglich produzieren soll — zu einem Zielpreis von 10 Pfund pro Kilogramm, verglichen mit aktuellen britischen Marktpreisen zwischen 40 und 110 Pfund. Eine Kooperation mit Komatsu im Volumen von rund 2 Millionen Dollar zur Integration der Ammoniak-Crack-Technologie in Industriemotoren wurde bereits nach Geschäftsjahresende unterschrieben. Eine zweite, noch unbenannte Partnerschaft mit einem S&P-500-Konzern zu dezentralen Ammoniak-Wasserstoff-Crackern hat die erste Entwicklungsphase abgeschlossen.
Finanziell zehrt der Umbau an der Substanz. Eine überzeichnete Kapitalerhöhung im Juli 2025 über 27,5 Millionen Pfund brachte zunächst 25,3 Millionen Pfund an Barmitteln, die bis Ende Januar 2026 auf 20,4 Millionen Pfund schrumpften. Parallel wurde die Kostenbasis verschlankt und die Führungsebene mit drei neuen Positionen — Programmdirektor, Strategiechef und Kommerzialisierungschef — verstärkt.
Ceres Power: Goldmans gewagte Wette auf die KI-Stromlücke
Kein anderer Wert im Sektor sorgt derzeit für so viel Diskussionsstoff wie Ceres Power. Goldman Sachs kürte die Aktie zum europäischen Top-Pick für August und traut ihr ein Kursplus von 168 Prozent binnen zwölf Monaten zu — eine nahezu einmalige Prognose für ein Unternehmen mit langer Verlusthistorie. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Im Juli hatte die Aktie mehr als 31 Prozent verloren, nachdem Anleger sich generell aus KI-Investments zurückzogen. Goldman deutet diesen Rückgang als Einstiegschance, nicht als Warnsignal.
Ceres verfolgt ein lizenzbasiertes Modell, bei dem der Erfolg maßgeblich von Partnern abhängt. Südkoreas Doosan Fuel Cell und Taiwans Delta Electronics entwickeln und produzieren Brennstoffzellensysteme auf Basis der Ceres-Technologie, gezielt für Rechenzentren. Das birgt Risiko: Verzögert sich die Produktion bei den Lizenznehmern, schrumpfen auch die Lizenzeinnahmen — unabhängig davon, wie stark die KI-Nachfrage auf dem Papier aussieht. Der klarste Meilenstein für Investoren ist der geplante Produktionsstart mit Delta Electronics bis Ende 2026.
Goldman-Analyst Michele Della Vigna bekräftigte sein Kaufrating mit einem Kursziel von 930 Pence, deutlich über dem breiteren Analystenkonsens von rund 760 Pence. Am Markt zeigt sich die Volatilität bereits: Der Kurs liegt aktuell bei 5,03 Euro, nach einem Plus von 19,76 Prozent innerhalb einer Woche, aber weiterhin mit spürbarem Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 10,48 Euro.
Sektordynamik im Überblick
Die fünf Werte zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich der Markt Wasserstoff-Exposure je nach Endmarkt bewertet:
- KI-Rechenzentren als Kurstreiber: FuelCell Energy und Ceres Power profitieren am stärksten von der Nachfrage nach dezentraler Stromversorgung für Rechenzentren
- Liquidität im Fokus: Plug Power konzentriert sich vor der Berichtssaison auf Kostendisziplin statt auf neue Wachstumsstorys
- Orderbuch statt Schlagzeilen: ITM Power und AFC Energy werden an der Konversion ihrer Pipelines in feste Aufträge gemessen
- Gespaltene Analystenmeinungen: Goldman Sachs hält gleichzeitig ein Sell auf ITM Power und einen der aggressivsten Buy-Calls des Sektors auf Ceres Power
Wasserstoff-Sektor vor mehreren Belastungstests
Die kommenden Wochen liefern konkrete Prüfsteine. Am 10. August entscheidet sich bei Plug Power, ob sich die Verluste trotz schwachem technischem Bild weiter eingrenzen lassen. FuelCell Energy muss zeigen, dass sich die Fit-Energy- und Siemens-Vereinbarungen tatsächlich in abgerechneten Umsatz verwandeln — sonst dürfte die hohe Bewertung unter Druck kommen. Bei Ceres Power bleibt der Produktionsstart mit Delta Electronics Ende 2026 der Maßstab, an dem sich Goldmans mutige Prognose messen lassen muss. AFC Energy und ITM Power werden derweil eher leise, aber nicht weniger entscheidend an der Umsetzung ihrer Auftragsbücher gemessen — ohne spektakuläre Einzelereignisse, aber mit langfristiger Signalwirkung für den gesamten Sektor.
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